parallax background

Ist Liturgie ehrlich und hält uns den Spiegel vor?

12. Juni 2022
Kreuzwegtafeln erinnern an den eigenen leidvollen Weg
17. Mai 2022

Das Deutsche Liturgische Institut (DLI) feiert sein 75-jähriges Jubiläum in Trier. 1947 gegründet, prägte das Institut mit Sitz in Trier unter anderem die liturgischen Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils mit und nimmt Aufgaben zur Förderung der Liturgie im deutschen Sprachgebiet wahr. Pfarrer Dr. Marius Linnenborn, Leiter des DLI, betont, dass es weitreichende Impulse für die Erneuerung des Gottesdienstes gibt. „So wie die Kirche sich immer erneuert, ist auch die Liturgie nie ein für alle Mal fertig“, so Pfarrer Linnenborn.

Ein ganz normaler Gottesdienst, wären da nicht die Bediensteten zur Aufsicht im Knast-Gottesdienst.

Mit Bezug auf den Gründungsauftrag des Instituts und auf die Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils identifizierte Bischof Dr. Stephan Ackermann, Vorsitzender der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz, die Förderung der pastoralliturgischen Bewegung als „vornehmste Existenzbegründung“ des Instituts. „Inmitten tiefgreifender kirchlicher und gesamtgesellschaftlicher Veränderungen galt und gilt der Einsatz des Instituts dem Anliegen, die Liturgie der Kirche und die jeweilige Zeit so aufeinander hin zu vermitteln, dass die ‚Liturgiefähigkeit des Menschen‘ ebenso wie die ‚Menschenfähigkeit der Liturgie‘ gefördert und entwickelt werden.“ Man dürfe mit Dankbarkeit feststellen, dass das DLI, zusammen mit seinen Schwesterinstituten in Österreich und der Schweiz sowie in enger Verbindung mit der Deutschen Bischofskonferenz und ihrer Liturgiekommission, in vielfältiger fachlicher Vernetzung auf nationaler, internationaler und ökumenischer Ebene, in seinen Bildungs- und Publikationsangeboten und nicht zuletzt durch seine wissenschaftliche Abteilung und seine einzigartige Spezialbibliothek diesem Auftrag gerecht werde.

Macht in der Liturgie teilen

Künftige Herausforderungen seien laut Bischof Ackermann die Ausdünnung des kirchlichen und vor allem des gottesdienstlichen Lebens, der Rückgang der pastoralen Berufe und die daraus resultierende Anpassung pfarrlicher und diözesaner Strukturen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Liturgie seien noch nicht in Gänze absehbar. Es sei daher nun auch am Deutschen Liturgischen Institut, die Entwicklungen im digitalen Bereich zu beobachten, Orientierung zu geben und mitzugestalten. Dabei sei insbesondere eine liturgische Qualitätssicherung unentbehrlich. Des Weiteren habe die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche für den Bereich der Liturgie die Sensibilität für die Frage nach Machtverhältnissen erhöht. Alle übertragene Macht in der Liturgie sei immer so einzusetzen, „dass die verschiedenen liturgischen Dienste zum Tragen kommen und die tätige Teilnahme des ganzen Gottesvolkes in der Vielfalt seiner Glieder gefördert wird“. Ohne einen regen Austausch zwischen Theologie und Humanwissenschaften, zwischen Lehre und Praxis, werde dies nicht gelingen können.

Liturgie ist Zeitzeichen

In ihrer Festansprache „Liturgie – Zeitzeichen und Quelle des Aufbruchs“ betonte die Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz, Dr. Beate Gilles, den bleibenden Wert und Auftrag der Liturgie gerade auch in Krisenzeiten der Kirche. „Liturgie ist ehrlich und hält uns die Spiegel vor; aber wir schauen da nur ungern hinein; das ist ein Fehler; Gottesdienst sollte als Spiegel der Situation unserer Kirche viel stärker im Blick sein. Unsere Liturgie ist ein Zeitzeichen, und wenn wir heute auf den Gottesdienst schauen, dann wird die Krise, dann wird die Entfremdung zwischen Kirche und Gläubigen sichtbar“, so Dr. Gilles. Sie fügte hinzu: „Wenn heute viele Gläubige ganz aus der Kirche austreten, dann sind sie oft sehr viel früher schon aus dem Gottesdienst ausgezogen. Hier hätten bei uns bereits viel früher die Alarmglocken schrillen müssen. Aber weil alles erst einmal so weiterlaufen kann, ist es einfacher, solche Anzeichen zu ignorieren.“

Liturgie muss menschenfähig sein

Die Generalsekretärin rief dazu auf, in besonderer Weise auch künftig auf die Qualität von Liturgie zu achten: „In einer Zeit, in der Gottesdienst vielfach nicht mehr als Verpflichtung angesehen wird, spielt die Qualität eine deutlich größere Rolle. Menschen entscheiden sich bewusst, einen Gottesdienst mitzufeiern. Theologisch ist vollkommen unhinterfragt, dass Liturgie nicht eine Option unseres Glaubens ist, sondern ganz wesentlich unsere Kirche konstituiert. Wenn ich daher nach der Qualität frage, wechsle ich die Perspektive und akzeptiere, dass nicht nur der Mensch ‚liturgiefähig‘, sondern auch die Liturgie ‚menschenfähig‘ werden muss.“ Als Performance, so Dr. Gilles, sei Liturgie gleichzeitig diagnostisch, „weil wir den Istzustand unserer Kirche an ihr ablesen können, und sie ist prognostisch, weil sie das Potential hat, Zukunft aufscheinen zu lassen.“ So stecke in der Liturgie immer ein immenses und vielfältiges Potential, das insbesondere die Gemeinschaft der Gläubigen erfahrbar mache, die oft an anderen Stellen schmerzhaft vermisst werde. Dr. Beate Gilles fügte hinzu: „Aber es braucht Menschen, die dieses Potential suchen und nutzen, und es braucht die liturgischen Fachleute, die dieses Potential für weite Kreise heben und gestalten können. Das DLI wird diese Potentiale – dessen bin ich gewiss – auch in den kommenden Jahren heben. Es wird die Spannungen, die daraus resultieren, aushalten und helfen, sie auszuhalten. Es wird so die Kirche entwickeln. Dazu wünsche ich allen, die daran mitwirken, weiterhin das Gespür, die entscheidenden Themen zu entdecken und kraftvolle Impulse zu setzen.“

Feedback 💬

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.