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Gedenken an die Opfer von Gewalt durch Religionen in Recklinghausen

8. August 2026

Religiös motivierte Gewalt hat es immer schon mit furchtbaren Folgen gegeben und nimmt weltweit zu. Die Nachrichten berichten von Angriffen und Anschlägen auf Gläubige verschiedener Religionen und Weltanschauungen. Der Internationaler Tag des Gedenkens am 22. August soll an die Opfer von Gewalthandlungen aufgrund einer Religion oder Weltanschauung hinweisen.

Die 2023 gegründete interreligiöse Initiative „Rad der Religionen“ hat in Kooperation mit dem ehemaligen UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit Prof. Heiner Bielefledt 2024 in Münster auf dem Platz des Westfälischen Friedens eine Veranstaltung durchgeführt sowie 2025 ein Gedenken in einer überregionalen Videokonferenz. In 2026 findet die Gedenkveranstaltung an diesem Tag in Kooperation mit dem Garten der Religionen in Recklinghausen statt.

UN-Gedenktag

Im Jahr 2019 wurde der 22. August von den Vereinten Nationen als „Internationaler Tag zum Gedenken an die Opfer von Gewalt aus Gründen der Religion und Weltanschauung“ eingeführt. Prof. Heiner Bielefeldt berichtet dazu 2021 in einer Fachzeitschrift und kam mit Gerhard Peschers, dem Gründer der 2023 entstandenen interreligiösen Initiative „Rad der Religionen“ in Kontakt. 2024 hat die Gruppe den jungen und wenig bekannten Gedenktag auf dem Platz des Westfälischen Friedens in Münster mit Beteiligten verschiedener Religionen gestaltet. An einer daraufhin im Jahr 2025 als Videokonferenz überregional gemeinsam fortgesetzten Gedenkveranstaltung signalisierte eine Vertreterin vom Garten der Religionen in Recklinghausen Kooperationsbereitschaft zur Durchführung des UN-Gedenktags. So findet 2026 die Gedenkveranstaltung im Garten der Religionen in Recklinghausen (Friedrich-Ebert-Str. 231) ab 15 Uhr statt.

Programm

Prof. Heiner Bielefeldt wird in seinem Statement darlegen, wie dieser Internationale Gedenktag entstand und welche Bedeutung er hat. Bielefeld ist ein Theologe, Philosoph und Historiker sowie Seniorprofessor des Lehrstuhls für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen. Er war 2003 und 2009 Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte und 2010 bis 2016 UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit.

Die Opfer der Gewalt plädieren zum Handeln für Frieden und Versöhnung. Dass dies keine Utopie ist, sondern unter widrigen Umständen gelebt wird, zeigt das Friedensdorf Neve Shalom – Wahat al-Salam in Isarel. Seit Jahren leben 60 jüdische Israelis und muslimische Palästinenser trotz der täglichen Gewalt und vieler Bedrohungen im Frieden zusammen. Davon wird Dr. Michael Jarzemboski von den Freunden von Neve Shalom – Wahat al-Salam berichten. Musikalisch wird die Gedenkveranstaltung gestaltet durch das jüdische Ehepaar Aaron und Olga Proujanski (ehemals Ukraine, seit Jahrzehnten in Deutschland) begleitet. Aaron Proujanski ist ein international bekannter Sänger, seine Frau diplomierte Klavierlehrerin. Durch das Programm führt Gerhard Peschers. Er war von 1992 bis 2025 Bibliothekar im Justizvollzug des Landes Nordrhein-Westfalen.

Garten der Religionen

Bernhard Lübbering lädt anschließend zu Friedensgebeten aus verschiedenen Religionen in das Rondell im Garten der Religionen ein. Er ist Ehrenvorsitzender des 2016 gegründeten Vereins „Gartens der Religionen“ in Recklinghausen. Mit der Eröffnung im Oktober 2019 ist dort einen Ort der Begegnung und des Dialogs geschaffen, damit Menschen unterschiedlicher Religionen in Frieden leben und sich verstehen lernen. Menschen und Völker rücken näher zusammen. Fremde Welten, durch Jahrtausende von Kultur und Religion geprägt, treffen aufeinander. Dieses nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung zu sehen, wird eine Zukunft in Frieden sichern. Die verschiedenen Weltreligionen mit ihrem Friedenspotential können eine wesentliche Inspiration sein. Dieser Gedanke hat die Stiftung Weltethos in Tübingen durch Hans Küng maßgeblich geprägt.

Die einzelnen Stationen, die für das Judentum, das Christentum, den Islam, den Buddhismus, den Hinduismus und für Andersglaubende stehen, sind mit sechs gleich großen Steinstelen mit einer Edelstahlplatte versehen, in der sich der Himmel widerspiegelt. Fünf der sechs Säulen stehen für eine Religion und tragen ein Impulswort. Die sechste Stele steht für alle, die sich bekenntnisfrei angehörig fühlen. Den Abschluss des Rundgangs bildet die Friedensglocke. „So wie sich der Klang der Glocke verbreitet, so soll sich auch der Frieden ausbreiten“, erklärt Lübbering.

Gedenktag bekannt machen

„Einerseits sei zur örtlichen Teilnahme an der Gedenkveranstaltung in Recklinghausen 2026 eingeladen, andererseits sei auf den besonderen Anlass unabhängig von einer Präsenz bei der Veranstaltung in Recklinghausen hingewiesen und angeregt, sich diesen sowohl selber bewusster zu machen als auch mit anderen die Intention zu teilen, da die Zeichen unserer Zeit vielfältigen Anlass dazu geben“, sagt Gerhard Peschers vom „Rad der Religionen“ in Münster. Mit dem Gedenken an Opfer der Gewalt von Religion und Weltanschauung soll an die Opfer erinnert werden. Sie dürfen nicht in Vergessenheit geraten.

Titelfoto: Jemand hat dem nüchternen Fussgänger-Zeichen in Taizé Flügel und einen Heiligenschein geschenkt. Foto: Ruth Fehlker

 

1 Rückmeldung

  1. Bischofskonferenz sagt:

    Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Bertram Meier (Augsburg), hält den Gedenktag für notwendiger denn je: „Ausgrenzung und schließlich auch Verfolgung Andersgläubiger sind vielerorts trauriger Alltag. Die Gewalt nimmt weltweit eher zu, als dass sie zurückgeht. Zu den Opfern gehören Juden, Christen und Muslime, aber auch Angehörige vieler anderer Glaubensgemeinschaften sowie Menschen, die keiner Religion angehören.“

    Die Kontexte der Gewalt seien vielfältig, erläutert Bischof Meier. So gebe es Länder, in denen die Diskriminierung und Unterdrückung bis hin zu offener Gewalt vom Staat ausgingen, wie etwa Nicaragua, China und Nordkorea. Andernorts seien es religiös-extremistische Gruppen, die Angriffe auf Andersgläubige verübten. Die Gewalttaten des sogenannten „Islamischen Staats“ und ähnlicher Bewegungen hätten in den zurückliegenden beiden Jahrzehnten die massenhafte Flucht von Christen aus dem Irak und aus Syrien verursacht und das Christentum dort an den Rand seiner Existenz gebracht. Heute sei der islamistische Terror vor allem in der Sahel-Region am Werk. „Und dann gibt es die fatale Verquickung von religiösem Fundamentalismus und nationalistischen Ideologien. Der Hindu-Nationalismus schränkt den Freiheitsraum der nicht-hinduistischen Religionen in Indien immer weiter ein. Im Heiligen Land betreibt die Hamas mit brutalen Mitteln ein national-religiöses Projekt und die immer gewalttätiger auftretende Siedlerbewegung im Westjordanland greift offen die religiösen Gebäude und damit auch die religiöse Identität der Muslime und Christen an. In all diesen Kontexten werden Menschen zu Opfern von Hass und Gewalt“, so Bischof Meier.

    Vor diesem Hintergrund appelliert er an die internationale Gemeinschaft, auf ein Ende der religiös motivierten Gewalt hinzuwirken. „Gleichermaßen stehen aber auch die einzelnen Regierungen in der Verantwortung, Menschen zu schützen und Ausgrenzungen und Gewalt zu unterbinden. Unsere Aufgabe als Religionsgemeinschaften ist es, Radikalisierung und fundamentalistischen Strömungen entgegenzutreten. Wir alle sind aufgerufen, Hass zu überwinden und Brücken zu bauen. Dazu mahnen uns die Opfer.“

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