Macht die erschlafften Hände wieder stark! (Jes 35,3). Unter diesem Arbeitstitel wird ein Angebot aufgenommen, das in Vergangenheit unter den Besinnungstagen in Münsterschwarzach „Ohnmacht im Vollzug“ ins Leben gerufen worden war. Die Tage dort sind zur geistlichen und physischen Erholung sowie zur Stärkung für alle Seelsorgenden, die im Gefängnis arbeiten.

 

Die Arbeit im Justizvollzug wird komplizierter: Handlungsspielräume aller Involvierten werden immer enger gefasst. In manchen Anstalten werden Bedienstete gehalten, online persönliche Handlungsabfragen für mögliche Ereignisse auszufüllen. Vordergründig soll damit zwar Handlungssicherheit geschaffen werden, befürchtet wird allerdings, dass es nur darum gehen kann, nach einem “Störfall” (Gewaltausbrüche, Bedrohungslagen, Suizid, Ausbrüchen, Unfälle, Schadstoffe etc.) die Schuldfrage zu klären bzw. abzuwickeln.

 

Durch den sukzessiven Abbau von Behandlungsangeboten (Gruppenveranstaltungen, Besuchsmöglichkeiten, Zeiten, in denen Ehrenamtliche in die Anstalt dürfen, u.A.) werden die Inhaftierten mehr und mehr mit ihren Fragen und Sorgen alleine gelassen und sind darauf angewiesen, sich selbst Lösungen zu verschaffen, welche ihrerseits eine neue Handlungsspirale auslösen können. Dies erhöht indirekt den Druck auf die Seelsorge, welche – von beiden Seiten - immer mehr zu einem "Joker" wird. Nicht mehr die Problemlösung von inhaftierten Menschen steht im Vordergrund, sondern ein „unauffälliger“ Vollzug.

Binnenkirchliche Missstände wie die Missbrauchsdebatte belasten zusätzlich, da sich die Seelsorgenden oft in einem Rechtfertigungszwang für ihre Tätigkeiten wiederfinden und diesen Druck konstant durchhalten müssen. Wie können Seelsorgende im Gefängnis täglichen Nöten nachgehen, wenn sie latenter Unterstellungen oder offenen Vorwürfen ausgesetzt fühlen?

Nicht zuletzt gibt es aufgrund von Mangel an vernünftigem Nachwuchs bei den verbleibenden KollegInnen den unfreiwilligen Impuls, nochmal ein Jahr anzuhängen oder ggf. sogar in eine zweite Anstalt zur Aushilfe zu gehen, was die eigenen Batterien in die Tiefentladung zu bringen droht. Um dieser körperlichen und seelischen Erschöpfung vorzubeugen, sollen die Besinnungstage in Münsterschwarzach ein Angebot sein.

Unsere KollegInnen der evangelischen Gefängnisseelsorge sind zur Teilnahme an den Exerzitien herzlich eingeladen! Ehemalige GefängnisseelsorgerInnen, die in Pension sind und sich mit uns verbunden fühlen, sind ebenso willkommen.

Andreas Bär | JVA Nürnberg

20. Oktober 2021
Hamperle – Mal schräg sein und gelten lassen können
Wissen Sie was ein „Hamperle“ ist? Das muss aus dem Schwäbischen oder Badischen kommen. Das „le“ als Verniedlichung am Endes eines Wortes ist in Baden-Württemberg weit verbreitet. Manches Mal wird die Verniedlichung als Schimpfwort gebraucht, aber auch als Kosewort. Ein „Hamperle“ ist jemand, der/die auffällt, der […]
4. Oktober 2021
Auf beiden Seiten der Mauern nur Menschen
In einer Zeichnung von Tiki Küstenmacher sieht man auf Wolken sitzend und stehend zahllose Wesen in weißen Gewändern: Manche sind blau und haben drei Augen, andere haben zwei Köpfe und vier Arme, wieder andere sehen aus wie ET oder ein anderer Außerirdischer; eine kunterbunte Mischung. Dazwischen […]
25. September 2021
Hatte schon immer gern das letzte Wort: Danke
Da sagt mir eine Dame: „Ihr Buch liegt bei mir auf dem Nachtschränkchen und ich schlafe jeden Abend mit Ihnen ein.“ Bei anderen liege ich neben der Kaffeemaschine, auf dem Küchentisch oder stehe verstaubt im Bücherregal. Vor kurzem bekannte ein Freund mir freimütig: „Petrus, bei uns […]
19. September 2021
Das Meer suchend auf einer Nordsee-Insel
In den Ferientagen auf eine Nordsee-Insel ans Meer zu fahren, das ist ein guter Gedanke. Ruhe und Erholung am großen Wasser mit Strand und Sonne. Dieses Jahr geht es auf die nordfriesische Insel Amrum in Schleswig Holstein. Die Überfahrt mit der Fähre und den vielen Fahrzeugen […]
21. Juli 2021
Eros und Sexualität sind Quellen von Spiritualität
Erotik und Sexualität sind für Pierre Stutz spirituelle Quellen. Im Gespräch erläutert er, weshalb er seine Partnerschaft als Sakrament bezeichnet. “In der Mitte der hebräischen Bibel gibt es faszinierend-erotische Liebeslieder, in denen eine wunderbare Wertschätzung der sexuellen Liebeskraft ausgedrückt wird. Obwohl sie aus einer ländlichen Lebenswelt […]
21. Juni 2021
Positive Psychologie für den seelsorgerlichen Dienst im Knast
Nach mehrjähriger Pause und bedingt durch den Corona-Lockdown trafen sich Mitte Juni 2021 zwei Frauen und vier Männer im Kloster Münsterschwarzach, um im Rahmen einer Auszeit über ihre seelsorgerliche Arbeit in den Gefängnissen nachzudenken und mögliche Impulse aus dem Bereich der positiven Psychologie in das eigene […]
25. Mai 2021
Irgendwann ist der Tank leer. Wo tanken in Krisenzeiten?
Ende Mai 2021, meine Frau und ich sitzen zum ersten Mal seit 8 Monaten wieder in einem Biergarten und genießen über alle Maßen diesen kleinen Teil der zurückgewonnen Freiheit. In der Corona-Krise der zurückliegenden Monate ging das ständige Vertrösten und Warten auf bessere Zeiten mit einem […]
22. Mai 2021
Gelb im Kontrast zu den grünen Feldern und Bäumen
Rapsfelder soweit das Auge reicht. Knallgelb. In ihrer Farbe stechen sie deutlich ab vom blauen, wolkenverhangenen Himmel. Die grünen Felder und Bäume treten in den Hintergrund. Auch wenn das sehr schön aussieht, bedeutet die gelbe Pracht für viele Menschen, dass sie verstärkt der Pollenallergie ausgesetzt sind. […]
18. April 2021
Klagend-schreiend meine Hoffnung buchstabieren
Die Corona-Krise schlägt vielen schwer aufs Gemüt. Sie macht traurig, wütend, verzweifelt und will kein Ende nehmen. Die Psalmen sind das Gebetbuch der Bibel. Hier finden sich Klagen. Gott wird angeklagt und angeschrien. Es ist ein ehrliche Auseinandersetzung mit sich und der Wirklichkeit. Klagen, auch in […]