parallax background

Die Kirchen und Corona. Eine systemrelevante Kritik

18. Januar 2021

In der globalen Pandemie geht es darum, sozial und politisch einen kritischen Umgang mit den gesellschaftlichen Folgen zu finden und darin nach der Bedeutung des eigenen Tuns zu fragen. Die Bilanz, was Kirchen, Glaube und Religion in Deutschland angeht, fiel dabei mehr als ernüchternd aus: Kaum jemand sprach ihnen eine besondere „Systemrelevanz“ (wobei „Systemrelevanz“ in diesem System eine durchaus zweifelhafte Auszeichnung ist!) zu, kaum jemand schien sie zu vermissen, als sich die Kirchen in den digitalen Raum verabschiedeten. Ostern? Absagen oder Verlegen. Gottesdienste? Dafür gibt es ja Live-Übertragungen für die wenigen, die nicht ohne können. Seelsorge? Diejenigen, die Bedarf haben, können ja eine Mail schreiben. Sakramente und rituelle Feiern? Können wir ja später nachholen.

Was so deutlich wurde: Die Kirchen haben auch für sich selbst keine befriedigende Antwort darauf, wofür sie in einer neoliberal-kapitalistischen Gesellschaft eigentlich noch relevant sein können, wieso und von wem sie genau hier noch gebraucht werden. Diese unbequemen Fragen, die am institutionellen Bestand rütteln, werden überdeckt vom Trott der eingefahrenen Aktivitäten und Traditionen, die meist unhinterfragt im Modus des „Das-haben-wir-doch-schon-immer-so-gemacht“ wiederholt werden. Als der gewohnte Lauf der Dinge aber zum Stehen kam, wurde sichtbar, wie wenig der eigenen Botschaft, Symbolsprache, der Bedeutung in und für die Welt eigentlich noch zugetraut wird. So werden auch da, wo man nach der Corona-Pause nicht gleich auf die gewohnte Weise weitermachen will, Stimmen laut, doch abzuwarten und zu schauen, wofür man noch gebraucht werde, für welche Angebote es auf dem religiösen Markt gerade überhaupt noch eine Nachfrage gebe.

Krippenszene der Klosterkirche der Zisterzienserabtei im Kloster Birnau am Bodensee.

Die Unterwerfung unter den Kapitalismus

Die seit Beginn 2020 grassierende Pandemie hat somit deutlich gemacht, dass die Kirchen schon längst in der bürgerlichen Gesellschaft aufgegangen, und also auch in ihr untergegangen sind. Längst sind sie eben gerade nicht mehr die ideologischen Stützen der Gesellschaft, die dem Bestehenden Legitimität und Sinn verleihen. Die bürgerliche Gesellschaft schafft es mittlerweile auch ohne die Kirchen sich selbst zu erhalten. Der vorauseilende Lockdown der Kirchen, der Verzicht auf öffentliche Gottesdienste wie auch jede andere Form gesellschaftlicher Präsenz war eine stille Apokalypse, nicht als Chaos und Untergang am Ende der Welt verstanden, sondern als Offenbarung des bestehenden Chaos: Sie offenbarte das, was eigentlich schon lange virulent war, dass die Kirchen nämlich nur noch eine bescheidene Nischenexistenz in unseren Gesellschaften innehaben und resignierend darum wissen.

Denn wie könnte sich das Wesen des Christentums als bedeutsam für das herrschende System darstellen, wo es doch eigentlich bedeutsam für die Überwindung des Systems sein sollte? Wir wissen, dass es heutzutage TheologInnen gibt, die das bestreiten. Sie können es aber in der Tat nur aus einer Position bestreiten, die sich längst von den jüdischen und christlichen Traditionen verabschiedet hat. Solche TheologInnen aber braucht heute eben niemand mehr, insbesondere die spätkapitalistisch-bürgerliche Gesellschaft nicht, der sie sich andienen. Die Halbwertszeit dieser Theologien endet mit der Pensionierung ihrer ProduzentInnen.

Die Kirchen mit ihrer Theologie haben – das hat uns die Corona-Pandemie vor Augen geführt – kein Sinn-Monopol mehr, von ihnen werden keine Antworten auf die drängenden Fragen des Lebens, Leidens und Sterbens mehr erwartet, ja sie werden ihnen noch nicht einmal mehr gestellt. Dafür sind jetzt, auch und gerade in Zeiten von Corona, primär die Wissenschaft, also die MedizinerInnen oder PsychologInnen, und die Staatsgewalt, also die PolitikerInnen und FunktionärInnen, zuständig. Von den Verfechtern der Moderne wurde eine solche Entwicklung durchaus als Emanzipationsschub verstanden: „In Europa waren die Religionen zu einer Reflexion auf ihre nicht-exklusive Stellung innerhalb eines vom wissenschaftlichen Profanwissen begrenzten und mit anderen Religionen geteilten Diskursuniversums genötigt. Erst dieser kognitive Schub hat religiöse Toleranz und die Trennung der Religion von einer weltanschaulich neutralen Staatsgewalt möglich gemacht. …“ […]

Kontaktloser Weihwasserspender

Die gegenwärtige Pandemie hat in der spezifischen Reaktion der meisten Kirchen und Kirchenglieder, von Rückzug sowie Aufrufen sich den staatlichen Maßnahmen zu unterwerfen dann im Grunde offenbart, dass sie recht eigentlich davor schon lange resigniert haben. Die pfiffigsten FunktionärInnen unter ihnen versuchten da noch ins Geschäft mit dem Beelzebub einzusteigen – um damit die eigene Seele zu retten oder vielleicht etwas Profit für die nächste Kirchenrenovierung herauszuschlagen, das bleibt offen. So sagt Pfarrer Stefan Wissel von der Pfarrei Sankt Martin im bayrischen Barbing  zur Förderung des kontaktlosen Weihwasserspenders: „Ein junger Mann, den ich getraut habe, fördert Start-Up Firmen und der schaut immer wieder, was könnte man in den Krisenzeiten brauchen. Und da hat er sich direkt mit den Kollegen von dieser Firma zusammengesetzt und gesagt, schaut mal, da könnten wir was draus machen. Das wurde dann entsprechend auch entworfen, ein Christus-Emblem drauf und sauber aus Edelstahl gefertigt. So ist die Sache für uns einwandfrei. Auch der Opferstock ist integriert, weil man Sammelkörbe auch nicht durchgeben darf. Also können auch die Leute ihr Geld berührungsfrei am Eingang einwerfen und letztlich auch das Weihwasser nehmen.“ In Krisenzeiten also braucht die Kirche Weihwasserspender und berührungsfreie Opferstöcke. Damit ist wohl alles gesagt.

Christbaum mit Rottweiler-Stele in der baden-württembergischen Stadt Rottweil.

Die Unterwerfung unter die Vernunft?

Der Anspruch, sich den Rationalitäten der kapitalistischen Moderne in Zeiten der Pandemie zu unterwerfen, ging auch mit neuen Konflikten zwischen Glaube und Vernunft einher, die plötzlich unerwartet praktisch wurden: Soll man sich im Namen der Vernunft von den anderen fernhalten, Abstand wahren, Kontakte vermeiden, zu Hause bleiben und bestenfalls virtuell mit der Mitwelt in Kommunikation bleiben? Oder erfordert der christliche Glaube, an den Sakramenten, an der Berührung von Körpern, an der Versammlung zum Gottesdienst festzuhalten, selbst wenn dieses Tun plötzlich eine Gefahr für die Gesundheit, ja schlimmstenfalls für die Bewahrung des eigenen Lebens mit sich bringen sollte?

Schon bis zum 22. März 2020 waren in Italien mindestens 50 Priester an COVID-19 gestorben. Viele von ihnen hatten sich nicht an die Abstandsregeln und Ausgangsverbote gehalten, hatten Kranke besucht, und sich dabei infiziert. In Berlin hatte der konservativ-katholische „Freundeskreis St. Philipp Neri“ gegen die Gottesdienstverbote geklagt und argumentiert, dass man besser als im Supermarkt in der Kirche den Mindestabstand einhalten könne, und Gottesdienstverbote deshalb unangemessen seien. Man kann das Verhalten, das in den beiden Beispielen auftaucht, leicht als typisch vormoderne „Realitätsverweigerung“ eines immer noch abergläubisch-gläubigen Subjekts halten, das die Autonomie – oder Übermacht? – der neuzeitlichen Rationalität, also der Naturwissenschaften, immer noch nicht akzeptiert hat. Und so schlagen die einen vermutlich ob des wahnwitzigen „Heldentums der Priester“ und die anderen ob der „Realitätsverweigerung“ derer, die an physischen Gottesdienst festhalten, die Hände über dem Kopf zusammen.

Der italienische Philosoph Giorgio Agamben hat auf die Frage, warum so viele trotz „des nicht näher zu bestimmenden Risikos“ die Ausübung von Freundes- und Liebesbeziehungen als potentiell gefahrvoll bestimmen, und deshalb einstellen, auf den katholischen Priester Ivan Illich verwiesen. Der hatte schon in den 1970er Jahren auf die Problematik einer technokratisierten Medizinindustrie und Medikalisierung menschlicher Existenz hingewiesen: Wer die Definition des Lebens einer naturwissenschaftlichen Logik unterwirft, unterliegt der Gefahr die affektiven und kulturellen Komponenten des Lebens vom übermächtigen biologischen Lebensbegriff abzuspalten. In letzter Instanz werden so Erfahrungen von Gesundheit, Krankheit und Tod dem biologischen Leben, man könnte auch sagen: dem „nackten Leben“ zugerechnet. Affektivität, Konvivialität, Nähe und Zärtlichkeit stehen dem „nackten Leben“ dann unvermittelt gegenüber, so dass ein dualistisches Verständnis des Lebens konstruiert wird. […]

Nicht auf bloßes Überleben reduzieren

Wir müssten wieder zu einem Standpunkt gelangen, der uns von der vermeintlichen, weil rein instrumentell gedachten Vernunft, der Plausibilität gesellschaftlichen und staatlichen Handelns in der Pandemie löst. Wir müssen uns von den Schreckensbildern und ihren Phantasmen befreien und einen Umgang mit der Pandemie finden, der Leben nicht auf bloßes Überleben reduziert und und uns nicht in Ohnmacht und Angststarre verfallen lässt. Dies wird uns nicht einfach individuell möglich sein, das „kann nicht jede/r für sich selbst entscheiden“ gerade weil es um etwas geht, das zwischen uns, dort wo wir uns berühren und begegnen, mit unsren Leben und unseren Körpern, geschieht. Die Notwendigkeit von Vergemeinschaftung wie Vergesellschaftung war selten so drängend, wie in den Zeiten der Pandemie und selten haben wir so deutlich gespürt, dass die Kirchen dazu keinen Beitrag mehr leisten, es vielleicht gar nicht mehr tun wollen.

Sie haben sich stattdessen den gesellschaftlichen Plausibilitäten, den staatlichen Verordnungen unterworfen, ihre Gottesdienste ausgesetzt und Beerdigungen, Trauerfeiern und Freudenfeste verschoben. Als ob man Trauer und Freude verschieben könnte! Als ob die Sehnsucht nach Gemeinschaft, nach kollektiver Deutung der Welt, nach Symbolen und rituellen Praktiken ein Luxus wäre, der in guten Zeiten dazugehört und auf den man eben mal verzichtet, wenn die Zeiten schwieriger werden. Es gab übrigens in den allgegenwärtigen Corona-Schutzverordnungen das pikante Detail, dass den Kirchen keine Schließungen aufoktroyiert waren, sondern sie freiwillig zugestimmt hatten. Auf diese Weise wollte man sicherlich beiderseits einer unschönen Auseinandersetzung um die Religionsfreiheit entgehen. So hieß es in der Verordnung von Nordrhein-Westfalen vom März 2020 unter § 11: (3) Versammlungen zur Religionsausübung unterbleiben; Kirchen, Islam-Verbände und jüdische Verbände haben entsprechende Erklärungen abgegeben. Ansonsten ist bzw. im Blick auf andere Veranstaltungen, Geschäftstätigkeiten etc. immer von „Untersagungen“ die Rede. Auch als Ende April dann Gottesdienste in gewissem Umfang erlaubt waren, gaben sich die Kirchenfürsten alle Mühe, auch nicht im Ansatz den Anschein einer dissidenten Position in der Hygienepolitik zu erwecken. […]

Die Basilika Kloster Birnau am Bodensee.

Ekklesiologie der Unterwerfung

Die ganze Sprachlosigkeit der Kirchen angesichts der Pandemie lässt sich nicht anders als eine Ekklesiologie der Unterwerfung beschreiben. Tatsächlich stellen sich die Kirchen immer noch nicht mit aller Schärfe jenem Phänomen, das Karl Rahner für die römisch-katholische Anfang der 1970er Jahre prognostiziert hatte: Dass sich nämlich die gesellschaftlichen Verhältnisse so ändern, dass es auch nicht mehr „zur bürgerlichen Wohlanständigkeit gehört, Taufscheinchrist zu sein, dass es gesellschaftlich nicht mehr deplatziert oder schädlich sein wird, standesamtlich aus der Kirche auszutreten.“ Rahners Sorge bestand noch darin, dass sich die katholische Kirche dagegen durch Rückzug auf traditionelle Theologie, Liturgie und Lebensstil immunisieren würde, um sich so der eigentlichen Herausforderung, als „Kirche der kleinen Herde“ in dieser Gesellschaft eine Zukunft zu entwickeln, zu entziehen. Heute ist diese Gefahr einer traditionalistischen Sektenmentalität nur noch am Rande wirksam und zeigt sich vielleicht im Strukturkonservatismus bezüglich klerikaler Kirchenhierarchie noch am deutlichsten. […]

Angst und Verantwortung

Mit der Aufgabe ihrer eigenen symbolischen Ordnung und mit der Kapitulation davor, die symbolische Ordnung der Welt, die uns die Corona-Pandemie offenbarte und in die sie uns stürzte, zu verstehen zu versuchen, hatten die Kirchen der Angst der Menschen vor Krankheit und Tod nichts mehr entgegenzusetzen. Sie wusste jedenfalls nichts anderes zu tun, als sich bedingungslos an alle vorgeschlagenen Vorsichtsmaßnahmen zu halten und darin die höchste Form der Nächstenliebe zu erblicken, wie es in vielen Predigten landauf, landab verkündet wurde. Wer seinen Nächsten liebt, der meide ihn also. Die Trauer, den Schmerz der Isolation, das Vermissen von Zärtlichkeiten, von der körperlicher Berührung sollten die Gläubigen sowie die anderen braven StaatsbürgerInnen bereitwillig akzeptieren als jenen Preis, den es für das eigene Überleben zu zahlen gelte. Die Angst ging dabei soweit, dass sie selber ein brutales Gesicht zeigte, in der stummen Brutalität, mit der man die Alten und Kranken isolierte, auch gegen ihren Willen, die Sterbenden allein ließ und auch ohne Protest oder zumindest Skepsis der Kirche die Trauerrituale einzuschränken oder zu verschieben suchte. Nicht nur die lebenden, auch die toten Körper waren vor allem Objekte der Gefahr. Und auch die Kirchen gaben als eine der letzten gesellschaftlichen Instanzen ihren jahrhundertelangen Respekt vor dem toten Körper (zugegebenermaßen hatten sie sich mit dem Respekt vor den lebendigen Körpern immer schon schwerer getan) ohne große Worte auch fast auf, indem sich auch hier der medizinische objektivierende Blick auf die Körper durchsetzte.

Auch die Kirchen unterwarfen sich dieser widersinnigen, pandemischen Logik: die Angst ließe sich nur überwinden, indem man sich die Sicherheit verschaffe durch das Einhalten von Regeln sein Bestmögliches getan zu haben. Es müsse schon mit dem Teufel zugehen, wenn auch diejenigen erkrankten und stürben, die doch immer alles richtig gemacht haben. Die Kirchen haben gar nicht gemerkt, wie sie da ein säkulares Sündenverständnis übernommen haben, das den neoliberalen Gesundheitsdiskurs zutiefst prägt: Es ist eine hehre moralische Pflicht auf die eigene Gesundheit zu achten und andere dazu anzuhalten: Vorsorgeuntersuchungen, Wellness, Sport, Körperpflege, gesunde Ernährung – all das sind Maßnahmen, mit denen die Einzelnen verpflichtet sind, „etwas für ihre Gesundheit zu tun“, ihre Körper fit und leistungsfähig zu halten. Wer dies nicht tut, ist selber schuld, an Krankheit oder körperlichem Verfall, weil er seine Pflichten sträflich vernachlässigt hat. Diese Logik galt auch in Zeiten von Corona. Im beschwörenden Gruß „Bleib/Bleiben Sie gesund“ lag auch ein moralischer Imperativ: Halten Sie sich an die Regeln, halten Sie Abstand, bleiben Sie zu Hause, tun sie etwas, nein, am besten alles, um gesund zu bleiben.

Für diesen moralischen Druck, der mit Selbstgerechtigkeit, mit dem Irrglauben, anständiges Verhalten könne uns Sicherheit verleihen einherging, für die allgegenwärtige Kontrolle und Unterwerfung durch einen säkularisierten Schulddiskurs haben die Kirchen ebenfalls jegliche Sensibilität vermissen lassen. Ja, die überwältigende Mehrheit ihrer Mitglieder wie FunktionärInnen hat ihn völlig unkritisch übernommen und in eine christliche Sprache der Nächstenliebe, des Opfers und der Verantwortung gekleidet. Dabei haben sie vergessen, wie sehr der Jesus der Evangelien darauf insistierte, den Zusammenhang von Schuld und Krankheit zu durchbrechen: Die Kranken, die Armen, die Verelendeten sind nicht selber schuld, vielmehr soll sich an ihnen „die Herrlichkeit Gottes erweisen“, indem sie zu Subjekten werden, zu Subjekten ihrer eigenen Befreiung wie der Befreiung aller. Zum Subjekt zu werden schließt die Verantwortung für das Leben und die Subjektwerdung der Anderen mit ein. Es ist aber eine Subjektwerdung, die Angst und Ohnmacht überwindet. Es geht aufs Ganze und für alle nicht um die Illusion der Schuldlosigkeit, nicht um organisierte Verantwortungslosigkeit, aber eben auch nicht um individualisiertes Schuldbewusstsein, sondern um die Möglichkeit die Schuld zu überwinden, die uns niederdrückt und klein hält, auch auf die Gefahr hin sich im Zuge ihrer Überwindung die Hände schmutzig zu machen, schuldig zu werden, zu scheitern.

In der Corona-Pandemie hätte das ein Vielfaches bedeuten können: eben nicht ängstlich, sondern mutig Verantwortung zu übernehmen, indem wir als ChristInnen die gesellschaftlichen Widersprüche, die die Pandemie sichtbar gemacht hat, aufdecken, an einer messianischen widerständigen Gegenpraxis arbeiten und dabei aus unseren Traditionen schöpfen. Zu dieser Gegenpraxis gehört die praktische Solidarität, mit denen, die unter der Pandemie leiden ebenso wie eine scharfe Analyse der sich besonders deutlich offenbarenden Verhältnisse. Wer redet zum Beispiel heute noch von den menschengemachten Ursachen, die so gehäuft zu Epidemien und Pandemien führen? Zu so einer Gegenpraxis gehören auch das prophetische Aufstehen gegen Unrecht und Ungerechtigkeiten in der Öffentlichkeit ebenso wie das Festhalten an einer symbolischen Ordnung, die ein Jenseits des technokratischen Paradigmas deutlich macht und deshalb auf Rituale, Trauer, Körperlichkeit, Begegnung, Berührung, Feier und Fest nicht verzichten kann. Leider haben zu einer solchen Praxis die Kirchen kaum einen Beitrag geleistet. Nun ist es also an uns dies weiter zu tun, das Leben in Fülle sichtbar werden zu lassen und gemeinsam zu erkämpfen, auch und gerade in Zeiten der Pandemie, der Angst zum Trotz.

Julia Lis, Michael Ramminger Auszüge, Institut für Theologie und Politik in Münster

Gesamte Kritik + Anmerkungen

 

Feedback 💬

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert