Mit unterschiedlichsten Lebensthematiken ist der Justizvollzug ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Darin spiegeln sich Menschen unterschiedlicher Kulturen, Religionen, Überzeugungen sowie abgründigen und freudigen Geschichten. „Seelsorge“ ist die Sorge um den ganzen Menschen, der mehr ist, als gängige Trends aussagen, gesellschaftliche Verhältnisse widerspiegeln oder das zugängliche Bewusstsein eines Menschen zeigt.

 

Gefängnisseelsorge ist den Lebensthemen und persönlichen Biografien ausgesetzt. Kann Gefängnisseelsorge, die manches Mal in die Reihe eines „salbungsvollen Gutmenschen“ eingeordnet wird, ein loyales Gegenüber anbieten? Solche Vermutungen beschäftigen manchen Gefangenen oder umgekehrt entsprechend die Vollzugsbediensteten. Ist Gefängnisseelsorge „Vollzugsstörer“ oder Öl im Getriebe? Beides sind Merkmale des „Fachdienstes Seelsorge“ in den staatlichen Einrichtungen des Justizvollzuges.

Für die inhaftierte Menschen sind mit der Seelsorge viele Hoffnungen verbunden, was ein seelsorgerlicher Dienst für sie alles erreichen kann. Allgemein wird erwartet, dass sie einen Menschen mit Verständnis und Mitgefühl antreffen. Der Vertrauensvorschuss mit unserer seelsorgerlichen Schweigepflicht ist kostbar und schutzbedürftig. Das Gefängnis ist mit all den harten Geschichten ein Ort der permanenten Krise, wo alle, Inhaftierte, Fachdienste und VollzugsmitarbeiterInnen, oft unter Anspannung arbeiten und leben.

12. März 2024
Theologe Karl Rahner 1961 zu „Christus in den Gefangenen“
Zur 50. Fachtagung von „Kirche im Justizvollzug“ mit NeueinsteigerInnen im Tagungshaus in Wiesbaden-Naurod zitiert der Gefängnisseelsorger Michael Kullinat von der JVA Schwalmstadt einen großen Theologen des 20. Jahrhunderts: Karl Rahner. Hintergrund ist die Frage der Rolle des/der GefängnisseelsorgerIn im Vollzug. Im Grunde hat sich in all […]
27. Februar 2023
Kirche abseits der heilen Welt in der JVA Heidering
Seit gut einem Jahr ist Gemeindereferentin Christina Brath katholische Gefängnisseelsorgerin in der Justizvollzugsanstalt Heidering südostlich von Berlin. Sie leistet pastorale Arbeit am Rand der Gesellschaft. Jogginghosen, nur Männer, viele von ihnen tragen Tätowierungen – schon die Zusammensetzung der 15 Teilnehmer lässt erahnen: Etwas an dieser Andacht […]
16. März 2019
Nicht festnageln auf das, was jemand gemacht hat
„Schuld“ sei eigentlich nicht sein Thema, sagt Raimund Ruppert, Seelsorger an der Justizvollzugsanstalt (JVA) I in Frankfurt. Dabei ist er doch gewissermaßen als Fachmann gefragt. Jenseits von Schubladendenken gehe es dabei unter anderem um die Frage, wie ein Weiterleben mit Schuld möglich sei. Sein Glaube setze nicht […]
24. September 2021
Musik zu Bonhoeffers Filmsequenzen komponiert
Das richtige Wort zur richtigen Zeit? Dietrich Bonhoeffer als der ökumenische Zeuge für Gerechtigkeit und Frieden. Im Jahr 2021 jährt sich der Eintritt von Dietrich Bonhoeffer in die ökumenische Bewegung und ihr Friedenszeugnis zum 90. Mal. Bonhoeffer war vom 1. bis 4. September 1931 Jugenddelegierter bei […]
3. Oktober 2021
Recherche zur Vollzugsrealität in den Jahren 1933 – 1945
Zwischen Zuchthäusern und Gefängnissen bestand ein Unterschied. Herrschten in Zuchthäusern harte Arbeit, strenge Isolierung und militärische Disziplin vor, so waren die Bedingungen der Gefängnisse an der Besserung des Straftäters ausgerichtet und damit für die Inhaftierten günstiger. Zur Geschichte des Zuchthauses im nordrhein-westfälischen Münster wird deutlich, dass […]
4. November 2025
Raum ohne Urteil: Dem Menschen begegnen, nicht seiner Tat
Ein Raum mit grauen Wänden. Ein schlichter Tisch, zwei Stühle und ein Päckchen Taschentücher. In der Justizvollzugsanstalt von Garmisch-Partenkirchen ist heute Gefängnisseelsorger Oskar Ehehalt anwesend. Umgeben von Gittern, Regeln und Protokollen sitzt er ohne Vorwissen und ohne Akte Straftätern gegenüber, um zuzuhören, auch wenn es nichts […]