Emeritierung ist eine Form der altersbedingten Befreiung von der Pflicht zur Wahrnehmung der Alltagsgeschäfte. Das Wort leitet sich von dem lateinischen Verb emerēre bzw. dessen Form im Deponens emerēri ab, das sowohl sich ein Recht, einen Anspruch auf etwas erwerben als auch ausdienen bedeutet. Emeriti als ehemalige KollgeInnen haben einen Schatz an Erfahrungen gesammelt. Sie haben verschiedene Zeiten durchgemacht und können als Experte und Expertin die aktiven GefängnisseelsorgerInnen unterstützen und beraten.

 

Petrus Ceelen ist ein bekannter ehemaliger Gefängnisseelsorger und „Emeriti“, weil er als Autor viele seiner Lebens- und Erfahrungstexte in seinen Büchern veröffentlicht. Er ist nur ein Bespiel der vielen „Senior-ExpertInnen“. Da gibt es noch so einige, die „Urgesteine“ sind. Ihre Erfahrungen und Erlebnisse bereichern die Aktiven im seelsorgerlichen Dienst hinter den Mauern. Oft haben sie „von der Pike auf“ durchfochten, was heute längst Standard in den Justizvollzugsanstalten ist. Ebenso ehemalige GefängnisseelsorgerInnen, die einige Jahre mit auf dem Weg waren und immer noch sind. Als Vorsitzende, im Vorstand und als Mitglied der ehemaligen Konferenz und dem jetzigem Verein, als SeelsorgerIn vor Ort oder als Regionalverantwortliche. Den verstorbenen KollegInnen bewahren wir ein ehrendes Gedenken.

 

Mein Lebens ABC mit 75 Jahren

Augenblick
Ein einziger Augenblick genügt, um unseren Blick auf das Leben für immer zu verändern.
Begegnung
Es ist die Begegnung, die unser Leben bereichert. Im anderen begegnen wir uns selbst.
Chance
Ob Krankheit oder Schicksalsschlag, in jedem Leid steckt auch die Chance des Wachstums und der Verwandlung.
Danken
Wer denkt, dankt. Wer weiter denkt, hört nicht auf zu danken und fängt an zu teilen.
Erfahrung
Er-fahren werden wir durch das, was uns auf der Reise durchs Leben widerfährt.

 

Liebe
Die liebevolle Zuwendung von Mensch zu Mensch bewirkt Wunder.
Mitgefühl
Wer fühlt, was er sieht, tut was er kann. In der Tat.
Nichts
Das ist das Schlimmste. Noch schlimmer, nix zu glauben.
Ohnmacht
Wenn wir nichts mehr machen können, können wir immer noch viel füreinander tun: die Ohnmacht miteinander teilen.
Präsens
Nicht gestern, nicht morgen, heute, jetzt, hier voll und ganz präsent sein.
Quelle
Wir brauchen eine innere Quelle, aus der wir unsere Kraft schöpfen können.



Fehler
Wenn ich keine Fehler hätte und vollkommen wäre, würde mir die Voraussetzung fehlen, um voll und ganz Mensch zu sein.
Geschenk
Das Schönste, was wir einem Mitmenschen schenken können: „Gut, dass es dich gibt!“
Halt
Wir brauchen einen Halt, der uns in der Not aufrecht hält und uns hilft, das launische Leben auszuhalten.
Intuition
Eine innere Stimme gibt mir im richtigen Moment ein, das Richtige zu tun.
Jetzt
Zu jeder Zeit ist jetzt der Moment. Jederzeit.
Körperkontakt
Eine leise Berührung, ein sanftes Streicheln. Hautnah Liebe erfahren.

Recht
Du hast das Recht anders zu sein als alle anderen und brauchst dich dafür nicht zu rechtfertigen.
Seele
Der göttliche Funken leuchtet in dir, in mir und beseelt uns.
Tür
Es gibt eine Tür, die nur du öffnen kannst: Deine Herzenstür.
Umwege
Wir brauchen Umwege, um zu uns selbst zu kommen.
Vertrauen
Im gegenseitigen Vertrauen wächst viel Gutes und gedeiht die Treue.
Warten
Wenn du warten kannst, fällt dir das Ersehnte zufällig in den Schoß.
Zuversicht
Was wir im Leben alles schon hinter uns gebracht haben, lässt uns zuversichtlich angehen, was noch auf uns zukommt.

Petrus Ceelen

Der bundesweite und überdiözesane Zusammenschluss als eingetragener und kirchlicher Verein zählt heute von über 300 tätigen GefängnissseelsorgerInnen aus allen kirchlichen Berufsgruppen etwa 170 MitgliederInnen, die in den Justizvollzugsanstalten (JVA), Justizvollzugskrankenhäusern (JVK), Jugend(straf)- und Arrestanstalten (JA, JAA, JSA), der Sicherungsverwahrung (SV) und im Abschiebegewahrsam in Deutschland ihren Dienst tun. Der Maßregelvollzug ist überwiegend der Krankenhausseelsorge zugeordnet..

12. Januar 2022
Nach 40 Jahren Knast entlassen: Axel Wiesbrock
In der Berliner Justizvollzugsanstalt (JVA) Heidering auf brandenburgischem Boden wurde am 2. Januar 2022 ein Urgestein der Gefängnisseelsorge nach 40 Jahren „entlassen“: Axel Wiesbrock geht in den Ruhestand. Lange war er in der JVA Berlin-Tegel tätig. Als Vorsitzender der damaligen „Bundeskonferenz für Gefängnisseelsorge an den Justizvollzugsanstalten […]
26. April 2022
Ehemaliger Gefängnisseelsorger Ernst Lauven (JVA Werl) verstorben
Ernst Lauven arbeitete in den Jahren von 1987 bis 1996 in der nordrhein-westfälischen Justizvollzugsanstalt Werl. Er war Mitglied im ehemaligen Arbeitskreis kritischer Strafvollzug e.V. Lauven wohnte seit seinem Ruhestand 1996 in Köln. Seit 1961 war er im priesterlich-seelsorglichen Dienst des Erzbistums Paderborn in mehreren Gemeinden sowie […]
21. Dezember 2020
Erinnerungen: Resümee eines Gefängnisseelsorgers 1992
Etwa seit 1985 war klar, dass Haus lll der Justizvollzugsanstalt Werl in Nordrhein-Westfalen wohngruppengerecht umgebaut wird. Erstmals sollte in einer JVA im Erwachsenenvollzug der sogenannte Wohngruppenvollzug praktiziert werden. Inhaftierte, die sich interessierten, wurden von Bediensteten an mich verwiesen. Ich hätte da wohl die meiste Ahnung; zumindest […]
13. April 2022
Was hält mich als Seelsorger im Justizvollzug?
Viele hält es nicht im Justizvollzug. Sie halten es im Vollzug nicht lange aus. Das muss nicht gegen sie sprechen. Im Gegenteil: Ich meine, dass vieles dafür spricht, dem Vollzug den Rücken zu kehren. Vielleicht sind es sogar die Besseren, die weggehen. Manche Anfänger setzen sich […]
31. Dezember 2021
Nach fast 30 Jahren Knast nun in den Ruhestand
Wolfgang Mayer ist einer der gerne lacht. Laut und herzlich. Ebenso leidenschaftlich ging er tagtäglich zu seinem Dienst als Gefängnisseelsorger in die JVA Ulm. Da ist es nicht erstaunlich, dass ihn der letzte Arbeitstag mit Wehmut begleitet. Fast 30 Jahre führt Wolfgang Mayer seinen Dienst hinter […]
28. Dezember 2021
Dank-Zettel: „Wie leicht hätte auch ich fallen können“
„Wer denkt, dankt…“ sagt Petrus Cellen in seinem Buch „Denk-Zettel.“ Solche Denkzettel sollen aber keine Abrechnung oder gar eine Strafe sein, die jemanden zum Nachdenken bringen soll. Mit „einen Denkzettel bekommen“ verbindet man unangenehme Erfahrungen, die jemandem als Lehre dienen soll. Meist negatives Verhalten soll durch […]