Angehörige müssen die Konsequenzen einer Inhaftierung mittragen. Den damit verbundenen psychischen, sozialen und materiellen Problemen stehen sie in der Regel allein gegenüber. Betroffen sind vor allem Frauen und Kinder. Im Strafvollzug rückten Familie und Partnerschaft oft nur ins Blickfeld, wenn sie ein verursachender Faktor einer Straftat waren oder wenn bei der Resozialisierung des Inhaftierten auf die Unterstützung der Angehörigen gesetzt wurde.

 

Mittlerweile trägt der Strafvollzug dem verfassungsmäßig vorgeschriebenen Schutz von Ehe und Familie (Art. 6 Abs. 1 GG) in begrenztem Umfang Rechnung: durch Ehe-, Partnerschafts- und Familienseminare, Langzeitbesuche und durch einzelne Angebote seitens der Gefängnisseelsorge und der Freien Straffälligenhilfe.

 

„Familie leben“ und Familiengründung sind ganz im Sinne der Definition des Strafgesetzbuches für viele Menschen Bestandteil ihrer Lebensplanung und -wirklichkeit. Unter dem Familienbegriff wird meist das Vorhandensein von Kindern subsumiert und Familie wird in vielfältiger Form gelebt: Verheiratete oder nicht verheiratete Eltern leben mit ihren Kindern zusammen; Mütter und Väter erziehen ihre Kinder; Kinder leben in Patchwork-Familien, Pflegefamilien, Adoptionsfamilien oder gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften.

Unter Beachtung dieser Fülle an Lebensentwürfen kann nicht mehr von „der Familie“ gesprochen werden, da jede Familienform ihre eigene Wirklichkeit darstellt. Aber auch die verschiedenen Formen von Familie sagen nicht unbedingt etwas über die emotionalen Bindungen aus. Die individuelle emotionale bzw. soziale Dimension zwischen Erwachsenen und Kindern kann mehr Gewicht haben als der Verwandtschaftsgrad, die Eheschließung oder das Generationenverhältnis.

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