3. Oktober 2019

30 Jahre Mauerfall. Feier am Point Alpha

Am 9. November 1989 fiel die Mauer. 30 Jahre Mauerfall ist am Tag der Deutschen Einheit am Point Alpha, in der Fahrzeughalle des ehemaligen US-Camps mit einem ökumenischen Gottesdienst gefeiert worden. Eine besondere Verbindung wurde dieses Jahr mit der Seelsorge für Menschen hinter Gefängnismauern gelegt. Gefängnisseelsorger Diakon Dr. Meins Coetsier, der mit seinem Lied „Mauerfall: Checkpoint“ an den erfolgreichen Widerstand und Bürgermut erinnert, hat zu diesem historischen Ereignis, zusammen mit den ehrenamtlichen Musikern der JVA Fulda und JVA Hünfeld, Addi Haas und Tilo Zschorn, ein Mini-Album mit dem […]
2. Oktober 2019

Friedliche Revolution und Wendezeit im Knast

Als ich meinen Dienst in der Stravfvollzugseinrichtung (StVE) Brandenburg 1988 antrat, bestand meine seelsorgerische Tätigkeit nur darin, alle vier Wochen einen Gottesdienst zu halten. Ich wurde bewacht, durfte keinen Kontakt zu den Gefangenen haben. Ich suchte ihn dennoch, begrüßte sie mit Handschlag, bat sie, mir ihre Vornamen zu nennen. Anfangs kamen fünf oder sechs Gefangene zum Gottesdienst, nach einem halben Jahr waren es 30 – und es wurden mehr. Ich begann, am Ende der Gottesdienste von den aufkommenden Bürgerbewegungen zu erzählen, den Friedensgebeten – und die Gefangenen von […]
27. September 2019

Das Gefängnis konnte uns nicht brechen

Das Ehepaar Grote im Gespräch mit Gefängnisseelsorger Tobias Scherbaum von der JVA Burg in einer der Freistunden-Zellen des ehemaligen Gefängnisses. Foto: Ulrike Hagemann. Die 1990 gegründete Gedenkstätte Moritzplatz Magdeburg erinnert an die in den Jahren 1945 bis 1989 inhaftierten Opfer politischer Verfolgung an diesem Ort. Der Besuch dieser Gedenkstätte durch eine Gruppe von GefängnisseelsorgerInnen während ihrer Studientagung in Magdeburg gehört mit zum Programm. Vermittelt durch die Anstaltsleiterin der JVA Burg, Ulrike Hagemann, sind die persönlichen Erinnerungen im Gespräch durch das Ehepaar Grote lebendig geworden. „Das Gefängnis hat uns nicht […]
13. Juli 2019

Glaube spielte in preußischer Gefängnisreform eine Rolle

An der Außenwand der Kirche, dem Inneren des Gefängnisses zugewandt, hing ein großes Kreuz. Vorher war dort auf der Wand nichts. Dieses Kreuz hatte bis zu einem großen Sturm auf dem vorderen Dach des alten Gefängnisses „Ulmer Höh“ über der Altarseite der Kirche gestanden,. Dies mehr als hundert Jahre. Die Verwitterung, der Rost und die Materialermüdung hatten es dem Sturm leicht gemacht, das Kreuz in Einzelteilen herunter zu fegen, “Gott sei Dank” damals ohne Personenschaden. Ursprünglich hatte unter dem Kreuz eine Glocke gehangen, möglicherweise die, welche im Gefängnis zum […]
7. Juli 2019

Versöhnung: Ehemaliges DDR-Gefängnis von Cottbus

Das ehemalige Gefängnis von Cottbus ist heute eine Gedenkstätte. Hier waren – vor allem zu DDR-Zeiten – politische Gefangene inhaftiert. Der Verein Menschenrechtszentrum leistet hier Versöhnungsarbeit. Frauen der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) besuchten das Menschenrechtszentrum (MRZ) in Cottbus. In der einstigen, vor allem für politische Gefangene genutzten Strafanstalt erhielten sie eine Führung von Pfarrer Christoph Polster. Er ist der für die Nagelkreuzarbeit im MRZ von der evangelischen Landeskirche Beauftragte. Die Nagelkreuzbewegung verfolgt die Idee einer weltweiten Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg. 2015 wurde das MRZ in das Netzwerk […]
5. Mai 2019

Tendenz zur Verharmlosung besteht

Was ist ein angemessener Umgang mit unserer deutschen Vergangenheit? Kann es überhaupt eine „angemessene“ Antwort geben, die dauerhaft Bestand hat? Muss unsere Haltung nicht vielmehr immer wieder neu gegen die Anfragen und Verharmlosungen jeder neuen Generation justiert werden? Ein Blick auf die Jahrzehnte seit Kriegsende zeigt sehr verschiedene Phasen: Im Nachkriegsdeutschland konnten zunächst zahlreiche Täter „ungeschoren“ Karriere machen, auch in Justiz und Politik. Statt Umgang mit der eigenen Vergangenheit stand Neubeginn und Wiederaufbau auf der Agenda. Erst mit der 68er Generation kamen massiv kritische Anfragen auf und eine […]
16. April 2019

Entlohnung jüdischer Seelsorger durch den Staat

Die Seelsorge jüdischer Strafgefangener war im Hamburger Gefängnis Fuhlsbüttel bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts eine gängige Praxis, doch erst mit dem Vertrag vom Januar 1914 wurde dafür eine rechtliche Grundlage geschaffen. Der zweiseitige, aus den Beständen des Hamburger Staatsarchivs stammende Vertrag zwischen der Deutsch-Israelitischen Gemeinde und der Hamburger Finanzdeputation hat das Thema der Entlohnung jüdischer Seelsorger im Gefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel zum Gegenstand. Der Vertrag wurde „vorbehaltlich der Bewilligung der erforderlichen Mittel“ geschlossen. Er wirft ein Schlaglicht auf die spezifischen Bedürfnisse jüdischer Strafgefangener zu Zeiten des Kaiserreichs, zu denen […]
8. April 2019

Alfred Delp: Märtyrer und Visionär

Am 2. Februar feiert die Kirche das Fest Darstellung des Herrn. Das Evangelium dieses Tages enthält den wunderschönen Lobgesang des Simeon: “Meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast.” Am 2. Februar 1945 starb – nach allem, was man weiß: in dieser Gewissheit – im Alter von 37 Jahren der Jesuitenpater Alfred Delp. Auf dem Weg zum Strang soll er dem Gefängniswärter gesagt haben: “In wenigen Augenblicken weiß ich mehr als Sie.” Alfred Delp ist weder heilig- noch seliggesprochen, aber man darf doch […]
29. März 2019

Als die Erde wankte in der Bombennacht

Die nach Bombenangriff zerstörte Essener Stafanstalt, 12. Dezember 1944. Der 200 toten Inhaftierten des Gefängnisses Essen in der Bombennacht vom 26. März 1944 wird mit roten Nelken und einem französischen Vaterunser gedacht. Foto: Willy Van Heekern, Fotoarchiv Ruhr Museum. Durch alliierte Luftangriffe kamen in der Stadt Essen mindestens 6384 Zivilisten ums Leben. 93 Prozent der Altstadt war 1945 dem Boden gleich. Hinzu kommen sehr hohe Opferzahlen unter ausländischen Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und auch Strafgefangenen. Diese Gruppen durften die Schutzbunker nicht betreten, Inhaftierte der „Krawehle“ wurden in ihren Zellen belassen. […]
23. Februar 2019

Preußischer Vollzugsbau erzählt heute Geschichte

Es gibt Gefängnisbauten, die haben eine jahrhundertalte Geschichte. So auch die Justizvollzugsanstalt in Herford. Sie wurde 1883 als preußischer Vollzugsbau eingeweiht. Wenn die Mauern erzählen könnten, dann würden sie viele Geschichten von Menschen erzählen, die dort Monate oder Jahre verbracht haben. Inzwischen ist die Anstalt auf dem modernsten Stand saniert und erweitert worden. Die Gebäude haben Scharm: Die Türmchen an der Mauer, die Giebel an den ehemaligen Inspektions-Häusern und insgesamt der backsteinrote Ziegelbau. Preußischer Strafvollzug 1883-1923 Im Auftrag des preußischen Innenministers Robert von Puttkammer wurde im Jahre 1878 […]
22. Februar 2019

Junge Belgierin sucht nach Spuren Ihres Uropas

Man soll nicht in alten Geschichten  „herumrühren“, sagen einige. Linte rührt nicht herum. Die junge Belgierin will einfach nur wissen, was mit dem Vater ihrer Oma passiert ist. Sie will es bald ihrer 87-jährigen Großmutter erzählen. Ihr hat sie versprochen herauszufinden, wo und wie der Vater der damals Zehnjährigen auf der Odyssee durch Strafeinrichtungen des Deutschen Reiches sein Leben verloren hat. Die Großmutter der jungen Belgierin Linte war 10 Jahre alt, als ihr Vater, Lintes Urgroßvater, in die Gefängnisse und Konzentrationslager des Reiches geriet und nie mehr zurückkehrte. […]
7. November 2018

Pfadfinder und Scouts erinnern vor Gefängnis

Es gab eine Begegnung zwischen französischen Scouts aus Abbeville und Pfadfindern aus Dortmund und Bochum. Bindeglied dieses grenzübergreifenden Treffens war eine Person, Abbé Pierre Carpentier, Pfadfinderkurat aus Abbeville. Vor 75 Jahren wurde der katholische Priester von den Nationalsozialisten in Dortmund umgebracht. 1942/43 saß er im Gefängnis “Krümmede” in Bochum ein. Die französische Pfadfindergruppe benennt sich nach ihm. Höhepunkte der Begegnung war eine deutsch-französischer Gottesdienst in der Bochumer JVA-Kapelle mit Inhaftierten, die Herstellung von Gedenkkränzen mit Bochumer Pfadfindern und das Treffen an der Gedenktafel der JVA Dortmund. Vor über 75 […]
3. September 2018

Schicksal eines der 50 Priester in Bochum

Anton Steinhoff war in den Kriegsjahren Kaplan im Dortmunder Kreuzviertel. Ein noch lebender Zeitzeuge, damals Messdiener, sprach ihn einmal auf seinen immer traurig wirkenden Blick an. Schließlich habe Steinhoff ihm anvertraut, dass es zu tun habe mit seiner Arbeit im Gefängnis Lübeckerstr. 21 a. Die Strafeinrichtung war von 1943 bis 1945 eine zentrale Richtstätte des Reiches. Dutzende Gefangene habe Steinhoff begleiten müssen auf dem Weg zum Fallbeil. Unter den Todeskandidaten waren auch ein französischer und zwei belgische Priester. Zuvor waren diese drei eine Zeitlang inhaftiert in der Bochumer […]