Sexualisierte Gewalt ist ein Thema, vor allem im Bereich der Kirche(n). Es darf nicht verschwiegen werden. Im interdisziplinären Forschungsverbundprojekt (MHG-Studie) zur Thematik „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ heißt es: „Das Risiko sexuellen Missbrauchs von Kindern innerhalb der Strukturen der katholischen Kirche ist kein abgeschlossenes Phänomen. Die Problematik dauert an und verlangt konkrete Handlungen, um Risikokonstellationen zu vermeiden…“

 

Sexualisierte Gewalt gehört zu den schlimmsten Verbrechen, die Menschen einander antun können. Sexueller Missbrauch ist eine Straftat und ein schweres Verbrechen an der körperlichen und seelischen Gesundheit eines Menschen. Jeder Fall verursacht großes Leid bei Opfern und ihren Angehörigen. Besonders innerhalb der Katholischen Kirche gab und gibt es durch kirchliche Vertrauenspersonen Geschädigte und Opfer. Jede Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung gehört dazu.

Angesichts massenhafter und weltweiter sexualisierter Gewalt seitens katholischer Geistlicher oder anderer kirchlichen Mitarbeiter in der Vergangenheit und in der Gegenwart, kann man nicht verschweigen, dass es Täter innerhalb der Katholischen Kirche gibt. Andere Institutionen haben denselben Seelenmissbrauch hervorgebracht. Doch dies kann keine Entschuldigung sein.

Viel zu oft haben kirchliche Würdenträger beschwichtigt, klein geredet und sich mit ihrem Gott rausgeredet. Nicht nur die Taten an sich sind beschämend, sondern genauso das systematische Vertuschen und Verschweigen. Mögliche Konsequenzen von denen in den Bistümern Verantwortlichen für die Personalpolitik, auf die wartet man bis heute vergebens.

Und immer noch scheint den Verantwortlichen in der Kirche nicht klar zu sein, wie sehr der sexuelle Missbrauch mit dem zusammenhängt, was Katholische Kirche dogmatisch über Sexualität, Macht und andere Lebensweisen denkt. Nicht nur die eigene Missbrauchsstudie hat gezeigt, dass die Täter keine pädophiliefixierten Priester waren, sondern vereinsamte Männer, die über Jahre und Jahrzehnte ihre Sexualität verdrängt haben. Sie haben ihre Macht und ihr Amt missbraucht, um Intimität zu bekommen. Sie haben sich dadurch strafbar und schuldig gemacht. Die Kirche an der Seite der Entrechteten und der Geschädigten?

Klar ist, dass es strafrechtliche Ermittlungen gibt und kirchliche Würdenträger verurteilt werden. Doch die Scheinheiligkeit und die Ebene des Nichtstrafbaren geht in alldem unter. Wie viele Priester haben andere Lebensformen gewählt. Unentdeckt, versteckt oder auch offen auslebend. Hauptsache, die Öffentlichkeit bekommt davon nichts mit. Wie viele homosexuelle Partnerschaften gibt es und wie viele Beziehungen von Frauen zu Priestern, die unentdeckt gelebt werden? Dies ist alles nicht strafbar. Doch die Katholische Kirche bestraft Menschen, die in ihr hauptberuflich arbeiten und eine andere Lebensform parallel leben (müssen). “Wer bin ich denn, dass ich dies verurteile?” sagt Papst Franziskus einmal. Konsequenzen wird er zu spüren bekommen. 

Für Klinik- und GefängnisseelsorgerInnen, die in geschlossenen Systemen des Justiz- oder Maßregelvollzuges sowie forensischen Kliniken arbeiten, ist es besonders schwierig. Zum einen haben die MitarbeiterInnen an diesen Orten konkret mit Sexualstraftätern zu tun und bekommen aufgrund ihrer Verschwiegenheit sexuelle Übergriffe mit, die ihnen anvertraut werden. Daher müssten alle geschult und sensibilisiert werden, denn das Schlimmste sei, Vorfälle zu verschweigen. Zudem sind sie kirchliche MitarbeiterInnen in staatlichen oder klinikeigenen Einrichtungen.

 

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