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Pastoralreferentin veröffentlicht Buch: Mit meiner Königin

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Priesterin werden konnte sie nicht. Doch Katharina Barth-Duran ist in der katholischen Kirche geblieben. Jetzt legt der Herder-Verlag den spirituellen Begleiter der aus der Stadt Schwaigern am Nordrand des Schwarzwaldes kommenden Pastoralreferentin für die Fastenzeit vor. Katharina Barth-Duran geht es um die Frage, wie man in Beziehung zu Jesus im eigenen Innern kommt. Ihre würdevolle Königin könnte auch Jesus sein − aber, so die Streiterin für Frauenrechte, „das wäre ja wieder ein Mann“.

„Wir sind zwar eine wohlhabende Nation, aber spirituell ein sehr armes Land“, ist ein Fazit, das Katharina Barth-Duran aus ihrer bald 66-jährigen Lebenserfahrung zieht. Um dieser geistlichen Armut ein klein wenig abzuhelfen, hat die Schwaigernerin, die in Eppingens katholischer Kirchengemeinde elf Jahre lang das Amt der Pastoralreferentin bekleidete, ein Buch geschrieben. „40 Tage mit meiner Königin“ ist zeitgleich mit Barth-Durans Pensionierung Ende Januar 2022 im Herder-Verlag erschienen. Die Königin sei nicht schön, beschreibt die engagierte Katholikin die Holzfigur aus der Künstlerwerkstatt von Ralf Knoblauch, die Titel und Inhalt der Fastenzeitlektüre inspiriert hat: „Aber sie hat etwas sehr Aufrechtes. Ihre Augen sind geschlossen, als meditiere sie“ – auch Barth-Duran schöpft Kraft in der Meditation. Ihr Buch soll nun Impulse geben, „dass ein Austausch über den Glauben zustande kommt.“

Der Künstler und Diakon Ralf Knoblauch absolvierte vor seiner theologischen Ausbildung  eine Tischlerlehre. Aus altem Fachwerkholz schafft er künstlerische Königsskulpturen, die in ihrer Vielfalt etwas gemeinsam haben: Sie tragen eine Krone als Zeichen von Würde, sind festlich mit weißem Oberteil bekleidet, um Wertschätzung zu signalisieren – und sie haben die Augen geschlossen: ein Zeichen für Verletzbarkeit und gleichzeitig Unerschrockenheit.

In Poesie gehüllte Denkanstöße

Denkanstöße gibt die Mutter von drei Kindern und vier Enkeln, indem sie im Tagebuch festgehaltene Episoden aus ihrem Leben in poetische Worte fasst und durch Gebete und tagesliturgische Texte ergänzt. Die gebürtige Moselanerin hat im Bistum Trier Diplom-Theologie studiert, doch ihren Ansatz nennt sie „Erfahrungstheologie“. Ihr persönliches Glaubenszeugnis auf Basis des Evangeliums „wie ich es sehe“ sei dieses Buch. Das Persönlichste sei auch das Allgemeinste, zitiert sie den US-amerikanischen Psychotherapeuten Carl Rogers. Analog zu dessen personenzentrierten Therapiethesen weiß Barth-Duran: „Wenn ich authentisch bin und von mir erzähle, haben die Zuhörer oder Leser die Möglichkeit anzudocken.“

Das Sinnenhafte am Katholischsein

So erzählt sie persönlich und poetisch von ihrem nicht immer leichten, von Krisen, Krankheiten und nicht zuletzt Kämpfen für eine gleichberechtigtere Rolle der Frau in der katholischen Kirche geprägtem Werdegang, durch den sie stets die tiefe Verankerung im Glauben getragen hat. Als Kind liebte sie besonders „dieses Sinnenhafte“ am Katholischsein: „Weihrauch, Fronleichnamsprozessionen … das ist ein großer Reichtum in der katholischen Kirche. Mir ist nie in den Sinn gekommen, da rauszugehen“, sagt Barth-Duran noch heute, obwohl sie durchaus irgendwann damit haderte, keine Priesterin werden zu können.

Männer bestimmen die Machtverhältnisse

In Eppingen durfte sie zu ihrem Bedauern nicht predigen. Denn bei Eucharistiefeiern ist das Pastoralreferenten nicht erlaubt, und reine Wortgottesdienste gibt es in der Fachwerkstatt nicht. Ganz anders als bei ihrer ersten Stelle in Daun (Eifel), wo sie regelmäßig Gottes Wort verkündete. Nicht nur in der katholischen Kirche, aber besonders dort, bestimmen meist Männer-(Machtverhältnisse), wie weit Frauen in der Hierarchie kommen. So ein „Gerangel, um immer eine weiße Weste zu behalten“, wie es beim aktuellen Skandal um Kindesmissbrauch und Papst Benedikt XVI. öffentlich wird, lehnt sie eindeutig ab.

Die Würde wiederentdecken

Doch Dinge würden sich ändern, nicht zuletzt durch den „zivilen Ungehorsam“, mit dem viele jetzt per Kirchenaustritt Widerstand gegen die starre Haltung der Kirche leisteten. Sie selbst bleibt dabei: „Ich glaube daran, dass unsere Kirche mit den Frauen einen Weg in die Zukunft finden wird – denn ohne Frauen hätte sie keine Zukunft.“ So sagte sie es der Eppinger Kirchengemeinde in ihren Abschiedsworten. Viele kluge und Seelentrost spendende Worte gibt sie auch Lesern ihres in sechs Wochenkapitel mit 40 Abschnitten von Aschermittwoch bis Ostern aufgeteilten Buchs mit. Die Herder-Verlagslektorin Johanna Oehler sagt dazu: „Viele Menschen denken beim Thema Fasten heute an Verzicht, Zwang und Selbstoptimierung. Die Botschaft von Katharina Barth-Durans Fastenbegleiter ist anders. Sie sagt: In jedem von uns steckt bereits eine Königin oder ein König, wir müssen unsere Würde nur (wieder-)entdecken. Ihre bestärkenden Impulse, Gedichte und Bibelmeditationen sind darum auch außerhalb der Fastenzeit inspirierend.“

Susanne Schwarzbürger | Mit freundlicher Genehmigung: Heilbronner Stimme

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Katharina Barth-Duran, geb. 1956, ist eine engagierte Kirchenfrau zwischen Haupt- und Ehrenamt, zwischen Familie und Gemeinde. Sie wirkt als Pastoralreferentin im Beerdigungsdienst, der Frauen-Seelsorge, in Supervision und Coaching der Erzdiözese Freiburg und als Referentin.

PastoralreferentInnen

Sie haben katholische Theologie studiert und zusätzlich eine kirchliche Ausbildung durchlaufen: PastoralreferentInnen. In römisch-katholischen Kirchengemeinden übernehmen sie nicht nur seelsorgerische Aufgaben, sie erteilen auch oft Religionsunterricht oder werden in der in der Erwachsenenbildung und Jugendarbeit tätig. Auch liturgische Aufgaben im Gottesdienst übernehmen sie. Den Beruf gibt es nur in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in den Niederlanden, aber nicht in allen Diözesen. Die Tätigkeit der einzelnen Berufsgruppen in der Gefängnisseelsorge unterscheidet sich kaum. Die Seelsorge im Gefängnis stellt für die dort pastoral Tätigen eine besondere Herausforderung dar. 

 

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