Eine Sozialtherapeutische Abteilung (SoThA) ist eine Sondereinrichtung innerhalb einer Justizvollzugsanstalt. Sie grenzt sich von der Hauptanstalt als eigenständige und weitgehend unabhängige Einheit mit eigenen Regeln ab. Übergeordnetes Ziel ist die Förderung einer ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung mittels der integrativen Sozialtherapie. 

 

Ziel der Behandlung ist, die Inhaftierten durch die Aufarbeitung und Überwindung von interpersonalen Konflikten zu befähigen, künftig ein Leben ohne Straftaten zu führen. Dabei ist ein essentieller Aspekt zu lernen, sich in eine Gemeinschaft zu integrieren und in dieser angemessene Umgangsformen zu finden, ohne die eigene Identität und Individualität zu verlieren. Eine sozialtherapeutische Behandlung ist sowohl im Erwachsenenstrafvollzug als auch im Vollzug der Jugendstrafe und der Sicherungsverwahrung erforderlich. Die Abteilung arbeitet auf einer anderen Basis als der Regelvollzug und ist räumlich sowie organisatorisch von den anderen Vollzugseinheiten getrennt. Die Inhaftierten der Sozialtherapeutischen Abteilung sollen im Kontext des Wohngruppenvollzugs lernen, Bedürfnisse angemessen zu formulieren und durchzusetzen, ohne die persönlichen Grenzen der anderen zu verletzen.

Alternative Strategien lernen

Der Einzelne soll lernen, sowohl Eigenverantwortung zu übernehmen, als auch Verantwortung für andere. Wesentlicher Bestandteil soll sein, entstehende Konflikte zu erkennen, zu thematisieren und funktionale Formen des Umgangs mit zwischenmenschlichen Differenzen zu erlernen. Die bisher bekannten dysfunktionalen Konfliktlösungs und -bewältigungsstrategien (aggressives Ausagieren und Durchsetzen, Flucht in Drogenkonsum, Ausstieg aus der sozialen Gemeinschaft usw.) sollen hinterfragt und sukzessive durch alternative, von gegenseitiger Wertschätzung, Rücksichtnahme und Toleranz getragene Strategien ersetzt werden. Den schädlichen Folgen des Strafvollzuges und insbesondere der Subkultur wird durch die besondere Gestaltung des Alltags und des Zusammenlebens in Wohngruppen entgegengewirkt.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Justizvollzugsanstalt Aachen

Wer pflegt eigentlich die Grünanlagen in einer Justizvollzugsanstalt? Und was ist eine Sozialtherapie? Diese eigentlich kaum zusammenhängenden Fragen beantwortet der Beitrag in Podknast. Nach dem Umzug aus der Aachener Innenstadt in die Aachener Soers 1995 und der Erweiterung 2004 bietet die JVA Aachen Platz für 702 männliche erwachsene Straf- und U-Gefangene und ca. 67 Sicherungsverwahrte und beschäftigt zurzeit 376 Bedienstete.

Neben geschlossenen und offenen Abteilungen gibt es in Aachen Behandlungswohngruppen, eine Drogentherapievorbereitungs- und eine Sozialtherapeutische Abteilung. Die Gefangenen der JVA Aachen verbüßen Haftzeiten von mindestens 2 Jahren bis hin zu lebenslangen Freiheitsstrafen.

Gemäß § 15 JStVollzG wird jeder Inhaftierte, der wegen erheblicher Straftaten gegen das Leben, die körperliche Unversehrtheit oder die sexuelle Selbstbestimmung verurteilt wurde, auf eine Sozialtherapeutische Abteilung verlegt. Auf Grundlage der „Checkliste zur Prüfung der Indikation für eine Sozialtherapeutische Abteilung" wird auf der Aufnahmeabteilung, nach Abschluss der Untersuchungshaft oder im regulären Strafhaftbereich eine Indikation durch den zuständigen Psychologischen Dienst erstellt. Behandlungsmodule sind Gruppentherapie, das Behandlungsprogramm für Sexualstraftäter (BPS) und das Behandlungsprogramm für inhaftierte Gewalttäter (BiG) sowie auch Angehörigenarbeit.

Möglichkeiten und Grenzen

Sozialtherapeutische Behandlung im Umfeld einer zwangsweisen Unterbringung in der JVA eröffnet Möglichkeiten, hat aber auch Grenzen. Inwieweit kann sich ein Mensch auf eine therapeutische Begleitung einlassen, ohne sich sicher zu sein, dass bekanntgewordenen Umstände seiner Straftat gegen ihn verwendet werden können? Vollzugliche Maßnahmen und therapeutische Ziele können sich manches Mal im Wege stehen. Es zeigt sich oft ein angepasstes Verhalten als Phänomen, um früher entlassen werden zu können. Die Nebenwirkungen eines Gefängnisses mit den subkulturellen Tendenzen und inoffiziellen Regeln innerhalb der Gefangenen können therapeutische Interventionen behindern. Nichtsdestotrotz sind Gesprächsgruppen und psychotherapeutische Gespräche für die Biografie und den weiteren Weg des Inhaftierten wichtig.

 

23. Dezember 2020
Geschlossene Türen. Nicht mehr ein X für ein U machen
Im Film „Der Hauptmann von Köpenick“ lässt der Gefängnispfarrer die Gefangenen den Choral anstimmen: „Bis hierher hat mich Gott gebracht“. Sehr fein ist die Doppelbödigkeit dieser Aussage in Szene gesetzt. Ich bin immer wieder amüsiert über diese Art der Situationskomik. Doch nun muss ich über mich […]
25. Oktober 2021
Aus Gefangenschaft heraus: Heavy-Metal-Band ,,Desire“
Im Coverbild sehen die Musiker aus wie so manche Inhaftierte eines Motorradclubs. Mit ihrem neuen Album und der Powerrock-Ballade „Kiss your tears away“, das persönlichste Lied auf der CD, gehört die Band ,,Desire“ zu den Heavy-Metal-Bands im populären Mainstream-Bereich aus der Fuldaer Region. Das Lied, das […]
5. Februar 2020
Eine Liebeserklärung an den finnischen Blues-Rock
Der Valentinstag ist nicht mehr weit entfernt und schon werden Liebeserklärungen im Gefängnis zum finnischen Blues-Rock abgegeben. Die Blues-Gitarristin und Sängerin Erja Lyytinen und ihre Band überzeugen mit einem außergewöhnlichen Konzert im Mehrzweckraum der hessischen Justizvollzugsanstalt Hünfeld. Die nordische Schönheit spielt nicht zum ersten Mal in […]
12. Januar 2020
Glaube an Neuanfang einen Soundtrack verpassen
Das Projekt „Teamsong“ ist als Rap- und Songtext-Workshop konzipiert und findet in acht Haftanstalten von vier Bundesländern statt, die an der Initiative „Anstoß für ein Neues Leben“ der Sepp-Herberger-Stiftung teilnehmen. Unter anderem in den Anstalten des Jugendvollzuges der JVA Heinsberg und der JVA Herford. Die Workshops […]
30. Juli 2020
Sicht eines Inhaftierten zur Corona-Besuchssituation
Ein Brief erreicht die Redaktion von einem Inhaftierten einer bayrischen Justizvollzugsanstalt, der aus Sicht eines Betroffenen den Umgang mit Strafgefangenen in Zeiten von Corona kritisiert. Die Besuchssituation für Familienangehörige und PartnerIn sind reglementiert. Für Gefangene, die eh bereits isoliert sind, bedeutet dies eine doppelte Bestrafung. Die […]
22. August 2020
Kiffen, chillen und „begriffen“ reimen sich im RAP
Danny Ohler, alias Danny Fresh, Rapper und Songwriter, begrüßt jeden Einzelnen der zwölf jugendlichen Inhaftierten mit dem Ellenbogen. Wegen Corona, klar. Sie kommen zum RAP-Workshop, den er hinter der Mauer anleitet. Der Kontakt zu ihm ist schnell hergestellt. Die Inhaftieren der Justizvollzugsanstalt sind überwiegend RAP begeistert. […]