11. November 2019

St. Martin: Aber ordentlich teilen hinter Gittern!

„Ein ungewöhnlicher Ort für unseren Gottesdienst hier im Knast und eine ungewöhnliche Zeit…“, so begann der Franziskaner Gabriel Zörnig den Martinsgottesdienst in der Jugendanstalt Neustrelitz auf dem Gelände der Tierzucht. Sonst finden die Gottesdienste in der Kapelle der Jugendanstalt statt. „Sollen wir nicht einen Martinsumzug machen, richtig mit Pferd und Mantelteilen?“, so hatte Ingo Brassen, der Bedienstete des kleinen Gefängniszoos vor Wochen den katholischen Gefängnisseelsorger gefragt. Die gute Zusammenarbeit beider Seiten hat sich seit längerem bewährt. Im vergangenen Jahr gab es eine Tiersegnung, zu Weihnachten steuerte die Abteilung […]
4. August 2019

Ein Mensch ist kein „süßes Stückle“

Eine Rede zur Trauung. Schön, dass wir hier alle beisammen sind – Angehörige und Freunde von Natia und Dirk. Die beiden möchten in unserem Beisein sich noch einmal ganz feierlich das JA-Wort geben. Ich freue mich, dass ich hier etwas sagen darf, denn normal rede ich nur bei Beerdigungen. Doch das hier ist keine Trauerfeier, sondern ein Trouwfeest, wie wir in Belgien sagen. Dirk und Natia trauen sich, sie trauen sich die Ehe zu. Im Mai wart ihr auf dem Standesamt. Seitdem seid ihr offiziell verheiratet. Für euch […]
29. Juli 2019

Gottesdienstbesuch für Inhaftierte eingeschränkt?

Ein Gefangener im Jugendvollzug hat sich hilfesuchend an das Team des Justizvollzugsbeauftragten des Landes Nordrhein-Westfalen gewandt und um Unterstützung gebeten. Der Gefangene gibt an, er befinde sich seit 22 Monaten in der Justizvollzugsanstalt. Bisher habe er regelmäßig jeden Sonntag den Gottesdienst besuchen können. Nun sei mitgeteilt worden, der Besuch des Gottesdienstes wäre, auf Grund der hohen Anzahl von Inhaftierten, für den betroffenen Gefangenen lediglich in 14-tägigem Abstand möglich. Der Grund ist, dass jeden Sonntag – getrennt nach der Unterbringungs-Abteilung – die gottesdienstliche Feier gestaltet wird. Hierdurch fühlt sich […]
27. Juli 2019

Landschaften des Lebens

Wo stehe ich im Augenblick? Wie wurde ich zu dem, was ich jetzt bin? Was hält mich am Leben? Welche Sehnsuchtsorte leben in mir und wollen verwirklicht werden? An welchem „Jetzt-Ort“ befinde ich mich? Im Leben sind wir auf Spurensuche: In den Tälern, Schluchten, Sackgassen und auf Gipfeln des Lebens. So entfaltet sich unsere Lebenslandkarte. Orte unseres Lebens: Gemeinsam wagen wir einen Blick auf die imaginäre Landkarte unseres Lebens. Auf ihr sind Orte und emotionale Verortungen eingetragen, die in unserem Leben eine wichtige Rolle spielen, die Wege, die wir […]
7. April 2019

Wir bitten Dich, erhöre uns?

Die Fürbitten, die wir Sonntag für Sonntag und zum Teil auch an Werktagen beten, sind nicht da, um Gott zu bewegen, er solle dies und das tun: “Lieber Gott, sag doch endlich mal dem Papst, er soll die verkrustete Kurie aufräumen…” Fürbitten haben den Sinn, uns zu erinnern an Mitmenschen in schwerer Situation, unsere Solidarität zu wecken und zu stärken. Gott braucht nicht daran erinnert zu werden; wenn schon, sind wir es, die uns erinnern sollten. Die gewohnten, stereotypen Antworten sind insofern problematisch als sie eine theistisch -personale […]
7. März 2019

Echtes feiern und beten im Knast

Herrentag, Alkohol, grölende Männer, mit Bollerwagen unterwegs. Ganz anders in der Jugendanstalt Neustrelitz. Zu Christi Himmelfahrt kommen die Jungs und Mädchen in die Kapelle zum Gottesdienst. Heute aber haben wir einen Gast, besser, eine junge Frau, die Musik macht. Diana Ezerex, ursprünglich aus Nigeria, ist angekündigt als Soulsängerin. Die Gefangenen sind schon gespannt. Vom ersten Augenblick an sind sie gefesselt, beeindruckt, von der tollen Stimme und der authentischen Erscheinung der jungen Frau aus Süddeutschland. Dann aber beginnt der Gottesdienst wie immer mit dem Kreuzzeichen und dem Lied: „Du […]
11. Dezember 2018

Lichtkreuz und Harfe in der JVA Moabit

Wenn die Gefängnisseelsorger zur Kapelle der Justizvollzugsanstalt Moabit (JVA) wollen, müssen sie durch eine Haftanstalt wie aus dem Fernsehen: Lange, leere, mit Kunstlicht erleuchtete Gänge, in denen sich Stahltür an Stahltür reiht. In den oberen Stockwerken gibt es keinen durchgehenden Flurboden, nur emporenartige Gänge aus durchbrochenem Metall, sodass man alle Etagen gleichzeitig im Blick haben kann. Der Hall der Schritte ist das einzige, was hier laut ist. Das Lichtkreuz und das Projekt „Harfe und Stimme“ durchbrechen im ökumenischen Gottesdienst den Alltag der Häftlinge in der Justizvollzugsanstalt Berlin-Moabit.   […]