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Im Knast-Gottesdienst wird für Geschädigte des CSD Anschlag gebetet

26. Juli 2026

Der Anschlag am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin ist entsetzlich. „Die Angst, dass etwas passieren könnte, ist da, aber wenn es dann Realität wird, ist das absolut zerstörerisch“, sagt ein Teilnehmer. Während die Polizei nach dem Verdächtigen fahndet, bekunden Vertreter aus Kirche und Politik ihr Mitgefühl. Auch im Knast-Gottesdienst wird daran gedacht und für die Geschädigten und Angehörigen gebetet..

„Wir sind mit unseren Gebeten bei allen Opfern und ihren Angehörigen, Freundinnen und Freunden und auch bei allen, denen der Hass die Freude genommen hat. Der Hass darf nicht gewinnen,“ sagt der Berliner Erzbischof Heiner Koch in einer Stellungnahme. Die Parade hatte einen friedlichen Verlauf genommen und wurde jäh unterbrochen durch einen mutmaßlichen Täter, der mit einem Citroen Kleinbus in eine Menschenmenge rast. Der evangelische Bischof der EKBO, Christian Stäblein fügt hinzu: „Liebe braucht den Schutz der Gemeinschaft, queer leben und lieben braucht und bekommt den Schutz der Gemeinschaft.“ Das gelte jetzt erst recht. „Wir danken allen Einsatzkräften und beten für alle Betroffenen, Angehörigen und alle die Angst und Schrecken verspüren.“

Ein Auto fährt beim Berliner CSD in eine Menschenmenge. Am nächsten Tag werden am Tatort Blumen und Kerzen niedergelegt. Fotos: Imago

Unter dem Motto „Haltung ist hot“ hatten beim 48. Christopher Street Day in Berlin am Samstag Hunderttausende für Menschenrechte und Vielfalt demonstriert. Dabei wurde unter anderem mehr Sicherheit für queere Menschen gefordert. Vor Beginn der Pride-Parade wurde an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Die Veranstaltung wurde nach dem Vorfall abgebrochen.

Feindseligkeit und Hass gewinnen nicht

In den Gefängnissen herrscht oft ein homophobes Klima. Im Jugendvollzug beschwert sich jemand über die Regenbogenfahne, auf der Peace steht. „Das hat hier nichts zu suchen“, moniert dieser. Und doch sind jugendliche Inhaftierten am Sonntagmorgen geschockt über diese abscheuliche Tat. Sie kennen selbst ihre Abgründe und sind aus unterschiedlichen Gründen zu einer Haftstrafe verurteilt worden. „Wir zünden eine Kerze an und beten für alle, die von der schrecklichen Tat betroffen sind“, sagt ein junger Mann aus Rumänien. Am Kerzenbaum in der Knastkirche brennen sie, die Lichter der Fassungslosigkeit und zugleich der Hoffnung, dass die Feindseligkeit und der Hass gegenüber einem Anders-sein nicht gewinnen. Im christlich geprägten Gottesdienst nehmen Bekenntnisfreie, Jesiden und Muslime teil. Ein hoher Respekt wird „in der Kirche“ der Haftanstalt gezeigt.

Präventionsbeauftragte

Im Justizvollzug des Landes Nordrhein-Westfalen sind nach dem islamistischen Terroranschlag 2024 beim Stadtfest in Solingen am ersten Tag des Festivals der Vielfalt, in jeder JVA Präventionsbeauftragte angestellt worden. Der jetzige mutmaßliche 21-jährige Täter in Berlin soll laut Medienberichten bereits im Jugendalter aufgefallen sein. Im Jugendarrest sei er gewesen und „auf Bewährung.“ Er ist deutscher Staatsbürger mit libanesischen Wurzeln. Inwieweit dieser sich wo und wie radikalisierte ist noch nicht klar. Oft sind Präventionsbeauftragte studierte islamische TheologInnen, die das Gespräch mit den Gefangenen suchen. Sie sind der Sicherheit und Ordnung unterstellt und keine Seelsorger. „An einem solch konzentrierten Ort wie dem des Vollzugs, mit verschiedenen Menschen aus anderen Kulturen und Religionen, darf es keine Zellen von Radikalisierung geben“, sagt ein Bediensteter.

Religionssensibilität

Der Gefahr der Spaltung von Menschen besonders im Vollzug soll entgegengewirkt werden. Daher arbeiten GefängnisseelsorgerInnen und Imame religionssensibel zusammen. „Wie wir hier zusammenarbeiten gibt ein gelebtes Bild ab, das Vorbildcharakter hat“, sagt ein Gefängnisseelsorger. Ob sich dadurch solche Taten verhindern lassen? Die Frage kann nicht beantwortet werden. Doch gelungene Erfahrungen tragen dazu bei, dass Extremismus in alle Richtungen keinen weiteren Nährboden findet. „Es ist schwierig, aber nicht unmöglich, daran zu arbeiten, dass andere Lebensweisen akzeptiert werden“, sagt ein junger Gefangener. Er weiß aus eigener Erfahrung wie es ist, gemoppt und ausgegrenzt zu sein. „Hier darf man sich nicht outen, sonst bist Du weg“, sagt er traurig. Es gibt sie aber auch, die Bediensteten und Mitgefangenen, die Verständnis und Empathie haben. Ein Zeugnis davon ist das Gedenken an diesem Sonntag.

Michael King

 

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