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Von den Erfahrungen anderer lernen und sich verändern

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„Die aktuelle Debatte zum theologischen Begriff ,Synodalität‘ hat durch Papst Franziskus einen fundamentalen Perspektivwechsel erfahren: Die Sicht ist weg vom Amt und der Verantwortung der Bischöfe und des Papstes hin zum ganzen Volk Gottes eingetreten“. Diese Auffassung hat der Vorsitzende der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gerhard Feige (Magdeburg), auf der dritten Tagung der 13. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) vertreten.

„Papst Franziskus hat das Thema Synodalität in den Fokus gerückt und damit eine ungeheure Dynamik ausgelöst. Das Besondere in dem von ihm 2021 ausgerufenen weltweiten synodalen Prozess war von Anfang an die Idee, dass es eine Synode des ganzen Volkes Gottes sein soll, an der nicht nur Bischöfe, Priester und Diakone sowie Ordensleute beteiligt sind, sondern auch die Laien“, so Bischof Feige.

Für andere Kirche eintreten?

Dieser Gedanke von Synodalität habe auch im ökumenischen Kontext eine wichtige Bedeutung: „Da die Partizipation aller in der Taufe gründet, kommt auch den Geschwistern außerhalb der katholischen Kirche eine Bedeutung zu.“ Die Deutsche Bischofskonferenz sei dankbar, dass die in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) verbundenen Kirchen sich an einer Konsultation zu dieser Frage beteiligt hätten. „Die Rückmeldungen zeigen, dass Synodalität und ihre Strukturprinzipien jeweils aus der eigenen Kirchengeschichte abgeleitet und erläutert werden. Daher sind negative wie positive Erfahrungen auch nicht ohne Weiteres übertragbar. Dennoch sehe ich in dem Austausch über unterschiedliche Formen, Synodalität in der Kirche zu leben, nicht nur die Chance, einander noch besser kennenzulernen und zu verstehen, sondern auch ein Potential für die katholische Kirche, von den Erfahrungen anderer Kirchen zu lernen“, betonte Bischof Feige.

Schmerzliche Erfahrungen

In seinem Grußwort ging Bischof Feige auch auf den Synodalen Weg der Kirche in Deutschland ein. Die Etappen, die bisher durchschritten worden seien, zeigten, dass er für alle Beteiligten ein Lernprozess sei: „Es verwundert daher nicht, dass es dabei auch zu Konflikten und manchmal auch schmerzlichen Erfahrungen kommt. Aber wir stehen mit dem erschütternden Ausmaß von sexuellem und seelischem Missbrauch im Raum der katholischen Kirche, wie es in den letzten Jahren aufgedeckt wurde und immer neu offenkundig wird, vor einem großen Scherbenhaufen. Deshalb kann und darf es ein ‚Weiter so‘ nicht geben. Aber unabhängig davon hat sich die katholische Kirche in ihrer Geschichte immer wieder als reformbedürftig und als reformfähig erwiesen, auch wenn der Eindruck bleibt, dass das Schiff sich oft nur sehr langsam bewegt hat.“ Bischof Feige appellierte an die Notwendigkeit eines offenen, ehrlichen und in wechselseitigem Respekt geführten Diskurses.

Jeder synodale Weg vertraue darauf, dass Gottes Geist wirksam sei, wenn das Volk Gottes zusammenkomme, um zu erkennen, wohin Jesus Christus seine Kirche führen wolle. „Dabei müssen wir uns immer wieder auch selbstkritisch fragen, ob ein Hören aufeinander und auf den Heiligen Geist gelingen kann, wenn wir uns in Lager auseinanderdividieren oder wenn von der einen oder anderen Seite gar ein Verrat an der Wahrheit unterstellt wird“, fügte Bischof Feige hinzu.

Leider keine schnellen Lösungen

„Wie das kürzlich veröffentlichte Arbeitsdokument für die zweite, kontinentale Phase der weltweiten Synode zeigt, sind die Themen, die im Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland beraten werden, auch in vielen anderen Ländern der Welt virulent. Das gilt für den Wunsch nach Beteiligung und Mitverantwortung aller Getauften ebenso wie für eine Neubewertung der Rolle der Frau in der katholischen Kirche und gleichermaßen für die Anerkennung und Wertschätzung von LGBTQ-Personen. Mit schnellen Lösungen rechne ich nicht. […]

Das synodale Arbeitsdokument für die kontinentale Phase steht unter dem programmatischen Vers aus Jesaja „Mach den Raum deines Zeltes weit“ (Jes 54,2). Könnte das nicht auch ein ermutigendes Wort für die Ökumene der Zukunft sein? Wenn die Beobachtung von Tomáš Halík stimmt, dass es heute die größten Unterschiede nicht zwischen den Kirchen, sondern innerhalb der Kirchen gibt,1 macht das den ökumenischen Weg zu einer versöhnten Gemeinschaft, die Einheit in Vielfalt lebt, freilich nicht leichter. Als katholischer Bischof sehe ich deutlich und bedaure es zutiefst, wie innerkatholische Entwicklungen und Spannungen auch das ökumenische Miteinander belasten. Und auch die diesjährige Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Karlsruhe war nicht frei von Konflikten, die sich wohl eher an kulturellen denn an konfessionellen Unterschieden festmachen ließen. Dennoch war die Vollversammlung, wie ich selbst erlebt habe, ein eindrucksvolles Zeichen des miteinander geteilten und gelebten Glaubens an Jesus Christus“, führt der Mageburger Bischof aus. Er gilt als liberal und verwirklicht andere Wege der Pastoral. Im Osten Deutschlands ist dies besonders zu den Bekenntisfreien und anderen Religionen wichtig.

 

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