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Einlieferung von 22 jüdischen Häftlingen ins Zuchthaus 1935 (Teil VI)

16. September 2026

Das Zuchthaus Herford und seine Häftlinge 1934-1939 (Folge 40).

Das vor 40 Jahren erschienene „Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933– 1945” nennt zwar eine Reihe von Justizvollzugsanstalten, in denen damals unter anderem auch Juden inhaftiert waren („Anrath, Berlin-Moabit und -Plötzensee, Brandenburg-Goerden, Celle, Düsseldorf, Hamburg-Fuhlsbüttel und München-Stadelheim; ferner […] Gefängnisse – möglicherweise Polizeihaftanstalten – in Blankenburg, Bochum, Konstanz, Köln-Mülheim und Welzheim”), erwähnt jedoch in diesem Zusammenhang beispielsweise nicht die Zuchthäuser Herford, Münster und Remscheid-Lüttringhausen, obwohl damals auch dort Juden inhaftiert waren.

Vermutlich war dies zum damaligen Zeitpunkt noch nicht bekannt. Auch wenn es in den letzten 40 Jahren erhebliche Fortschritte bei der Aufarbeitung des Geschichte des Strafvollzugs gegeben hat, kann nach Sylvia de Pasquale „das Thema ‚Strafvollzug im Nationalsozialismus’ noch nicht annähernd als ausreichend erforscht gelten. Es fehlen umfassende Untersuchungen zu einzelnen Justizvollzugsanstalten, zu einzelnen Häftlingsgruppen (wie z. B. zum Frauenvollzug, und zur Justizhaft von politischen Gefangenen, von Juden, ‚Zigeunern’, Ausländern und Homosexuellen), zu vielen Aspekten der Inhaftierung von Straftätern (z. B. zur Arbeit, zu den Beamten oder zur Medizin), aber auch zur Untersuchungshaft und zum Vollzug der Gefängnis- und Zuchthausstrafe sowie der Sicherungsverwahrung.” Auch spezielle Untersuchungen über jüdische Häftlinge in den Strafanstalten des „Dritten Reiches” scheinen rar zu sein, obwohl mittlerweile bekannt ist, dass in zahlreichen Strafanstalten des „Dritten Reiches” auch jüdische Häftlinge einsaßen, was sich zum Teil durch Häftlingskarteikarten der betreffenden Strafanstalten dokumentieren lässt.



Jüdische Verurteilte nach Münster

Gottfried Ballin, geboren am 9. April 1914, hatte nach dem 30. Januar 1933 als Mitglied der illegalen Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD) in Köln Widerstand gegen das NS-Regime geleistet und war deswegen am 31. Mai 1935 vom IV. Strafsenat des Oberlandesgerichts Hamm im Verfahren gegen Richard Rosendahl und andere wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einer Zuchthausstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Etwa zwei Wochen später wurden die 16 in diesem Prozess Verurteilten zwecks Strafverbüßung verlegt, wobei die nicht jüdischen Verurteilten in das Zuchthaus Rheinbach transportiert wurden, während die jüdischen Verurteilten (Gottfried Ballin, Ernst Hirsch, Ernst Ransenberg, Richard Rosendahl, Alfred Schnog und Rafael Weiß) am 17. Juni 1935 in das Zuchthaus Münster eingeliefert wurden, weil dort ein Rabbiner für die seelsorgerische Betreuung der jüdischen Gefangenen zur Verfügung stand.

Armin Breidenbach

Quellen und Literatur

Arolsen Archives, Online-Archiv: verschiedene Dokumente
Bilz, Brigitte und Bilz, Fritz: Diesen Menschen hat man mir totgeschlagen. Briefe aus Gestapohaft und KZ, Köln 1999
Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, Bd. I, Leitung und Bearbeitung: Werner Röder und Herbert A. Strauss, München, New York, London und Paris 1980
Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945, bearbeitet vom Bundesarchiv, Koblenz, und dem Internationalen Suchdienst, Arolsen, Koblenz 1986, Band I und II
Wever, Dieter: Das Zuchthaus Münster im Nationalsozialismus. Eine Recherche zur Vollzugsrealität in den Jahren 1933 – 1945, hrsg. von der Leiterin der Justizvollzugsanstalt Münster, o. O. 2013. Online einsehbar…

Thematischer Überblick zur gesamten Artikelserie

 

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