Mit unterschiedlichsten Lebensthematiken ist der Justizvollzug ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Darin spiegeln sich Menschen unterschiedlicher Kulturen, Religionen, Überzeugungen sowie abgründigen und freudigen Geschichten. “Seelsorge” ist die Sorge um den ganzen Menschen, der mehr ist, als gängige Trends aussagen, gesellschaftliche Verhältnisse widerspiegeln oder das zugängliche Bewusstsein eines Menschen zeigt.

 

Gefängnisseelsorge ist den Lebensthemen und persönlichen Biografien ausgesetzt. Kann Gefängnisseelsorge, die manches Mal in die Reihe eines “salbungsvollen Gutmenschen” eingeordnet wird, ein loyales Gegenüber anbieten? Solche Vermutungen beschäftigen manchen Gefangenen oder umgekehrt entsprechend die Vollzugsbediensteten. Ist Gefängnisseelsorge “Vollzugsstörer” oder Öl im Getriebe? Beides sind Merkmale des “Fachdienstes Seelsorge” in den staatlichen Einrichtungen des Justizvollzuges.

Für die inhaftierte Menschen sind mit der Seelsorge viele Hoffnungen verbunden, was ein seelsorgerlicher Dienst für sie alles erreichen kann. Allgemein wird erwartet, dass sie einen Menschen mit Verständnis und Mitgefühl antreffen. Der Vertrauensvorschuss mit unserer seelsorgerlichen Schweigepflicht ist kostbar und schutzbedürftig. Das Gefängnis ist mit all den harten Geschichten ein Ort der permanenten Krise, wo alle, Inhaftierte, Fachdienste und VollzugsmitarbeiterInnen, oft unter Anspannung arbeiten und leben.

16. Juli 2023
Anfänge des Strafvollzugs und der Seelsorge im Zuchthaus Herford
Die Herforder Justizvollzugsanstalt an der Eimterstraße ist rund 150 Jahre alt und sie stellt die dritte, genau genommen sogar erst die zweite Herforder Haft-Anstalt in einem Zeitraum von rund 250 Jahren dar. 2008 erschien anlässlich des 125jährigen Bestehens dieser JVA eine Festschrift, die ihre Geschichte und […]
6. Mai 2025
Schicksalsort Gefängnis in der NS-Zeit am Beispiel Bochum
Die Entdeckung des Themas der „politischen“ Gefangenen in den beiden Bochumer Justizgefängnissen zur Zeit der NS-Diktatur ist für Alfons Zimmer mit starker persönlicher Erschütterung verbunden. Die „Krümmede“ war sein Arbeitsplatz. Als er im Sommer 2013 erste Hinweise auf „nicht-kriminelle“ Inhaftierte im damaligen Strafgefängnis erhielt, war er […]
23. März 2020
Te Deum und Marseillaise: Befreiung der „Politischen“
Über die Befreiung der „Politischen“ aus den westlichen Strafanstalten vor 75 Jahren: Was für die Auschwitzhäftlinge der 27. Januar 1945 war, war für die politischen Gefangenen im Strafgefängnis Bochum der 10. April 1945. Unter ihnen waren viele wegen Hochverrates verurteilte Kommunisten, „antideutsche“ Niederländer und noch etwa […]
23. April 2022
Im Vollzug mit vier M´s arbeiten: Man muss Menschen mögen
Fenster in der Kirche der hessischen Justizvollzugsanstalt Butzbach. Wer ein Gefängnis betritt, begibt sich in einen schwierigen Ort. Denn das Gefängnis ist ein konfliktreiches Feld. Weder Verbrechen und Schuld, noch Strafe sind erfreulich und angenehm. Allein die heutige Bezeichnung – „Justizvollzugsanstalt“ – gibt vor, dass dort […]
25. April 2019
Über die Schuld und eine Wiedergutmachung
Interview mit Axel Wiesbrock. Von Johanna Heckeley. Wer im Gefängnis sitzt, ist für schuldig befunden worden. Doch wie stellen sich Inhaftierte ihrer Schuld? Und welchen Wert hat Vergebung für sie? Gefängnisseelsorger Axel Wiesbrock von der Justizvollzuganstalt Heidering in Brandenburg gibt Antworten. Gibt es bei Gefangenen den […]
16. September 2026
Einlieferung von 22 jüdischen Häftlingen ins Zuchthaus 1935 (Teil VI)
Das Zuchthaus Herford und seine Häftlinge 1934-1939 (Folge 40). Das vor 40 Jahren erschienene „Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945” nennt zwar eine Reihe von Justizvollzugsanstalten, in denen damals unter anderem auch Juden inhaftiert waren („Anrath, Berlin-Moabit und -Plötzensee, […]