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Gefängnis in Altstrelitz war ein Ort des Schreckens

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Die Nachricht, dass ein Investor für das Areal des ehemaligen Gefängnisses in Altstrelitz in Mecklenburg-Vorpommern gefunden wurde, ist für Horst Vau Anlass, auf ein für ihn und seine Mitstreiter wichtiges Anliegen aufmerksam zu machen. Der Neubrandenburger ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen. Die Arbeitsgemeinschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an die Opfer dieses Straflagers in der Zeit von 1945 bis 1950 wachzuhalten.

„Das Gefängnis in Altstrelitz war ein Ort des Schreckens“, sagt Horst Vau. Falls die ehemalige Haftanstalt tatsächlich verkauft wird, sollte nicht in Vergessenheit geraten, dass es sich um einen Erinnerungsort handelt, so Hinterbliebene. „Das Gefängnis in Alt Strelitz spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Haftanstalt war für viele Jugendliche, die wegen angeblicher Werwolf-Tätigkeit verurteilt wurden, eine Durchlaufstation auf dem Weg nach Sachsenhausen“, sagt er. An das ehemalige NKWD-Gefängnis Nr. 5 – so lautete unter der sowjetischen Besatzung der Name der Neustrelitzer Haftanstalt – erinnert ein Gedenkstein auf dem Gelände. Als Deutsche Operation des NKWD wird die Aktion zur Verhaftung und Ermordung von Deutschen und deutschstämmigen Bürgern der Sowjetunion durch das Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (NKWD) bezeichnet.

Horst Vau befürchtet nun, dass mit der Übernahme des denkmalgeschützten Areals durch einen privaten Investor, weitere Erinnerungsstätten verschwinden. „In den vergangenen Jahren wurden bereits bis zu 80 Prozent der Gebäude der ehemaligen Haftanstalt geschleift“, sagt der Neubrandenburger. Besonders hellhörig habe ihn gemacht, dass das Land Mecklenburg-Vorpommern – als Eigentümer des Grundstücks – zwar alle möglichen Aspekte des Denkmalschutzes aufgeführt, mit keiner Silbe aber die Zeit zwischen 1945 und 1950 erwähnt hat. Das werde den vielen Opfern von Diktatur und Terror nicht gerecht, deren Schicksale zu DDR-Zeiten verschwiegen wurden.

Nach der Wende Auskunft zum Bruder erhalten

Horst Vau und seine Eltern – die Familie stammt aus Penzlin – mussten das am eigenen Leib erleben. Sein ältester Bruder Karl-Heinz war 16 Jahre alt, als er, wie viele andere Jugendliche im Nordosten, unter Werwolf-Verdacht von den Russen abgeholt wurde. Er starb 1948 im sowjetischen Sonderlager Sachsenhausen auf dem Gelände des ehemaligen KZ. Seine Eltern wussten bis zu ihrem Tod nicht, wo der Sohn geblieben war. Horst Vau erfuhr erst nach 1989, unter welchen Umständen sein Bruder starb. „Das Schicksal meines Bruders ist kein Einzelfall. Wie mein Bruder kamen viele Jugendliche unter Werwolf-Verdacht vor das sowjetische Militärtribunal“, sagt Vau. Das Neustrelitzer Gefängnis war die erste Station auf ihrem Leidensweg, den etliche nicht überlebten. Wie viele bereits in Neustrelitz den Tod fanden, ist unklar. Von Zeugenberichten und Akteneinsichten weiß Horst Vau, dass auch in Neustrelitz Hinrichtungen stattfanden. Wo die Toten des NKWD-Straflagers „Gefängnis Nr. 5“ in Alt-Strelitz geblieben sind, ist bis heute unklar. Vau vermutet, dass diese Leichen südlich von Neustrelitz verbuddelt wurden. 1995 wurde sein Bruder wie viele andere auch rehabilitiert.

Interessent will zwei Gebäude nutzen

Der Neubrandenburger Horst Vau hat sich nun an die Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Anne Drescher, gewandt. Er hat das in Abstimmung mit dem Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen getan. „Wir wollen sichergehen, dass in den Verhandlungen mit dem neuen Investor unsere Interessen nicht unberücksichtigt bleiben“, sagt Reinhard Klaus, Vorstandmitglied der Arbeitsgemeinschaft. Nach bisherigen Informationen aus dem Finanzministerium will der potenzielle Käufer beide denkmalgeschützten Gefängnisgebäude nutzen und auf einigen Flächen etwas dazu bauen. Das Gelände soll öffentlich nutzbar bleiben. Ein drittes Haus könne abgerissen werden. Die Immobilie, die direkt an der Einfahrt von der Bundesstraße 96 aus Berlin nach Neustrelitz liegt, gilt als Visitenkarte der Residenzstadt.

Heike Sommer | Mit freundlicher Genehmigung: Nordkurier

 

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