Mit unterschiedlichsten Lebensthematiken ist der Justizvollzug ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Darin spiegeln sich Menschen unterschiedlicher Kulturen, Religionen, Überzeugungen sowie abgründigen und freudigen Geschichten. “Seelsorge” ist die Sorge um den ganzen Menschen, der mehr ist, als gängige Trends aussagen, gesellschaftliche Verhältnisse widerspiegeln oder das zugängliche Bewusstsein eines Menschen zeigt.

 

Gefängnisseelsorge ist den Lebensthemen und persönlichen Biografien ausgesetzt. Kann Gefängnisseelsorge, die manches Mal in die Reihe eines “salbungsvollen Gutmenschen” eingeordnet wird, ein loyales Gegenüber anbieten? Solche Vermutungen beschäftigen manchen Gefangenen oder umgekehrt entsprechend die Vollzugsbediensteten. Ist Gefängnisseelsorge “Vollzugsstörer” oder Öl im Getriebe? Beides sind Merkmale des “Fachdienstes Seelsorge” in den staatlichen Einrichtungen des Justizvollzuges.

Für die inhaftierte Menschen sind mit der Seelsorge viele Hoffnungen verbunden, was ein seelsorgerlicher Dienst für sie alles erreichen kann. Allgemein wird erwartet, dass sie einen Menschen mit Verständnis und Mitgefühl antreffen. Der Vertrauensvorschuss mit unserer seelsorgerlichen Schweigepflicht ist kostbar und schutzbedürftig. Das Gefängnis ist mit all den harten Geschichten ein Ort der permanenten Krise, wo alle, Inhaftierte, Fachdienste und VollzugsmitarbeiterInnen, oft unter Anspannung arbeiten und leben.

22. September 2026
Ähnlichkeiten und Wandel: Vom Klosterkerker zur Justizvollzugsanstalt
Die Justizvollzugsanstalt Ebrach ist eine Jugendstrafanstalt des Freistaates Bayern. Die Anstalt wurde 1851 in den Räumlichkeiten des Klosters Ebrach als Zwangsarbeitsanstalt bzw. als Zuchthaus errichtet. „Zelle“, heute Haftraum, erinnert noch an die Klosterzelle. Und es ist mehr als eine Wortverwandtschaft. „Gotteszell“, ein ehemaliges Dominikanerinnenkloster ist seit […]
24. August 2019
Gefängnisseelsorge ganz nahe am Menschen
„Für mich ist meine Arbeit gar nicht so mutig, aber man muss darauf achten, nicht übermütig zu werden“, sagt Daniela Bröckl, die die einzige Frau in der Gefängnisseelsorge im Erzbistum Paderborn ist und Ende letzten Jahres zur Diözesanbeauftragten für die Seelsorge an den Justizvollzugsanstalten ernannt wurde. […]
24. November 2023
Kratzt am Selbstbild: Moralische Belastung und Verletzung
Im Jahr 2009 gründet die Katholische Gefängnisseelsorge in Deutschland e.V. die Arbeitsgemeinschaft Ethik mit dem Ziel, ethische Fragestellung im Justizvollzug in Ethikkomitees vor Ort zu beleuchten. Kein leichtes Unterfangen angesichts dem Anspruch der Resozialisierung und der praktischen Wirklichkeiten im Vollzug. Dieser Tage treffen sich in Paderborn […]
2. April 2021
Die katholische Gefängnisseelsorge in der DDR
Dieser Beitrag beschreibt das Bemühen der katholischen Kirche, in der 40-jährigen kommunistischen Diktatur im Ostteil Deutschlands, ein Minimum an Seelsorge in den Strafvollzugsanstalten zu ermöglichen. Bis zur Friedlichen Revolution 1989/90 wurde dies durch den sozialistischen Staat massiv eingeschränkt. Nur sehr wenigen Priestern war es in der […]
4. September 2024
Jüdischer Seelsorger und Musiker, Erich Lewin, überlebte bis 1945
Der jüdische Prediger und Gefängnisseelsorger Erich Lewin und seine Frau Ella, geborene Zöllner sind aus der ostwestfälischen Hansestadt Herford im Alter von 52 Jahren mit dem ersten öffentlichen Zwangstransport im Dezember 1941 über Bielefeld ins lettische Riga deportiert worden. Das Todesdatum von Ella Lewin ist nicht […]
22. Januar 2025
Die Seelsorge der Kirchen in der nationalsozialistischen Zeit
Die damalige “Bundeszentrale für Heimatdienst” in Bonn gab im Juli 1956 in der Wochenzeitung “Das Parlament” eine Beilage unter der Rubrik “Politik und Zeitgeschichte” mit dem Titel “Tapfere Seelsorge” heraus. Im Fokus wird die Rolle der Kirchen in der nationalsozialistischen Zeit beleuchtet. 11 Jahre nach Kriegsende […]
Knastschlüssel