Die beiden großen christlichen Kirchen sind aus der Tradition heraus mit der Seelsorge in den Justizvollzugsanstalten der Länder in Deutschland beauftragt. Als GefängnisseelsorgerInnen stehen sie neben dem interreligiösen und humanistischen Dialog im engen Kontakt mit der Evangelischen Konferenz für Gefängnisseelsorge in Deutschland. Auf vielen Ebenen gibt es nicht nur eine intensive Zusammenarbeit, sondern eine selbstverständliche ökumenische Ausrichtung im „Fachdienst Seelsorge“ in den staatlichen Einrichtungen.

 

Michael Waterböhr und Elisabeth Biermann waren evangelische SeelsorgerIn in der JVA Bielefeld-Senne und Ummeln.

Ein Gefängnisseelsorger einer Justizvollzugsanstalt sagte einmal zu einem Gesprächspartner: „Wir haben die Ökumene im Knast abgeschafft!“ Erst einmal betretenes Schweigen. „Ja, es gibt keine konfessionelle Ausrichtung, kein evangelischer oder katholischer Gottesdienst.“ Der Fachdienst Seelsorge vor Ort wird getragen von den beiden Kirchen mit den Personen, die mit der Gefängnisseelsorge beauftragt sind. Beide arbeiten sie in einem gemeinsamen Arbeitsbereich mit je unterschiedlichen Wurzeln. Diese Unterschiedlichkeit ist kein Defizit, sondern bedeutet Vielfalt. „Gottesdienste werden mit evangelischer und katholischer Prägung gefeiert, je nachdem, wer ihn leitet“, sagt der besagte Gefängnisseelsorger.

Die inhaftierten Menschen und die Bediensteten können kaum zwischen den Konfessionen unterscheiden, zumal der christliche Inhalt dasselbe ist. Die Mehrheit der Menschen im Gefängnis hat keine kirchliche Sozialisation erfahren. Es geht nicht darum, alles zu vereinheitlichen oder die Unterschiede geradezubiegen oder jemanden bekehren zu wollen. Zu den Wurzeln zu stehen, seine Sichtweise einzubringen und auf einer gemeinsamen Ebene Wege finden, das ist die gemeinsame seelsorgerliche Arbeit im Gefängnis.

Inhaftierte entscheiden nicht generell, ob sie zum evangelischen oder katholischen Gefängnisseelsorger zum Gespräch kommen. Sie entscheiden nach Person und gegebenenfalls je nachdem, was man bekommen kann. Sich nicht gegenseitig ausspielen zu lassen und authentisch zu sein steht im Vordergrund. Wie gehen „wir“ als GefängnisseelsorgerInnen mit Konflikten und Unterschiedlichkeiten um? Dies ist nicht nur für die Bediensteten wichtig, sondern gerade für die Inhaftierte, die dadurch genauso lernen können.

 

Der Ausstausch und die Begegnungen werden auf Bundesebene in den Studientagungen, der gemeinsamen Aus- und Weiterbildung sowie ökumenischen Arbeitsgemeinschaften deutlich. In den Justizvollzugsanstalten werden Gefängnisseelsorger gemeinsam wahrgenommen. In einigen Gefängnissen wird die Ökumene darüberhinaus interreligiös gelebt. Sie beteiligen sich, ausgehend vom christlichen Menschenbild, am gesellschaftlichen Diskurs über Strafvollzug und Resozialisierung.

 

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