Mit unterschiedlichsten Lebensthematiken ist der Justizvollzug ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Darin spiegeln sich Menschen unterschiedlicher Kulturen, Religionen, Überzeugungen sowie abgründigen und freudigen Geschichten. „Seelsorge“ ist die Sorge um den ganzen Menschen, der mehr ist, als gängige Trends aussagen, gesellschaftliche Verhältnisse widerspiegeln oder das zugängliche Bewusstsein eines Menschen zeigt.

 

Gefängnisseelsorge ist den Lebensthemen und persönlichen Biografien ausgesetzt. Kann Gefängnisseelsorge, die manches Mal in die Reihe eines „salbungsvollen Gutmenschen“ eingeordnet wird, ein loyales Gegenüber anbieten? Solche Vermutungen beschäftigen manchen Gefangenen oder umgekehrt entsprechend die Vollzugsbediensteten.

Für die inhaftierte Menschen sind mit der Seelsorge viele Hoffnungen verbunden, was ein seelsorgerlicher Dienst für sie alles erreichen kann. Allgemein wird erwartet, dass sie einen Menschen mit Verständnis und Mitgefühl antreffen. Der Vertrauensvorschuss mit unserer seelsorgerlichen Schweigepflicht ist kostbar und schutzbedürftig. Das Gefängnis ist mit all den harten Geschichten ein Ort der permanenten Krise, wo alle, Inhaftierte, Fachdienste und VollzugsmitarbeiterInnen, oft unter Anspannung arbeiten und leben.

5. Oktober 2020
Zwischen Verheißung und Erfüllung. Marienborn
Das Licht taucht den provisorischen Altar in ein fahles Gelb. Sonnenstrahlen fallen durch die im Laufe der Jahrzehnte verschmutzten, gelben Acrylglas-Wellplatten mit dichten Stahlrohrgestellen darunter. Unter einem der Großdächer unmittelbar neben den Baracken im Bereich Zollkontrolle zur Einreise in die frühere DDR in Marienborn sitzen, als […]
30. Oktober 2020
Neue Dimensionen für jugendliche Gefangene
Seit 12 Jahren betreut Thomas Marin als Seelsorger junge Häftlinge in Berliner Strafanstalten. Foto: Erzbistum Berlin. Junge Häftlinge leiden unter den Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie. Arbeitsmöglichkeiten, Besuche und der Gottesdienst würden wegfallen, sagt Diakon Thomas Marin. Als Seelsorger steht er den Inhaftierten zur Seite. Er arbeitet […]
30. März 2022
Tiefe Gebete hinter Gittern: Das erleben Offenburger Seelsorger
Pfarrer Igor Lindner und Pastoralreferent Simon Schilling leben den christlichen Glauben in eindrucksvoller Weise: Sie arbeiten als Seelsorger im Offenburger Gefängnis. In der Not finden viele Männer wieder zur Bibel. Gott hat Belang, die Konfession weniger. Wenn ein Mann mehrere Gittertüren passiert hat, wiegt die Frage, […]
18. März 2021
Im Knast nicht so sehr eingeschränkt wie draußen
Für Häftlinge ist die Pandemie eine Durststrecke: kaum Besuche und keine Freigänge. Doch die Abschottung hat auch Vorteile. Die Inhaftierten genießen derzeit teils mehr Möglichkeiten als freie Bürger. Als Andi Z. im Dezember vergangenen Jahres seine Tochter erblickt, schießen ihm die Tränen in die Augen. Seit […]
1. Dezember 2019
Menschen mit HIV/AIDS nicht am Rande lassen
Anlässlich des Welt-AIDS-Tages am 1. Dezember rufen der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), und der Vorsitzende der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück), zu Solidarität und Mitgefühl mit HIV-infizierten und AIDS-kranken Menschen auf. In den letzten Jahrzehnten gab es […]
14. September 2019
Für ein normales Gefängnis zu pflegebedürftig
Gefangene in Deutschland werden immer älter – wie alle Deutschen. In der Justizvollzugsanstalt Hövelhof im Paderborner Land gibt es eine eigene Abteilung für chronisch kranke und pflegebedürftige Häftlinge. Von seinem Fenster aus sieht er weit hinaus in die Landschaft. Es ist der schönste Blick, den er […]
15. Mai 2022
Charles de Foucauld: Interreligiös unterwegs
„Es gibt keinen Augenblick in unserem Leben, in dem wir nicht einen neuen Weg beginnen könnten und müssten, ein neues Dasein“, sagt Charles de Foucauld. Papst Franziskus hat ihn am Sonntag in Rom heiliggesprochen. Womöglich wäre er damit nicht so glücklich, dieser Einsiedler in der algerischen […]
31. März 2020
Es gibt Hoffnung, dass hier nicht wirklich das Ende ist
Mörder, Vergewaltiger und Diebe gehören ins Gefängnis. Sie sind eine Gefahr für die Allgemeinheit. Und dennoch sind es Menschen. Menschen mit Gefühlen, Ängsten und Sehnsüchten. Die JVA Essen wird durch ihren Gefängnisseelsorger Klaus Schütz für Viele zum Hoffnungsort. Dieser Ort hat viele Namen: Gefängnis, Knast, Zuchthaus, […]
30. April 2021
Kann jemand so wie ich in den Himmel kommen?
Der eine stellt sich der Frage, ob er als „guter Christ“ beim Autofahren fluchen darf. Die andere verrät, dass sie bei jedem Buch zuallererst ins Ende „spickelt“ und was das mit Ostern zu tun hat. Wieder ein anderer erzählt begeistert vom Heavy Metal Festival in Wacken […]
26. Februar 2020
In der Familie haben wir auch solch einen Judenstern
Mucksmäuschenstill ist die Atmosphäre, als Harry Rothe, ehemaliger Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde im ostwestfälischen Herford, das Wort ergriff. Besonders daran ist, dass er an einem Ort ist, an den er nicht so einfach hinkommen kann. Inmitten der Stadt Herford liegt die JVA Herford. Hierhin wurde der […]
9. Februar 2020
Mit einer HIV Erkrankung im Gefängnis klar kommen
Schon „draußen“ war es für Uwe R. schwer gewesen, mit seiner Erkrankung klarzukommen: Vor über 20 Jahren steckte sich der 44-Jährige mit dem HI-Virus an. Lange verdrängte er diese Tatsache. Das geht inzwischen nicht mehr. Uwe R. sitzt im Würzburger Gefängnis. Hier kann er den Gedanken […]
2. Oktober 2019
Friedliche Revolution und Wendezeit im Gefängnis
Als ich meinen Dienst in der Stravfvollzugseinrichtung (StVE) Brandenburg 1988 antrat, bestand meine seelsorgerische Tätigkeit nur darin, alle vier Wochen einen Gottesdienst zu halten. Ich wurde bewacht, durfte keinen Kontakt zu den Gefangenen haben. Ich suchte ihn dennoch, begrüßte sie mit Handschlag, bat sie, mir ihre […]