12. November 2019

Ein Synodaler Weg ist keine Einbahnstraße

Teilweise nur in den Anmerkungen der Papst Franziskus-Enzykliken gibt es so etwas wie eine Prinzipienlehre, die die alte Theologie weit hinter sich lässt. In diesem Sinn wird dort betont: Wirklichkeit geht vor Idee. Zeit geht vor Raum (man könnte auch sagen: Prozess geht vor Wahrheit), Einheit vor Konflikt. Das Ganze ist dem Teil übergeordnet. Mit Ratzingers (immer noch) Neuplatonischem Denken ist das ganz und gar nicht vereinbar. Die Zeit, in der man den Menschen die Wahrheit um die Ohren geschlagen hat (vgl. “splendor veritatis” von Johannes Paul II.), ist damit eigentlich vorbei. Man wird auf diese […]
8. November 2019

Logo des Synodalen Weges vorgestellt

Man ist überzeugt: Die Kirche braucht ein synodales Voranschreiten. Die Katholische Kirche in Deutschland fängt dabei nicht am Nullpunkt an. Die „Gemeinsame Synode der Bistümer der Bundesrepublik Deutschland“ (Würzburger Synode 1971 bis 1975), die „Pastoralsynode der Katholischen Kirche in der DDR“ (1973 – 1975) und der Gesprächsprozess der vergangenen Jahre haben den Boden bereitet. Doch die schmerzliche Realität der weltweiten Missbrauchsskandale in der Katholischen Kirche zwingen zum Handeln. Jetzt wurde für den angekündigten “Synodalen Weg” erst einmal das Logo vorgestellt. Das Logo ist ein Kreuz als Wegweiser: Eindeutig, direkt erkennbar […]
3. November 2019

Kardinal Gerhard Ludwig Müller in der JVA Bochum

Der erste Termin seiner eng getakteten Vortrags- und Begegnungsreise in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz führte Kardinal Gerhard Ludwig Müller, ehemaliger Präfekt der Glaubenskongregation, zu den Gefangenen der Justizvollzugsanstalt Bochum. Wenige Stunden vorher war er angekommen aus den halloween-besessenen Vereinigten Staaten von Amerika (USA). In seiner Predigt in der vollen Kirche der Justizvollzugsanstalt Bochum legte der Kardinal auf dem dunklen Hintergrund der Lust am Erschrecken, Grauen und Angstmachen das helle Evangelium vom Sünder und Zöllner Zachäus aus. “Heute ist diesem Haus Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn […]
3. November 2019

Nicht krampfhaft um sich selbst kreisen

Deutsche Kirchen würdigen 20 Jahre Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre. Mit einem zentralen Gottesdienst in der Stuttgarter Stiftskirche ist der 20. Jahrestag der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre am 31. Oktober 1999 in Augsburg gefeiert worden. Die Gemeinsame Erklärung stellt eines der bedeutendsten Dokumente der Annäherung der Kirchen weltweit dar. Im Gottesdienst wurde besonders die Entwicklung von einer bilateralen Einigung zwischen lutherischer und römisch-katholischer Kirche zu einem multilateralen Grundstein in der Ökumene gewürdigt. Die Gemeinsame Erklärung wird inzwischen von fünf Weltgemeinschaften der lutherischen, katholischen, methodistischen, reformierten und anglikanischen […]
19. Oktober 2019

Gefängnis als Kirchort, als christlich-offene Gemeinde

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ heißt es im Matthäusevangelium der Bibel (Mt 20, 20). Wo Christen sich im Namen Jesu Christi versammeln, um das Wort Gottes zu lesen oder zu hören, ihren Glauben und ihr Leben zu feiern, ihre Fragen, Sorgen und Probleme im Gebet vor Gott tragen und einander respektieren und unterstützen, dort ist christliche Gemeinde. Dies geschieht überall, ist an keinen Ort gebunden, bedarf auch nicht der Anwesenheit eines Priesters, Diakons, Pastoral- oder Gemeindereferenten. SeelsorgerInnen verstehen […]
10. Oktober 2019

Anders katholisch. Ein Weg in die Zukunft?

Wer katholisch ist, ist Teil einer weltumspannenden Gemeinschaft, in der die grundlegenden Glaubensüberzeugungen und “Spielregeln” überall gleich sind. Trotzdem gibt es etwa mit Blick auf gelebte Traditionen und das christliche Brauchtum auch in der katholischen Kirche regionale Unterschiede. Ein geografisch großes Bistum mit nur wenigen Katholiken ist das Bistum Magdeburg. Dessen Bischof Gerhard Feige wirft in seinem neuen Buch einen genaueren Blick auf die Diözese und skizziert die Zukunft der Kirche als “schöpferische Minderheit” in einem säkularen Umfeld. Zur Einheit gesellt sich in der katholischen Kirche also immer […]
3. Oktober 2019

Import Menschen – Import Priester?

Deutschland Exportweltmeister. Made in Germany – ab geht’s in die weite Welt. Müll bis nach Malaysia. Und immer mehr Waren werden importiert. Und Menschen. Was wäre die Bundesliga ohne ihre ausländischen Spieler? Ohne die Krankenschwestern aus dem Ausland müsste manches Krankenhaus schließen. Und was wäre die katholische Kirche hierzulande ohne ihre Import-Priester? Etwa jeder dritte der aktiven Priester kommt aus Polen, Indien oder aus afrikanischen Ländern. Nicht immer lustig. Als ein Kind den schwarzen Pfarrer zum ersten Mal in der Kirche sieht, sagt es zu seiner Oma: „Oma, […]
13. September 2019

Gelobt sei Gott. Sicht von Missbrauchsopfern

François Ozons Film ­schildert – aus der Sicht von ­Missbrauchsopfern eines katholischen Priesters, die um Aufklärung und Gerechtigkeit kämpfen – den bisher größten Skandal der Katholischen Kirche in Frankreich. Es gibt in diesem Film recht früh eine Schlüsselszene, die körperliches Unwohlsein erzeugt: die persönliche Gegenüberstellung zwischen dem inzwischen erwachsenen Missbrauchsopfer Alexandre (Melvil Poupaud) und dem ­Täter, Priester Bernard Preynat (Bernard Verley). Bei dem Treffen, vom Lyoner Kardinal Barbarin (François Marthouret) und einer Kirchenpsychologin (Martine Erhel) organisiert, soll Preynat seine Taten gestehen und um Vergebung bitten. Während Alexandre angesichts […]
14. August 2019

“Verzweifelt katholisch”. Wut macht widerständig

Die 68er-Bewegung hat mich befreiend geprägt. Was für ein kämpferisches Lebensgefühl, nicht nur die Welt, sondern auch die katholische Kirche verändern zu können! Kein Wunder, dass mich in den 1980er-Jahren beste Freundinnen und Freunde fragten, wie ich mich zum Priester weihen lassen könnte? Mein Antwortversuch drückte sich in einem Versprechen aus: Ich werde kämpfen für eine andere katholische Kirche, eine offenere, ökumenischere, sinnlichere. 1985 teilte ich meinem Bischof vor der Priesterweihe handschriftlich mit, dass ich mich mit meiner ganzen Kraft für das Frauenpriestertum einsetzen würde. Ich tue es […]
13. August 2019

Pastoraler Mitarbeiter verzweifelt an der Kirche

Daniel Wirsching | Augsburger Allgemeine. Dies ist die Geschichte eines Mannes, der trotz allem noch an Gott glaubt. Gelegentlich geht er sogar in die Kirche, um zu beten. Mit der Institution Kirche hat er dagegen abgeschlossen. Er lernte sie von ihrer unbarmherzigen Seite kennen. Er sagt: „Die Kirche hat mich seelisch vergewaltigt.“ Dennoch arbeitet er nach wie vor in einer Einrichtung der katholischen Kirche. Und nach wie vor hat er Angst, seinen Job zu verlieren. Die Angst begleitet ihn seit Jahren. Deshalb will er auch nicht seinen Namen […]
12. August 2019

Vom eigenen Zorn überwältigt – Kehrseiten

Die Erfahrungen, die ich im Knast gemacht habe, gehören trotz mancher Ernüchterung wahrscheinlich zum Besten, was mir auf meinem beruflichen Weg begegnet ist. Ich hätte es mir als Pastoralreferent in einer weitgehend verbürgerlichten Kirche nicht träumen lassen: die vielen ausgesprochen dichten und unmittelbaren Begegnungen mit Menschen, deren Lebensart mir bisher eher fremd gewesen war; die Irrungen und Wirrungen von Männern, die aus welchen Gründen auch immer irgendwann in den Sog der Kriminalität geraten sind; die Abgründe, die Ausweglosigkeiten, die Schuld und die Scham, aber auch die Hoffnungen und […]
13. Juli 2019

Glaube spielte in preußischer Gefängnisreform eine Rolle

An der Außenwand der Kirche, dem Inneren des Gefängnisses zugewandt, hing ein großes Kreuz. Vorher war dort auf der Wand nichts. Dieses Kreuz hatte bis zu einem großen Sturm auf dem vorderen Dach des alten Gefängnisses „Ulmer Höh“ über der Altarseite der Kirche gestanden,. Dies mehr als hundert Jahre. Die Verwitterung, der Rost und die Materialermüdung hatten es dem Sturm leicht gemacht, das Kreuz in Einzelteilen herunter zu fegen, “Gott sei Dank” damals ohne Personenschaden. Ursprünglich hatte unter dem Kreuz eine Glocke gehangen, möglicherweise die, welche im Gefängnis zum […]
10. Mai 2019

Maria 2.0 ruft zum Kirchenstreik

Die Frauen kämpfen für eine Erneuerung der Kirche und treten in den Streik: Aus der kleinen Initiative ist ein bundesweiter Protest geworden. Es hat ganz klein angefangen: Fünf Frauen von Heilig Kreuz in Münster finden sich nicht damit ab, dass Ämter in der katholischen Kirche nur Männern vorbehalten sind – und haben für den 11. bis 18. Mai zu einem “Kirchenstreik” aufgerufen. Mit ihrer Initiative “Maria 2.0” kämpfen sie angesichts des Missbrauchsskandals für eine Erneuerung der Kirche und für andere Machtstrukturen. Inzwischen hat sich aus der Aktion der […]
3. April 2019

Trauerfeier – Mit oder ohne “Geistlichen”?

Mein Freund Jupp wollte, dass ich seine Trauerfeier halte. Das war auch der große Wunsch seiner Familie. Aber dies wurde mir verwehrt, weil ich kein “Geistlicher”, sondern ein “Laientheologe” bin. Laut Bischofskonferenz kann bei pastoraler Notwendigkeit auch ein Laie zur Leitung von Begräbnisfeiern beauftragt werden. Soweit, so gut. Der zuständige Pfarrer und der Düsseldorfer Dekan bezogen sich auf die Maßgabe des kanonischen Rechts, dass die Begräbnisfeiern von einem Kleriker durchzuführen sind (can. 1168 CIC – kirchliches Gesetzbuch). Ferner wurde darauf hingewiesen, dass laut Bischofskonferenz bei pastoraler Notwendigkeit auch […]
30. März 2019

Haben Kloster und Knast Gemeinsamkeiten?

Schwester Johanna Domek OSB besuchte am Tag der Inhaftierten die Justizvollzugsanstalt Köln und feierte einen Gottesdienst mit ca. 50 inhaftierten Frauen. Johanna Domek OSB (* 1954) war Priorin des Benediktinerinnenklosters von der Ewigen Anbetung in Köln-Raderberg. Sie trat 1974 in das Kloster ein und wurde 1986, erst 31-jährig, zur Priorin gewählt. Aus gesundheitlichen Gründen legte sie ihr Amt 1992 nieder, übernahm es aber nach dem Rücktritt ihrer Nachfolgerin 1996 wieder und hatte es bis Juli 2010 inne. Johanna Domek verfasste zahlreiche Vorträge und Veröffentlichungen zu Themen der Spiritualität und […]
9. März 2019

Die Bedingungen haben sich verschärft

Aus dem Fastenhirtenbrief, Bischof Dr. Gerhard Feige. Die Kirche hat inzwischen in unserer Gesellschaft an Bedeutung wieder verloren und seit dem Missbrauchsskandal auch enorm an Vertrauen eingebüßt. Zudem sind wir aufgrund demografischer und anderer Entwicklungen wesentlich weniger und im Durchschnitt auch älter geworden. Über 80% der Bevölkerung im Bistum Magdeburg ist konfessionslos. Das geht nicht spurlos an uns vorüber und beeinflusst auch unsere christliche Lebenspraxis. Eltern fällt es zunehmend schwerer, ihren Kindern und Jugendlichen den Glauben zu erschließen. Andererseits aber finden manche nichtchristlichen Erwachsenen bei uns neue Perspektiven […]
23. Februar 2019

Warum ich trotz allem in der Kirche bleibe

In meinem Freundeskreis höre ich häufig den Satz “Ich bin jetzt endlich aus der Kirche ausgetreten”. Ich werde diesen Satz nicht sagen. Ich werde nicht austreten. Ich bin gegen Homophobie, gegen das Zölibat, gegen das katholische Frauenbild und glaube quasi nicht an Gott. Ich stellte schon als Jugendliche bei einer Gemeindefahrt nach Rom fest, dass ich bei Gebeten nichts empfinde, die Emotionen von Gläubigen irritierten mich sogar. Trotzdem bleibe ich in der Kirche.    Die katholische Kirche wird zu Recht massiv kritisiert. Trotzdem gibt es Gründe für mich, […]
20. Februar 2019

Pflichtzölibat der Priester als freiwillige Option?

Wie steht es um die Zukunft des Pflichtzölibats? Limburgs Bischof Georg Bätzing findet, man sollte Priestern die freie Wahl lassen, ob sie heiraten oder nicht. Genau wie der Dogmatiker Michael Seewald hält er eine nationale Lösung für möglich – unter einer Bedingung. Der Limburger Bischof Georg Bätzing kann sich eine Aufhebung des Pflichtzölibats für Priester in Deutschland gut vorstellen. “Ich glaube, es schadet der Kirche nicht, wenn Priester frei sind, zu wählen, ob sie die Ehe leben wollen oder ehelos leben wollen”, sagte Bätzing in einem Interview, das […]
3. Februar 2019

Kirche: Nach Worten müssen Taten folgen

Weiheämter für Frauen, Zölibat, Sexualmoral und Machtbegrenzung: Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat einen offenen Brief von bekannten Theologen und Katholiken veröffentlicht, die sich mit diesen Inhalten an Kardinal Marx wenden. Zu den neun Unterzeichnern des Briefes gehören Ansgar Wucherpfennig, Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt, der Jesuitenpater Klaus Mertes, der 2010 als Rektor am Berliner Canisius-Kolleg Missbrauchsfälle öffentlich machte, der Frankfurter Stadtdekan Johannes Graf von und zu Eltz, Kritiker des früheren Limburger Bischofs Tebartz-van Elst, Gaby Hagemans, Direktorin der Caritas Frankfurt, Bettina Jarasch, Vorstandmitglied der Partei […]
16. November 2018

Debatte um Missbrauch wird weitergehen

Eigentlich hatte das Thema der Katholischen Gefängnisseelsorge in Deutschland e.V. auf ihrer Studientagung im September 2018 in Ludwigshafen nichts mit der Missbrauchsdebatte zu tun, sondern das Tagungsthema hieß: „AndersSein am AndersOrt“. Aber dennoch war es das Subthema der ganzen Tagung, denn zeitgleich war die Versammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Fulda. Der Bericht zum Stand der Missbrauchsdebatte innerhalb der katholischen Kirche mit 356 Seiten wurde an diesem Tag offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt. Kardinal Reinhard Marx gab eine Pressekonferenz und es stand auf jeder Titelseite. Am eindrücklichsten zu dem Thema war bei […]