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Positive Psychologie für den seelsorgerlichen Dienst im Knast

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Nach mehrjähriger Pause und bedingt durch den Corona-Lockdown trafen sich Mitte Juni 2021 zwei Frauen und vier Männer im Kloster Münsterschwarzach, um im Rahmen einer Auszeit über ihre seelsorgerliche Arbeit in den Gefängnissen nachzudenken und mögliche Impulse aus dem Bereich der positiven Psychologie in das eigene Tun zu übernehmen. Größer hätte die Vielfalt der Teilnehmenden übrigens nicht sein können: Zwei KollegInnen der evangelischen Geschwisterkonferenz, eine Ordensschwester, ein Diakon, eine Pfarrerin und drei “Laien” Theologen. Insgesamt fünf aus der Gefängnisseelsorge und ein Krankenhausseelsorger.

Sie sind angereist ins fränkische Münsterschwarzach aus vielen Ecken des Landes. Unter diesen Vorzeichen entstand eine lebendige Gruppe, in der jede und jeder nach den eigenen Bedürfnissen hörend und nachdenklich in vielen Beiträgen beteiligte. Was auf der Seite der Teilnehmenden an Vielfalt anwesend war, das wurde nicht minder abwechslungsreich durch Pater Meinrad Duffner (Körperarbeit und Ausdruck in künstlerischen Methoden) als auch durch Bruder Denis (positive Psychologe, Umgang mit negativen Emotionen bzw. Selbststärkung) in deren Angeboten gestaltet. Spirituell wurden Inhalte und persönliches Gebet durch die klösterlichen Stundengebete eingerahmt und vertieft.

Die TeilnehmerInnen an der Kirchentreppe des Klosters zu den Besinnungstagen in Münsterschwarzach mit Bruder Denis (rechts außen).

Jeder Mensch ist wertvoll

Jeder Mensch hat Schwächen und Fehler. Jedes Leben ist eine Herausforderung. Gleichzeitig hat aber auch jeder Mensch individuelle Stärken und viele positive Eigenschaften in sich. Genau diese stehen im Zentrum des Menschenbildes der Positiven Psychologie. Jeder Mensch ist in sich wertvoll. Man kann sagen, dass die Positive Psychologie eine Strömung innerhalb der Psychologie ist, die sich an Aspekten der ressourcenorientierten Psychotherapie orientiert.

Die Psychologie des 19. und 20. Jahrhunderts beschäftigte sich fast ausschließlich mit den Themen Depression und psychischen Krankheiten bzw. wie sich diese einschränken lassen. Es gab demnach ein deutliches Übergewicht der Forschungen über die negativen Gefühle. Dabei ist es in mehreren Studien bewiesen, dass Menschen, die häufig Glücksempfindungen verspüren, gesünder sind, länger leben und zufriedener wahrgenommen werden. Dies wollen die Exerzitien-Tage in Münsterschwarzach für die seelsorgerliche MitarbeiterInnen an ihren spanungsgeladenen Dienst-Orten bewirken.

Stärkung für den Dienst

PERMA ist hierbei ein Akronym und steht für Positive Emotionen, Engagement, Relationships (Beziehungen), Meaning (Sinn) und Achievement (Zielerreichung). Die Zeit um seine „Seele baumeln lassen“ boten der freie Nachmittag des Mittwochs als auch eine abendliche Weinprobe auf der Sommeracher Weininsel. Die Tatsache, dass viele der Teilnehmenden Interesse für das nächste Jahr im Kloster Münsterschwarzach bekundeten, lässt mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine Fortsetzung dieses Angebotes schließen. Bis zu 12 Seelsorgende können das Angebot im Recollectio-Haus nutzen, um sich körperlich, psychisch und geistlich-spirituell zu sammeln und für die pastorale Rolle und Aufgabe zu stärken.

Andreas Bär | JVA Nürnberg

 

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