Mit unterschiedlichsten Lebensthematiken ist der Justizvollzug ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Darin spiegeln sich Menschen unterschiedlicher Kulturen, Religionen, Überzeugungen sowie abgründigen und freudigen Geschichten. „Seelsorge“ ist die Sorge um den ganzen Menschen, der mehr ist, als gängige Trends aussagen, gesellschaftliche Verhältnisse widerspiegeln oder das zugängliche Bewusstsein eines Menschen zeigt.

 

Gefängnisseelsorge ist den Lebensthemen und persönlichen Biografien ausgesetzt. Kann Gefängnisseelsorge, die manches Mal in die Reihe eines „salbungsvollen Gutmenschen“ eingeordnet wird, ein loyales Gegenüber anbieten? Solche Vermutungen beschäftigen manchen Gefangenen oder umgekehrt entsprechend die Vollzugsbediensteten. Ist Gefängnisseelsorge „Vollzugsstörer“ oder Öl im Getriebe? Beides sind Merkmale des „Fachdienstes Seelsorge“ in den staatlichen Einrichtungen des Justizvollzuges.

Für die inhaftierte Menschen sind mit der Seelsorge viele Hoffnungen verbunden, was ein seelsorgerlicher Dienst für sie alles erreichen kann. Allgemein wird erwartet, dass sie einen Menschen mit Verständnis und Mitgefühl antreffen. Der Vertrauensvorschuss mit unserer seelsorgerlichen Schweigepflicht ist kostbar und schutzbedürftig. Das Gefängnis ist mit all den harten Geschichten ein Ort der permanenten Krise, wo alle, Inhaftierte, Fachdienste und VollzugsmitarbeiterInnen, oft unter Anspannung arbeiten und leben.

30. Juli 2022
Als Gefängnisseelsorger schon immer „mega gläubisch“?
Ein inhaftierter Jugendlicher fragt, ob ich als Gefängnisseelsorger schon immer „mega gläubisch“ gewesen sei. „Wieso arbeiten Sie im Knast?“ Solchen Fragen muss ich mich stets aussetzen. So leicht lässt sich das nicht beantworten. Bin ich noch „normalkatholisch“? Mein Werdegang und mein Glaubensweg haben sich gewandelt. Ich […]
12. Oktober 2023
Vor Hinrichtung getauft: Mit Schicksal des Onkels befasst
Uli Borchers vom Bochumer Bündnis gegen Rechts, Mitorganisator des Besuches, mit Peter und Benita Dowding an der Außenmauer der Justizvollzugsanstalt Bochum. Der Ex-Premierminister Peter Dowding von Westaustralien besucht Schicksalsorte seines Onkels Bruce: Die Gefängnisse Dortmund und Bochum. Heimlich und gegen den Willen der Eltern schreibt sich […]
19. Dezember 2019
Alleinsein an Weihnachten ist Seelsorgern nicht fremd
Gefängnisseelsorger Richard Willburger im Interview mit dem Bayrischen Fernsehen. © BR. Richard Willburger arbeitet als Gefängnisseelsorger in der bayrischen Justizvollzugsanstalt in Aichach – auch am Heiligen Abend. Gerade die Weihnachtszeit ist für die Gefangenen besonders schwer. Wie ist es für ihn, Weihnachten im Gefängnis zu verbringen? […]
15. Mai 2022
Charles de Foucauld: Interreligiös unterwegs
„Es gibt keinen Augenblick in unserem Leben, in dem wir nicht einen neuen Weg beginnen könnten und müssten, ein neues Dasein“, sagt Charles de Foucauld. Papst Franziskus hat ihn am Sonntag in Rom heiliggesprochen. Womöglich wäre er damit nicht so glücklich, dieser Einsiedler in der algerischen […]
22. Januar 2025
Die Seelsorge der Kirchen in der nationalsozialistischen Zeit
Die damalige „Bundeszentrale für Heimatdienst“ in Bonn gab im Juli 1956 in der Wochenzeitung „Das Parlament“ eine Beilage unter der Rubrik „Politik und Zeitgeschichte“ mit dem Titel „Tapfere Seelsorge“ heraus. Im Fokus wird die Rolle der Kirchen in der nationalsozialistischen Zeit beleuchtet. 11 Jahre nach Kriegsende […]
14. Juni 2026
Ehemalige Häftlinge des Zuchthauses Herford im KZ Dachau
Das Zuchthaus Herford und seine Häftlinge 1934-1939 (Folge 37). Strafhäftlinge konnten im „Dritten Reich” nicht unbedingt davon ausgehen, dass sie nach restloser Strafverbüßung tatsächlich nach Hause entlassen wurden. Karl Schabrod stellte 1969 in seiner Untersuchung über den antifaschistischen Widerstand an Rhein und Ruhr unter anderem fest, […]
Knastschlüssel