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Freies Bewegen und Tanzen in der Knastkirche

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Frei sich zu bewegen und zu Tanzen hat in einer Justizvollzugsanstalt eine besondere Bedeutung. Wie lange ist es her, dass inhaftierte Jugendlichen eine Möglichkeit mit entspannenden Bewegungen und Tanzen hatten? Der Alltag der Gefangenen ist mit vielen Vorgaben gestaltet und wenn sie allein auf ihrer Zelle sind, ist meist keine Motivation für Bewegungen da. Tanzen wird besonders im Jugendvollzug abfällig bewertet. Daneben tanzen Jugendliche aus anderen Kulturkreisen beispielsweise spontan auf dem Sommerfest der JVA.

Kerstin Fleer, Gesundheitsberaterin, Bewegungs-und Tanztherapie

Wie sie es kennen, tanzen dort Jugendliche mit anderen zur Musik. Meistens sind es Mitgefangene mit denselben Hintergründen. Da werden sie nicht schräg angeschaut. Breaktanz ist Teil der Hip-Hop Bewegung, denen einige der Inhaftierten angehören. Kerstin Fleer, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Jugendvollzug, möchte den Jugendlichen die Möglichkeit und Raum geben, sich frei wie ein Vogel zu bewegen. Sie leitet interessierten Jugendliche an, sich innerlich frei zu fühlen, egal wo sie sind. „In der Bewegungs-und Tanztherapie, möchte ich die Jungs , so nenne ich die straffälligen Jugendlichen, anleiten, ihr eigenes körperliches Gefühl zu spüren und wahrzunehmen“, sagt Kerstin Fleer. „Die mystische Musik nimmt die Jungs mit in eine andere Welt, sie fühlen sich gelassener und befreiter.“ Das Angebot findet in der Knastkirche statt. Das muss kein krasser Gegensatz sein. Tanzen kann auch Gebet sein.
Wenn ich mich dann während der Therapien umschaue, denke ich:

„Die Jungs sind happy, es kommen gute Erinnerungen und ein gutes Gefühl von Freiheit in ihren Sinn“ fügt Fleer weiter aus. Dies ist ein großes Geschenk, die innere Freiheit in einem Gefängnis zu spüren. “ Ich nehme die Jungs so an wie sie sind, ich habe keine Vorurteile wegen ihrer Herkunft oder Religion oder egal welche Straftaten sie begangen haben. In den persönlichen Gesprächen reden wir oft über diese Sichtweise und Haltung. Ich möchte Ihnen meine positive wertschätzende Haltung jedem Menschen gegenüber nahebringen“, erzählt die Meditationsanleiterin und Gesundheitsberaterin. Die Inhaftierten sind froh um dieses Angebot. „Ich höre auf Kerstin und habe Respekt, dass sie das hier anbietet“ sagt ein jugendlicher Gefangener. Manche freuen sich regelrecht auf die zwei Stunden. „Die dankbaren Augen der Jungs nach der Therapie, auch wenn sie ihre Gefühle nicht aussprechen möchten oder können, sagen mehr als Worte“ fügt Kerstin Fleer an.

Das Angebot der Progressiven Muskelentspannung sowie der Tanztherapie wird durch den Sozialdienst und der Therapie-Vorbereitungsabteilung der JVA Herford begleitet. Die Gefängnisseelsorger sehen es als Teil ihres Dienstes an, dafür die Kirche zur Verfügung zu stellen. „Tanz kann Ausdruck des Gebetes sein. Wenn jeder Mensch Göttlichkeit in sich trägt, dann wirkt die Tanztherapie in diesem Sinne heilsam“, sagt Michael King, der seit vielen Jahren im Jugendvollzug arbeitet.

 

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