Macht die erschlafften Hände wieder stark! (Jes 35,3). Unter diesem Arbeitstitel wird ein Angebot aufgenommen, das in Vergangenheit unter den Besinnungstagen in Münsterschwarzach „Ohnmacht im Vollzug“ ins Leben gerufen worden war. Die Tage dort waren zur geistlichen und physischen Erholung sowie zur Stärkung für alle Seelsorgenden, die im Gefängnis arbeiten.

 

Die Arbeit im Justizvollzug wird komplexer: Handlungsspielräume aller Involvierten werden enger gefasst. In manchen Anstalten werden Bedienstete gehalten, persönliche Handlungsabfragen für mögliche Ereignisse auszufüllen. Das Bedürfnis nach psycho-sozialer Begleitung wird manches Mal weniger beachtet. Zwar gibt es in vielen Anstalten die psychosoziale Notfallversorgung (PSNV), doch was tun die GefängnisseelsorgerInnen für sich und ihrer Psychohygiene?

Durch den sukzessiven Abbau von Behandlungsangeboten wie Gruppenveranstaltungen oder kulturellen Zusammentreffen mit Menschen von "draußen", werden die Inhaftierten oft mit ihren Sorgen und ihrem Wohlbefinden alleine gelassen. Sie sind darauf angewiesen, sich selbst Lösungen in subkulturellen Tätigkeiten zu suchen. Ein „unauffälliger“ Vollzug soll sichergestellt sein, der dokumentiert werden muss. Dies erhöht indirekt den Druck auf die Gefängnisseelsorge. 

Binnenkirchliche Missstände wie die Missbrauchsdebatte belasten zusätzlich, da sich die Seelsorgenden oft in einem Rechtfertigungszwang für ihre Tätigkeiten wiederfinden und diesen Druck konstant durchhalten müssen. Wie können Seelsorgende im Gefängnis täglichen Nöten nachgehen, wenn sie latenter Unterstellungen oder offenen Vorwürfen ausgesetzt fühlen?

Das Angebot wurde in den letzten Jahren durch eine kleine Gruppe von GefängnisseelsorgerInnen gerne wahrgenommen. Die Tage im Jahr 2026 wurden allerdings aus organisatorischen Gründen abgesagt. 

22. Juli 2020
Viaje de vuelta a casa desde Santiago. Eine Reise zurück
Mit dem Flixbus nach Paris, weiter mit dem Zug bis zur französischen Grenzstadt Saint Jean Pied de Pont. Anschließend über dreieinhalb Wochen zu Fuß über 700 km bis zum Wallfahrtsort Santiago de Compostela. Warum tut man sich das an? Hans-Gerd Paus, Gefängnisseelsorger der JVA Geldern beantworte […]
10. Juli 2020
Aus dem Rahmen fallen. Gefängnis damals und heute
Aus dem Rahmen zu fallen fällt auf, oft unangenehm. Es weckt Verwunderung, Erstaunen. Es befreit aus dem vorgefertigten Rahmen, der die Grenze absteckt, in der man sich zu bewegen und zu benehmen hat: Das tut man nicht. Das gehört sich nicht.¹ Menschen können aus dem Rahmen […]
25. Juni 2020
Den „Jungs“ Entspannung in der Stille nahe bringen
Meditation in der Knastkirche? Für manche unvorstellbar. Doch seit einiger Zeit wird eine Entspannungstherapie durch Kerstin Fleer in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Herford angeleitet. Hier leben und arbeiten inhaftierte „Jungs“, die schwere Straftaten begangen haben. Auf der Sozialtherapeutischen Abteilung im Jugendvollzug sind sie untergebracht. Kerstin Fleer ist […]
15. Juni 2020
Die Lange-Weile ist genau der richtige Moment
Wie gehen Menschen mit dem Gefühl der Langeweile um? Der Begriff bezeichnet Eintönigkeit infolge fehlender Sinnbeschäftigung und Ablenkungsanregungen. Bei sich selbst zu Hause sein, neue Möglichkeiten durch das erzwungene oder gewollte Nichts-Tun entdecken, ist für manche nicht so einfach auszuhalten. Genau darin steckt ein grosses Potential, ist […]
31. Mai 2020
Sich nicht verbarrikadieren – Türen nach draußen öffnen
Die Kirche(n) müssen sich weiter öffnen, sich aus geschlossenen Räumen und Systemen zurückziehen, und sich den Menschen zuwenden. Pfingsten sei das Fest, das dazu ermutige und Wege eröffnen kann. „Draußen vor den Kirchtürmen, mitten in der Stadt und in der Welt, ist der eigentlich spannende Ort, […]
20. Mai 2020
Wir haben den Himmel (auf Abstand) berührt
Himmeltags-Feiertag: Für die meisten ist es der „Vatertag“. Und der muss dieses Jahr ohne die obligatorische Bollerwagenfahrt ins Grüne auskommen. „Auf Abstand“ dürfte das keinen Spaß machen. Kirche und Christenmenschen feiern Christi Himmelfahrt. Und im Radio gibt´s vielleicht Helene Fischer. „Hab den Himmel berührt“ singt sie. […]
Knastschlüssel