In der gestalteten Mitte liegt ein blaues Tuch, eine Bibel und ein Segelschiff. Eine Kerze wird entzündet. Der Leiter der Diözesanstelle Berufungspastoral, Johannes Schäfers, und die Franziskanerin Dr. Alexandra Völzke begrüßen GefängnisseelsorgerInnen im Tagungshaus Maria Immaculata in Paderborn. Es ist die zweitägige Studientagung, die als so genannte „Einkehrtage“ gestaltet werden.
Berufen sind die GefängnisseelsorgerInnen für den Dienst in den Justizvollzugsanstalten auf dem Gebiet des Erzbistum Paderborn, der Jugendarrestanstalt Lünen und dem Justizvollzugskrankenhaus des Landes Nordrhein-Westfalen in Fröndenberg. Unter den Knast-Theologen und einer Theologin besteht eine hohe Berufszufriedenheit, wie die beiden Personen aus der Berufungspastoral feststellen. Sie kommen aus allen Berufsgruppen. In den staatlichen Einrichtungen haben sie als pastorale MitarbeiterInnen oder Priester das Beichtgeheimnis zu wahren. Von der Veränderung des „Transformationsprozesses“ im Erzbistum bekommen sie wenig mit. Der Ort hinter den Mauern bleibt beständig, nur die inhaftierten Menschen und manche Bedienstete wechseln mehr oder weniger.

Heiliger Ort und Ort des Er-Lebens in der Kirche hinter Mauern der JVA Herford im Jugendvollzug.
In zwei Systemen zuhause
Gefängnisseelsorgerinnen sind kirchliche MitarbeiterInnen, die im Gestellungsvertrag vom Land bezahlt werde und in der staatlichen Einrichtung arbeiten. In zwei Systemen sind sie zuhause: in der Kirche und dem Justizvollzug. Dass es da immer wieder zu Problemen kommen kann, wissen einige zu berichten. Einigen ist die eigene Kirche durch die Realität der Herausforderung im Knast fremd geworden. „Die Kirchen-Gemeinden und wir können von Euch Gefängnisseelsorgenden einiges lernen“, sagt Schäfers. Da ist die Interreligiösität zu nennen, die Arbeit mit Menschen weit weg von Kirche oder mit Bediensteten, die bekenntnisfrei sind. „Das ist eine hohe Verantwortung und bedeutet, Fingerspitzengefühl zu zeigen“, sagt die Diözesanbeauftragte für Gefängnisseelsorge im Erzbistum Paderborn, Daniela Bröckl, vom Offenen Vollzug der JVA Bielefeld-Senne.
Ich bin da
Gefängnisseelsorge können im Anstalts-Gottesdienst sich nicht hinter religiösen Formeln verstecken. Die Reaktion kommt von den Gefangenen unmittelbar. Daher ändert sich die Sprache und die Ausdrücke, wie von Göttlichkeit gesprochen werden kann. „Gott ist schon längst da, bevor wir kommen“, meint Gefängnisseelsorger Lothar Dzialdowski, der in der im geschlossenen Vollzug der JVA Bielefeld-Brackwede arbeitet. Dies wird in der Runde nach den Impulsen von den Referenten der Berufungspastoral ausgetauscht. Anhand der Person des Moses wird einiges deutlich. Woher komme ich, welche Identität habe ich und kenne ich selbst dunkle Seiten in mir? Gibt es Heilige Orte im Gefängnis und zu was fühle ich mich beauftragt? Das Bild am brennenden Dornbusch mit dem Zuspruch „Ich bin der Ich bin da ist“, ist Arbeitsauftrag und Realität hinter Gittern. Trotz tiefer Abgründe und dunklen Geschichten sind GefängnisseelsorgerInnen da, hören zu, geben. Rückmeldung und sind emphatisch-konstruktiv gegenüber Menschen, die sich schuldig gemacht haben.
Absolute Vertrauenspersonen
“Wir glauben an die Göttlichkeit in uns, die uns in Jesus Christus immer wieder gezeigt wird. Eine barmherzige und gnädige Göttliche Kraft, die die Zwischentöne sieht und anerkennt“, führt ein Teilnehmer aus. Wer die Pharaos sind, die es im Leben gibt, darüber können sich die Gefängnisseelsorgenden beim Grillabend austauschen. Viele Anekdoten und Spannungsfelder erzählen sich die absoluten Vertrauenspersonen im Knast. Die Sehnsucht, die sich im Symbol des Segelschiffes in der gestalteten Mitte zeigt, verbindet sie mit allen Menschen. Besonders mit den Gefangenen und den Bediensteten an (un)heiligen Orten wie der einer Justizvollzugsanstalt.
Michael King





