Mehr als 13 Jahre hat Gefängnisseelsorger Manfred Heitz in der rheinland-pfälzischen Justizvollzugsanstalt Frankenthal zugehört, getröstet, Ratschläge erteilt. Acht mal – so oft musste Manfred Heitz jeden Morgen mit seinem Durchgangs- und Haftraumschlüssel Türen öffnen, um in sein Büro zu gelangen. Es war sein Traumjob, aber nun wartet eine neue Herausforderung auf ihn.
Sein Arbeitsplatz lag hinter Gittern. Als Gefängnisseelsorger in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Frankenthal kümmerte er sich gemeinsam mit seinem evangelischen Kollegen, Oliver Beckmann, um „Menschen, die mit dem Gefängnis zu tun haben“, wie der 52-Jährige betont. Ende Februar nahm er seinen Abschied und tauschte seinen Traumjob gegen ein anderes Herzensprojekt ein. Eine sogenannte „Pionierstelle“ ermöglicht es ihm ab dem 1. März, etwas Neues auf die Beine zu stellen und als Quartier- und Cityseelsorger in Ludwigshafen Kirche im Alltag der Menschen sichtbar zu machen.

Manfred Heitz, der Knastprediger, verlässt die Justizvollzugsanstalt Frankenthal.
Es ging um das „Eingemachte“
Auf seine Zeit in der JVA blickt der Familienvater mit Freude und Dankbarkeit zurück. „Begeistert hat mich vor allem die Einzelbetreuung, die es ermöglicht, dass man nah an den Menschen dran ist“, schildert Manfred Heitz das Besondere an der seelsorglichen Arbeit. In erster Linie hätten sich die Inhaftierten mit ihren Anliegen an ihn gewandt, aber auch Bedienstete oder Angehörige der Gefangenen seien ab und an zu ihm gekommen. „Dabei ging es meist ans Eingemachte, um das Leben mit all seinen Facetten“, bringt es Heitz auf den Punkt. „Die Gefangenen sind in einer 8,5 Quadratmeter großen Zelle untergebracht, leben in einer Art Wohngemeinschaft auf einem Stockwerk mit gemeinsamen Duschen, getrennt von ihren Familien, und fühlen sich ausgeliefert – ohne Kontrolle über das eigene Leben. Damit klarzukommen, ist nicht einfach.“ Und wenn die Zellentür hinter ihnen ins Schloss falle, seien sie auf sich zurückgeworfen und hätten viel Zeit zum Nachdenken. Auch über die eigene Schuld.
Begleitung der Häftlinge und Bediensteten
1146 Kontakte zu Gefangenen hatte der Gefängnisseelsorger im vergangenen Jahr. Als besonders berührend erlebte er die intensive Begleitung eines Häftlings aus Spanien. Er hatte ein Auto, in dem Drogen versteckt waren, gegen Geld von Spanien nach Deutschland überführt und war von der Polizei erwischt worden. „Der Mann war arbeitslos, musste seine Familie ernähren und hatte aus Not gehandelt“, erinnert sich der Seelsorger, der im Laufe der etwa dreijährigen Haft zu dem Familienvater eine „professionelle Freundschaft“ aufbaute. „Unsere Beziehung bestand nur während seines Aufenthaltes in der JVA, und als er entlassen wurde, habe ich ihn zum Abschied als einzigen Gefangenen in all den Jahren umarmt.“ In Berührung mit dieser ganz eigenen Welt kam Manfred Heitz bereits 1997, und zwar mit seiner Band „Die Grusicals“, die bis heute einmal im Jahr die beiden Sonntagsgottesdienste in der Kapelle der Anstalt musikalisch gestaltet. 2001 absolvierte er dann im Rahmen seines Theologiestudiums ein Praktikum in der Einrichtung, „und da habe ich gemerkt: Das wäre etwas für mich“.
„Gitterkehlchen“ für Gottesdienst
Ab 2005 übernahm er jedes Jahr an einem Sonntag die Gottesdienste in Urlaubsvertretung für seinen Vorgänger. „Als er ging, stand für mich fest: Ich muss es ausprobieren, sonst werde ich es immer bereuen.“ Am 1. September 2012 trat Manfred Heitz seinen Dienst als Gefängnisseelsorger in der JVA an. Die Einrichtung verfügt insgesamt über 416 Haftplätze, rund 400 sind derzeit belegt – davon etwa 80 von Untersuchungsgefangenen. Die verurteilten Gefangenen – hauptsächlich Täter aus dem Bereich der Beschaffungskriminalität, aber auch Gewalt- und Sexualstraftäter – verbüßen eine Haftstrafe von bis zu acht Jahren. Circa 200 Justizvollzugsbeamte sind für sie zuständig. Zu den weiteren Beschäftigten gehören neben den Gefängnisseelsorgern etwa 25 Psychologen, Sozialarbeiter, Verwaltungsangestellte und ein Lehrer. Ein Chorleiter kommt jeden Mittwoch in die JVA, um mit den „Gitterkehlchen“ für die Gestaltung der Sonntagsgottesdienste zu proben. Manfred Heitz weiß: „Die Sänger freuen sich über die Abwechslung, und als angenehmen Nebeneffekt bieten die Singstunden und Einsätze die Möglichkeit, aus der Zelle herauszukommen.“ Pastoralreferent Manfred Heitz ist verheiratet und hat zwei Kinder. Mit seiner Familie lebt er in Altrip. Vor seiner Tätigkeit als Gefängnisseelsorger arbeitete er vier Jahre in der Pfarrei Waldsee im Bistum Speyer.
Petra Derst | Mit freundlicher Genehmigung: der pilger





