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Langer Tisch der Entfremdung: Mahl nicht für Handverlesene

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Gewiss erinnern Sie sich an den Tisch, leer und lang. An der einen Schmalseite saß Putin. An der anderen Seite mal Macron, mal Scholz. 6 m Abstand. Man friert beim Anblick. Distanz kommt zum Ausdruck, ein Auseinander, nichts ist da, was die Leere füllt. Ein Bild von Zukunftslosigkeit, ein beängstigender Tisch, der nicht nach Frieden aussieht, sondern nach Zerbrechen und Demütigung.

Ein solcher Tisch ist keiner, an dem man gern Platz nimmt; ein solcher Tisch ist keiner, der einladend wirkt, der Zukunft ermöglicht. Die Entfernung drückt Entfremdung aus. Wo Menschen nicht mehr an einem Tisch sitzen, oder wo sie so distanziert Platz nehmen wie am beschriebenen Tisch, gibt es keinen Grund zur Hoffnung. Wir glauben nicht an die leeren Tische sondern an die gedeckten. Wir glauben nicht an die Entfremdung, sondern an die Beheimatung. Wir glauben nicht an tiefe Gräben sondern an Brücken. Wir glauben an das Zusammenrücken. Mit dieser Mission sehen wir Jesus unterwegs: Gast an den Tischen der Menschen, der Zöllner und Sünder, sich selbst einladend in das Haus des Zachäus, Distanz abbauend.

Abendmahldarstellung aus Peru.

Distanz ein Thema

Die Trostlosigkeit leerer Tische und einer spürbaren Distanz ist auch ein Thema und bedrückend in der eigenen Kirche. Entfremdung zwischen Bischöfen und Gläubigen, viele leere Plätze, Situationen, die Menschen in Scharen austreten lassen, weil sie das Gegenteil von Gleichberechtigung, Gastlichkeit und Wärme erfahren oder sich nicht gut aufgehoben fühlen in den Händen derer, die die großen Entscheidungen treffen. Demütigungen. Wie können wir die Tische decken, damit sie einladend sind und alle ihren Platz und Beheimatung finden? In der Einsicht, dass gar nicht wir die Tische decken, sondern der eine Gastgeber, der sich selbst gibt. Seine Mähler sind keine für Eliten, für Handverlesene, für ausgewählte Milieus, Seine Mähler sind für alle, die sich von Ihm ansprechen lassen. Inklusiv – nicht exklusiv.

Menschen an sich heranlassen

Er lässt Menschen an sich heran, die Ihm nicht immer die Treue halten wie Petrus; Er lässt Menschen an sich heran, die Ihm die Füße salben wie die stadtbekannte Sünderin, die man am liebsten von Ihm fern halten wollte; Er lässt Menschen an sich heran, die Ihn verraten wie Judas; Er lässt Menschen an sich heran, die Seine Worte in sich aufsaugen wie Maria von Magdala. Seine Anhängerschaft ist mehr als schillernd, das Gemeinsame in ihr ist Jesus. Darum können die Tische im Reich Gottes, um ein Bild zu gebrauchen, nur rund sein: kein oben und unten, kein vorne und hinten, kein besser und schlechter, ein kreisendes Miteinander um den Einen. Wo der Eine in der Mitte ist, gibt es nicht unterschiedliche Abstände, spielen Nationalität, Stand und Geschlecht keine Rolle.

Niemand ist Glaubensherr oder Kirchenfürst, niemand hat das Recht zu sagen: Du gehörst zu Christus, Du nicht; Deine Liebe ist gesegnet – oder Deine Liebe ist nicht gesegnet. Reicher als mit dieser Botschaft kann uns der Tisch nicht gedeckt sein, sie real werden zu lassen, das Fleisch dieser Botschaft zu sein, bedeutet Eucharistie: Gegenwart Christi mitten unter uns.

Bernd Mönkebüscher | Hamm

 

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