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Steh auf: Es gibt Kraftquellen zu einem neuen Aufbruch

28. Dezember 2025

„Die Sterndeuter waren gegangen“, heißt es im Matthäus-Evangelium. Josef war mit seiner und der Fachleute Weisheit an ein Ende gekommen, als er schlafend im träumerischen Gewühle des Unterbewusstseins unverhofft in ihm etwas auftauchte, das ihn bewegte, sofort aufzustehen und sich auf einen völlig neuen, noch unbekannten Weg zu machen. Einen Weg, der herausführen sollte aus all den Sackgassen, die ihm das Leben eben noch zu bieten schien.

Die biblischen Texte können es sich nur so erklären, dass das, was da auftauchte, ein Engel gewesen sein muss. Denn rein menschlich betrachtet war es eher abwegig, mit dem gerade geborenen Kind und der jungen Mutter eine für damalige Verhältnisse halbe Weltreise zu machen bis ins ferne Ägypten hinein. So war es ihm im Traum gekommen.

Kleine und große Enttäuschungen

Was hatte sich dieser gelernte Handwerker nicht alles zurechtgezimmert an Plänen, wie der Weg sein würde gemeinsam mit seiner Verlobten, wie sie ihr Zuhause gestalten wollten, Arbeit zu haben, um einer werdenden Familie Auskommen zu schaffen? Dann aber war alles durcheinandergeraten, plötzlich war die Frau schwanger, wer weiß von wem, dann fanden sie keine Herberge für die Entbindung und mussten auf freiem Feld in einem Stall Unterkunft suchen – und jetzt drohte ihnen mit dem neugeborenen Kind auch noch von politischer Seite Verfolgung und Mord. Kein Wunder, dass die Nächte unruhig werden, wenn Hoffnungen zerplatzen wie Seifenblasen, und nicht mehr klar ist, was Wirklichkeit ist und was Traum. Manchmal geraten wir an einen solchen Punkt, dann hält nicht mehr, was lange als sicher galt, ein Weg wird plötzlich zur Sackgasse, was lange hielt bricht auseinander. Wie oft geschah dies in diesem zu Ende gehenden Jahr? Wie oft mündeten die Wege in kleinen oder großen Enttäuschungen? Vielleicht ist bis heute in der Seele noch Schmerz oder Trauer deswegen spürbar. Was aber hat dann geholfen, wieder aufzustehen? Was war die Ermutigung, nicht aufzugeben und weiterzugehen?

Mut und Kraft aufzustehen

In der Verlegenheit Worte zu finden für das geheimnisvolle Wirken Gottes beschreibt die Bibel solche Momente tiefen Angerührtseins mit dem Erscheinen eines Engels im Traum. So erging es bereits dem Propheten Elias, als er sich in der Wüste unter einen Ginsterstrauch verkroch. Jedes Mal geschieht es in genau dem Moment, in dem ein Mensch seine zurechtgelegten Hoffnungen aufgibt und sich der Unverfügbarkeit der Zukunft überlässt. Das Aufgeben der Hoffnung kann zur Verzweiflung führen, wo ich stehen bleibe und fest werde – und es kann zum neuen Weg führen, wo ich mich der Ungewissheit im Vertrauen überlasse und aufmache. Der Engel, wer oder was dieser auch immer in dem Moment ist, verweist in der Bibel stets auf den sich einer offenen Zukunft überlassenden Menschen zurück, auf seinen Mut und die Kraft, aufzustehen. Wer oder was begegnete mir in diesem Jahr wie Engel? Was hat mich ermutigt, neu aufzubrechen? Und was unterstützt mich, auf dem Weg zu bleiben und ins neue Jahr zu gehen?

Unsichtbare Engel

„Wir müssen immer wieder das Erdreich unseres armen Herzens aufgraben“, schreibt Karl Rahner, „wir dürfen nicht einfach eine hart getretene Straße in unseren Herzen haben, über die nur der unendliche Tross dieser Welt hindurchzieht, unaufhörlich und langweilig. Wir müssen in unserem Herzen Gottes Samen ein Erdreich erkämpfen, und wenn wir es tun und wenn wir sonst nach nichts fragen, dann bringt dieser Samen Gottes in unseren Herzen wirklich Frucht, dreißig-, sechzig- und hundertfach.“ Mögen diese letzten Tage des vergangenen Jahres Anlass zur Vergewisserung unserer Kraftquellen werden, die in uns sprudeln und uns bewegen zum neuen Aufbruch. Und sollten wir es mal nicht merken, dass da in uns diese Kraft ist, dann mögen uns Engel erscheinen, ganz alltägliche, solche, von denen man oft erst später merkt, dass sie eigentlich Engel gewesen sind.

Christoph Kunz | Matthäus 2, 13 – 15. 19-23 

 

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