Mit unterschiedlichsten Lebensthematiken ist der Justizvollzug ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Darin spiegeln sich Menschen unterschiedlicher Kulturen, Religionen, Überzeugungen sowie abgründigen und freudigen Geschichten. “Seelsorge” ist die Sorge um den ganzen Menschen, der mehr ist, als gängige Trends aussagen, gesellschaftliche Verhältnisse widerspiegeln oder das zugängliche Bewusstsein eines Menschen zeigt.

 

Gefängnisseelsorge ist den Lebensthemen und persönlichen Biografien ausgesetzt. Kann Gefängnisseelsorge, die manches Mal in die Reihe eines “salbungsvollen Gutmenschen” eingeordnet wird, ein loyales Gegenüber anbieten? Solche Vermutungen beschäftigen manchen Gefangenen oder umgekehrt entsprechend die Vollzugsbediensteten. Ist Gefängnisseelsorge “Vollzugsstörer” oder Öl im Getriebe? Beides sind Merkmale des “Fachdienstes Seelsorge” in den staatlichen Einrichtungen des Justizvollzuges.

Für die inhaftierte Menschen sind mit der Seelsorge viele Hoffnungen verbunden, was ein seelsorgerlicher Dienst für sie alles erreichen kann. Allgemein wird erwartet, dass sie einen Menschen mit Verständnis und Mitgefühl antreffen. Der Vertrauensvorschuss mit unserer seelsorgerlichen Schweigepflicht ist kostbar und schutzbedürftig. Das Gefängnis ist mit all den harten Geschichten ein Ort der permanenten Krise, wo alle, Inhaftierte, Fachdienste und VollzugsmitarbeiterInnen, oft unter Anspannung arbeiten und leben.

11. Juli 2020
Wunsch nach assistiertem Suizid im Gefängnis?
In der schweizerischen Zeitschrift „Seelsorge & Strafvollzug“ ist ein Artikel zum Thema des „Assistierten Suizid im Gefängnis“ veröffentlicht worden. Dieses Thema wird zurzeit in der Schweiz breit diskutiert und beschäftigt durch die Medien die allgemeine Öffentlichkeit. Anlässlich des ergangenen Urteils des Bundesverfassungsgerichts zum § 217 StGB […]
12. August 2019
Vom Zorn überwältigt. Kehrseiten unseres Lebens
Die Erfahrungen, die ich im Knast gemacht habe, gehören trotz mancher Ernüchterung wahrscheinlich zum Besten, was mir auf meinem beruflichen Weg begegnet ist. Ich hätte es mir als Pastoralreferent in einer weitgehend verbürgerlichten Kirche nicht träumen lassen: die vielen ausgesprochen dichten und unmittelbaren Begegnungen mit Menschen, […]
28. November 2020
Vor 30 Jahren: Ein Kölner Gefängnispfarrer entlassen
Historie: Vor 30 Jahren führen GefängnisseelsorgerInnen –  wie es zu ihrem Dienst gehört – Gespräche mit Inhaftierten der terroristischen Vereinigung Rote Armee Fraktion (RAF) in der JVA Köln-Ossendorf und Stuttgart-Stammheim. Einem Kölner Gefängnisseelsorger wird dies zum Verhängnis. Ein Ermittlungsverfahren gegen den Geistlichen wurde durch den Generalbundesanwalt […]
17. November 2023
Feiern des Weihnachtsfestes in den 50er Jahren im Jugendvollzug
Ob die Welt in den 1950er Jahren in Ordnung war? Sicher nicht. Noch viele Jahre nach Kriegsende, bis heute, sind alte und eingefahrene gesellschaftliche wie kirchliche Haltungen deutlich spürbar. Trotzdem wurde auch damals das Weihnachtsfest hinter den Mauern würdig gefeiert: Jedoch mit Rücken zur Gemeinde und […]
11. Dezember 2020
Im Dienst als Gefängnisarzt. Nichts für schwache Nerven?
Ein dickes Fell und ein gutes Gespür für die „Stories“ der Patienten: Das ist wichtiges Rüstzeug für die Arbeit als Gefängnisarzt. Dr. Bernhard Rösch, seit 14 Jahren leitender Arzt der JVA Würzburg, erzählt im Podcast, was seine Arbeit prägt – und dass es auch durchaus positive […]
26. Dezember 2025
Kein „entweder oder oder“, sondern das große „UND“ wird gefeiert
Der Umgang mit Gegensätzen erfordert Akzeptanz, Perspektivwechsel und Kommunikation: Licht – Dunkel. Lärm – Stille. Tradition  Innovation. Krieg – Frieden. Fülle – Leere. Anspruch – Wirklichkeit. Macht – Ohnmacht. Armut und Reichtum. Wir leben in Gegensätzen. Manchmal erzeugen sie eine Spannung, die kaum auszuhalten ist: Politisch, […]