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Gefängnisseelsorger der JVA Hövelhof und der UfA Büren

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Innerhalb der Reihe „Auf eine Kaffeelänge mit…“ trifft sich ein Redakteur der Erzbistumpresse regelmäßig mit einer Person aus dem Erzbistum Paderborn. Einzige Vorgabe der Zusammenkunft: Das Treffen endet, sobald die Kaffeebecher geleert sind. Diesmal haben wir uns mit Gefängnisseelsorger Mirko Wiedeking getroffen, der seit September 2021 in der Justizvollzugsanstalt Hövelhof arbeitet. Hier ist der Offene Jugendvollzug in Nordrhein-Westafeln sowie ein Haus für pflegebedürftige erwachsene Männer unterbegracht. Mit halber Stelle arbeitet Wiedeking in der UfA Büren (Unterbringungseinrichtung für Ausreisepflichtige).

„Ich bin nicht nur für Christen, sondern für alle Menschen da!“ – so definiert der 31-jährige Mirko Wiedeking seinen Auftrag als Gefängnisseelsorger. Vor fast fünf Jahren startete er als Seelsorger in der JVA Bielefeld-Senne im Offenen Vollzug in diese Berufung. „Das war meine erste Stelle, bei der ich selbst noch viel gelernt habe und sehr dankbar dafür bin“, so Wiedeking, der seinem Gefühl folgte und sich vor einem halben Jahr für den Wechsel entschieden hat. Jeweils mit einer halben Stelle steht er Gefangenen und Mitarbeitenden der JVA Hövelhof und der UfA Büren zur Seite. „Ich freue mich auf diese Herausforderung und gehe sie mit Schwung an. Egal welche Art der Gefängnisseelsorge – ich liebe diese Arbeit und die Inhalte meiner Aufgabe.“

Dennoch sind es sehr unterschiedliche Voraussetzungen an den beiden Orten. In Hövelhof leben junge Männer zwischen 18 und 24 Jahren, die oft erstmals mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind und eine Haftstrafe verbüßen müssen. „Mit der Kirche haben sie in ihrem Leben wenig Erfahrung gemacht, sind hier erstmals in einem Gottesdienst und erstaunt, dass die Kirche Interesse an ihnen hat“, erzählt Mirko Wiedeking. Deshalb sei es ihm besonders wichtig, den Kontakt mit den jungen Inhaftierten aktiv zu suchen und sich vorzustellen: „Kontakt zu Menschen, die vielfach in ihrem Leben nie die Chance hatten, wirkliches Vertrauen aufbauen zu können.“

Unterbringungseinrichtung für Ausreisepflichtige

Anders sei es in Büren: „Hier gibt es genug Christen, wenn auch nicht gewohnt katholisch und mit einer anderen Glaubenspraxis “, beschreibt der Seelsorger die UfA-Insassen, die hier in Abschiebungshaft untergebracht sind bis zur Ausreise aus Deutschland. 175 mögliche Plätze hält die Einrichtung in Büren für Männer aller Nationalitäten vor. Ihre Verweildauer liegt im Durchschnitt bei zwei bis drei Wochen. Die Reaktionen auf den Seelsorger in der Unterbringungseinrichtung sind unterschiedlich: von „Schön, dass Sie da sind!“ bis hin zu „Was wollen Sie überhaupt hier?“. Manchmal, so Wiedeking, werde er auch mit „Herr Pfarrer“ angesprochen.

Beinah berührende Momente erlebt Wiedeking ebenfalls: „Wenn ein Häftling mich fragt, er glaube nicht an Gott, ob er aber trotzdem mit mir sprechen dürfe. Dann sehe ich mich bestätigt, dass es gut ist, das wir hier sind, und auch die Möglichkeit haben, den Glauben zu verkünden. Dann, wenn wir Menschen als Menschen wahrnehmen. Denn wir als Seelsorgende sind für die Menschen da und schenken ihnen Zeit. Haben Interesse an ihrem Schicksal.“ Als Seelsorger könne er nicht verhindern, dass die Menschen abgeschoben würden, aber er möchte nach den Worten von Papst Franziskus handeln: „Seid bei den Menschen und geht an die Ränder der Gesellschaft.“

Text und Fotos: Ronald Paff | Erzbistum Paderborn

 

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