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Wenn wir uns bewegen und verändern, geschieht dies bei Kirche

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„Du stehst nicht im Stau, du bist der Stau!“ Vielleicht haben Sie dieses Transparent auch schon mal an einer Autobahnbrücke gesehen. Mir ist es nach einem Gespräch mit einer Bediensteten der JVA eingefallen. Sie sagte: „Du machst ja sehr gute Arbeit, da könnte sich Deine Kirche mal ein Beispiel dran nehmen. Ich verstehe nicht, wie du noch in der Kirche sein kannst.“ Ein bemerkenswert merkwürdiges Kompliment.

In die Enge des Kirchenraumes wollen sich Menschen nicht mehr begeben. Sie wollen nicht (mehr) zu diesem Herrn gehören. Ist die Frage, wer „der Herr“ ist?

Von einigen KollegInnen, die im Justizvollzug arbeiten, weiß ich, dass sie gelegentlich ähnliches zu hören bekommen. Wenn von Kirche die Rede ist, dann sind da meist der Papst und die Bischöfe gemeint, vielleicht auch noch die Priester; die so genannte „Amtskirche“ halt. Und zu denen „gehören“ dann wir „normalen“ Gläubigen – Haupt- wie Ehrenamtliche. Nach diesem Verständnis sind wir „in der Kirche“. Unklar bleibt, wer oder was die Kirche dann genau ist. Das Wort „Kirche“ leitet sich aus dem Griechischen ab und heißt übersetzt „Die zum HERRN gehören!“ Das heißt: Wir sind nicht „in der“ Kirche, wir sind Kirche! Was wir – in SEINEM Namen tun – ist Kirche.

Ist das alles Kirche?

Wenn Sie einen Geburtstagsbesuch machen oder einen Kranken besuchen; wenn Sie sich in der Tafel engagieren oder für den Nachbarn einkaufen; wenn Sie eine Maiandacht mitfeiern oder mit Ihren Kindern beten; wenn sie der Arbeitskollegin in ihren Sorgen zuhören oder den Unbekannten in der Fußgängerzone freundlich grüßen: das alles ist Kirche. Es würde unserer Kirche und auch uns selbst gut tun, wenn wir dazu häufiger sagen würden, dass ich das alles tue, weil auch ich Kirche bin.

„Normale“ Menschen

Jesus hat keine Heiligen und keine Hohepriester in seine Nachfolge berufen, sondern Fischer, Tagelöhner, Diebe und Betrüger, Sünder, Zweifler, Angeber, Gescheiterte und Scheiternde, normale Menschen eben wie Du und ich. Ich möchte nicht mehr warten bis „die Kirche“ sich endlich bewegt und sich verändert. Wenn wir uns bewegen und uns verändern, bewegt und verändert sich Kirche. Dazu sind wir als ChristInnen berufen, weil wir zum HERRN gehören!

Manfred Heitz | Gefängnisseelsorger an der JVA Frankenthal

 

1 Kommentar

  1. Margreth sagt:

    Eine Veränderung hat bei mir schon lange eingesetzt. Und das als eine, die (katholische) Theologie studierte. Und trotzdem verändert sich die „Kirche“ nicht. Zumindest nicht wesentlich. Oder nur partziell, je nachdem, in welchen Kreisen sich man/frau befindet. Es ist ein Druckschluss zu glauben, dass meine veränderte Sichtweise, „die Kirche“ ändert. Diese denkt in Jahrhunderten. Konservative Kreise werden schon dafür sorgen, dass alles „geordnet“ zugeht. Es ist nicht mehr meine „katholische“ Lebenswelt und meine Überzeugung. „Der Herr“ ist eine Fremdbegriff geworden, mit dem ich nichts mehr anfangen kann. Vielmehr geht es mir um die Göttlichkeit in jedem und jeder von uns Menschen. Da ist es egal ob Frau oder Mann, queer oder transsexuell. Jeder Mensch ist willkommen. Das ist bei der (katholischen) Kirche nicht so.

    Warum sollte ich einem Segen nachlaufen? Was ist der Mehrwert? Nichts. Ich will „Kirche“ nicht (mehr) ändern. Sollen sie machen, was sie zu wollen. Das ist der stille Abschied, der sich ereignet. Kämpfen, wofür? Dass ich kaputt gehe an der menschenrechts verletztenden Lehre der Katholischen Kirche? Nein, danke. Ich will, dass kein Pope mich katholischerseits beerdigt. Aber bis dahin, ist noch eine lange Zeit. Ich möchte an eine Veränderung glauben. Realitätsnah sehe ich dahingehend weder mit „#OutInChurch“ noch mit „#liebegewinnt“ eine Chance. Die Not lehrt beten und das heißt, dass die Kirche schmerzhaft lernen muss, dass sie ihre Moraltheologie und Dogmatik überdenken muss. Es ist bereits zu spät. So denke ich. Konsequentersweise muss ich „austreten“. Das kostet nich 20 Euro Verwaltungsgebühr und ich bin „exkommuniziert“, was das immer auch bedeuten mag. Der „Herr“ wird mir verzeihen.

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