Macht die erschlafften Hände wieder stark! (Jes 35,3). Unter diesem Arbeitstitel wird ein Angebot aufgenommen, das in Vergangenheit unter den Besinnungstagen in Münsterschwarzach „Ohnmacht im Vollzug“ ins Leben gerufen worden war. Die Tage dort waren zur geistlichen und physischen Erholung sowie zur Stärkung für alle Seelsorgenden, die im Gefängnis arbeiten.

 

Die Arbeit im Justizvollzug wird komplexer: Handlungsspielräume aller Involvierten werden enger gefasst. In manchen Anstalten werden Bedienstete gehalten, persönliche Handlungsabfragen für mögliche Ereignisse auszufüllen. Das Bedürfnis nach psycho-sozialer Begleitung wird manches Mal weniger beachtet. Zwar gibt es in vielen Anstalten die psychosoziale Notfallversorgung (PSNV), doch was tun die GefängnisseelsorgerInnen für sich und ihrer Psychohygiene?

Durch den sukzessiven Abbau von Behandlungsangeboten wie Gruppenveranstaltungen oder kulturellen Zusammentreffen mit Menschen von "draußen", werden die Inhaftierten oft mit ihren Sorgen und ihrem Wohlbefinden alleine gelassen. Sie sind darauf angewiesen, sich selbst Lösungen in subkulturellen Tätigkeiten zu suchen. Ein „unauffälliger“ Vollzug soll sichergestellt sein, der dokumentiert werden muss. Dies erhöht indirekt den Druck auf die Gefängnisseelsorge. 

Binnenkirchliche Missstände wie die Missbrauchsdebatte belasten zusätzlich, da sich die Seelsorgenden oft in einem Rechtfertigungszwang für ihre Tätigkeiten wiederfinden und diesen Druck konstant durchhalten müssen. Wie können Seelsorgende im Gefängnis täglichen Nöten nachgehen, wenn sie latenter Unterstellungen oder offenen Vorwürfen ausgesetzt fühlen?

Das Angebot wurde in den letzten Jahren durch eine kleine Gruppe von GefängnisseelsorgerInnen gerne wahrgenommen. Die Tage im Jahr 2026 wurden allerdings aus organisatorischen Gründen abgesagt. 

3. Februar 2023
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8. Januar 2023
Sehnen sich alle nach Heilung? Lebensbrüche und Abgründe
Auf der Eingangstür zur Kathedrale St. Sebastian in Magdeburg gibt es einen kleinen Bronzeengel zu sehen, nah dem Türgriff erscheint er dem Besucher zugeneigt. Einmal sah ich, dass ihm jemand ein paar Rosen zwischen die Arme geschoben hat, als wolle er jeden ankommenden Menschen mit blühenden […]
1. Januar 2023
Ich will einfach nur sitzen: Maria über-DACH-te
Vielleicht kennen Sie den Sketch von Loriot, in dem Hermann einfach nur sitzen will, was seine Frau gar nicht verstehen kann. Aber irgendwas machst du doch? Fragt sie ihn, und er antwortet: Nein… Sie fragt, ob er irgendetwas denkt, vielleicht spazieren gehen will – und er […]
4. Dezember 2022
Nicht immer hat man das Glänzende vor der Nase
„Wer weiß, wozu es gut ist…“ sagt ein Freund, wenn etwas anders gelaufen ist, als erhofft. Und so läuft es im Leben öfter, was wohl mehr mit unserer Art der Wahrnehmung zu tun hat als mit dem Leben an sich. Denn wir betrachten nun mal das, […]
1. November 2022
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19. Oktober 2022
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„Alles Verbrecher!“ So beginnen nicht selten die Sätze am Stammtisch, wenn es wieder hoch hergeht. „Alles Verbrecher!“ so sicherlich auch die Vorurteile damals über die Hirten. Ob sie stimmten oder nicht. Zum Hüten der Schafe waren die Männer gut genug. Und wenn ein Schaf fehlte waren […]
Knastschlüssel