Mit unterschiedlichsten Lebensthematiken ist der Justizvollzug ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Darin spiegeln sich Menschen unterschiedlicher Kulturen, Religionen, Überzeugungen sowie abgründigen und freudigen Geschichten. “Seelsorge” ist die Sorge um den ganzen Menschen, der mehr ist, als gängige Trends aussagen, gesellschaftliche Verhältnisse widerspiegeln oder das zugängliche Bewusstsein eines Menschen zeigt.

 

Gefängnisseelsorge ist den Lebensthemen und persönlichen Biografien ausgesetzt. Kann Gefängnisseelsorge, die manches Mal in die Reihe eines “salbungsvollen Gutmenschen” eingeordnet wird, ein loyales Gegenüber anbieten? Solche Vermutungen beschäftigen manchen Gefangenen oder umgekehrt entsprechend die Vollzugsbediensteten. Ist Gefängnisseelsorge “Vollzugsstörer” oder Öl im Getriebe? Beides sind Merkmale des “Fachdienstes Seelsorge” in den staatlichen Einrichtungen des Justizvollzuges.

Für die inhaftierte Menschen sind mit der Seelsorge viele Hoffnungen verbunden, was ein seelsorgerlicher Dienst für sie alles erreichen kann. Allgemein wird erwartet, dass sie einen Menschen mit Verständnis und Mitgefühl antreffen. Der Vertrauensvorschuss mit unserer seelsorgerlichen Schweigepflicht ist kostbar und schutzbedürftig. Das Gefängnis ist mit all den harten Geschichten ein Ort der permanenten Krise, wo alle, Inhaftierte, Fachdienste und VollzugsmitarbeiterInnen, oft unter Anspannung arbeiten und leben.

11. Juni 2021
Leben als Zuchthauspfarrer. Bernhard Walter ist verstorben
Der katholische Pfarrer Bernhard Walter ist mehr als 30 Jahre Pfarrer im Zuchthaus Cottbus gewesen. 1999 ging er in den Ruhestand. Seitdem hat er nicht viel über diese Zeit gesprochen. Bis zur Wende war der monatliche Gottesdienst die einzige direkte Kontaktmöglichkeit mit den Strafgefangenen. Für seine […]
22. Januar 2025
Die Seelsorge der Kirchen in der nationalsozialistischen Zeit
Die damalige “Bundeszentrale für Heimatdienst” in Bonn gab im Juli 1956 in der Wochenzeitung “Das Parlament” eine Beilage unter der Rubrik “Politik und Zeitgeschichte” mit dem Titel “Tapfere Seelsorge” heraus. Im Fokus wird die Rolle der Kirchen in der nationalsozialistischen Zeit beleuchtet. 11 Jahre nach Kriegsende […]
6. März 2019
Im Gefängnis geht es nicht um das Missionieren
Zwischen Wiesen und Äckern, umgeben von hohen Mauern, stehen die riesigen Betonbauten des Nordrhein-Westfälischen Gefängnisses in Geldern. Auf der Südmauer prangt das Wort „Sehnsucht“, aufgemalt in übermannshohen Großbuchstaben. In der Nähe vom Eingangsbereich hängen stilisierte T-Shirts mit verblassendem Aufdruck „Schuld“ an einer Wäscheleine. So sehen Außenstehende […]
29. November 2022
Karl Barth: Die Übeltäter mit ihm. Strafanstalt Basel 1957
Im Jahr 1957 hielt am Karfreitag der schweizer evangelische Theologe Karl Barth eine Predigt vor Gefangenen in der Strafanstalt Basel. Er betont dabei, dass Inhaftierte genauso Menschen sind. “Gekreuzigte Übeltäter sind wir alle”, sagt er zur damaligen Zeit zur Bibelstelle Lukas 23,33. Diese Botschaft hat Sprengkraft […]
20. Dezember 2020
Erinnerungen: Sonderbesuch als Tropfen auf den heißen Stein
Sonderbesuche im Knast stehen hoch im Kurs. Sie verdoppelten die monatlich zustehende Besuchszeit. Die unerträgliche und entwürdigende Situation im Besuchsraum, in dem es von Gerüchen aller Art stank, die Luft vom Raucherqualm zum Schneiden war und BesucherInnen wie aufgereiht nebeneinander hockten mit Tuchfühlung und ungewollter Gesprächsteilnahme […]
22. Februar 2026
Gottfried Ballin: Jüdische Häftlinge im Zuchthaus Herford (Teil IV)
 Das Zuchthaus Herford und seine Häftlinge 1934-1939 (Folge 33). Brigitte und Fritz Bilz haben 1999 ein Buch mit dem Titel „Diesen Menschen hat man mir totgeschlagen. Briefe aus Gestapohaft und KZ” veröffentlicht. Darunter sind Briefe von Gottfried Ballin, der über die Haftbedingungen im Zuchthaus Herford schreibt. […]
Knastschlüssel