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Zeitgemäße Theologie der Gefängnisseelsorge

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Bischof Dr. Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, gratuliert Diakon Dr. mult. Meins G.S. Coetsier bei der Preisverleihung gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus zu seiner neuen Dissertation.

Gefängnisseelsorger Diakon Dr. Meins Coetsier hat seine theologische Dissertation „Towards a Theology of Prison Ministry“ (Ansatz einer Theologie der Gefängnisseelsorge), die sein Engagement und seine Arbeit im Gefängnis prägt und reflektiert, abgeschlossen. Dieses mehrjährige wissenschaftliche Projekt am Trinity College Dublin in Irland ist das theologische Denkwerk hinter den kreativen, pastoralen und diakonischen Aktivitäten in den Justizvollzugsanstalten und draußen. Es braucht eine klare Form der wissenschaftlichen Reflexion und Forschung.

Meins Coetsier während eines Auftrittes des Gospelchores in der JVA.

Das vierjährige Promotionsprojekt, das Dr. Meins Coetsier Anfang Mai 2021 am Loyola Institute im Teil der Theologischen Fakultät vom Trinity College Dublin mit Bestnote verteidigt hat, macht deutlich, dass soziales Engagement in Gesellschaft und in der Kirche eine klare Form der wissenschaftlichen Reflexion und Forschung braucht. Nicht nur um pastorale Erfahrungen zu reflektieren oder theologische Visionen zu entwickeln, sondern auch, um sozialen Projekten einen dauerhaft fruchtbaren Sinn und eine hoffnungsvolle Richtung zu geben. Das Trinity College Dublin und das Bistum Fulda haben diese Möglichkeit geschaffen: die Weiterentwicklung von Seelsorge, Theologie und Spiritualität in der Spannung des Gefängnisalltags konstruktiv mit wissenschaftlicher Forschung zusammenzubringen.

Karl Rahner (1904-1984)

Im Lichte von Viktor Frankl, Aleksandr Solzhenitsyn und Etty Hillesum

In der Doktorarbeit wird argumentiert, dass Karl Rahners Theologie und sein Ansatz der Gefängnisseelsorge, obwohl sie in ihrem Kontext wertvoll und wichtig sind, nicht ausreichen, um den komplexeren Bedürfnissen und Anforderungen der menschlichen Erfahrungen im Gefängnissystem im 21. Jahrhundert gerecht zu werden. Für die erlebten Traumata, Konflikte und das Leid der Häftlinge, der Gefängnisseelsorger und des Anstaltspersonals, bedarf es einer größeren seelischen Sensibilität, Wertschätzung und Seelsorge.

Auch die subjektive Welt eines Gefangenen muss freigelegt und angeschaut werden, um seiner angeborenen menschlichen Sehnsucht nach Sinn und Erfüllung gerecht zu werden. Daher bedarf es heute einer zeitgemäßeren Herangehensweise an die Gefängnisseelsorge, die auf die konkrete Erfahrung der Traumata und Konflikte eingehen kann und sensibel für die persönliche Suche nach dem Sinn der Existenz ist. Vor allem, wie diese von Häftlingen erlebt und  von GefängnisseelsorgerInnen betreut werden. Ein solcher Ansatz wäre eine auf Empowerment basierenden Theologie – eine ‚Theologie der Stärkung‘ –, die durch eine schöpferische und sinnorientierte Haltung gegenüber der menschlichen Fähigkeit, sich über das Leiden zu erheben, gefunden werden kann. Es um die Wahl „des Leidens würdig zu sein“, wie das Leben und die Werke der Schriftsteller, Denker und ehemaligen Häftlinge Viktor E. Frankl, Aleksandr I. Solschenizyn und Etty Hillesum zeigen.

Meins G.S. Coetsier – PhD Theology – Trinity College Dublin
Towards a Theology of Prison Ministry. Ansatz einer Theologie der Gefängnisseelsorge.

Vorstellung in englischer Sprache.

Theologie der Stärkung

Zeitgemäße Theologie der Gefängnisseelsorge

Auf der Suche nach einer zeitgemäßeren Theologie der Gefängnisseelsorge verfolgt die Forschung drei Hauptziele. Zunächst die Theologie Karl Rahners zur Gefängnisseelsorge zu analysieren. Zweitens konkrete Punkte zu identifizieren, an denen seine Theologie den heutigen pastoralen Herausforderungen möglicherweise nicht gerecht wird. Und drittens die Entwicklung einer Theologie der Stärkung, die der Anstaltsseelsorge kreative pastorale Perspektiven bietet. Ein wichtiger Hintergrund für die Forschung sind die Erfahrungen und die aktuelle Situation im deutschen Strafvollzug, wo Menschen täglich mit Schmerz und Leid konfrontiert werden. Auf diese Weise beschreibt die Doktorarbeit eine traditionelle katholische Theologie des Strafvollzugs, die auf Karl Rahners theologischer Anthropologie basiert, aber unterscheidet, was sie zu bieten hat und wo sie zu kurz kommt.

Anschließend entwickelt die Studie lebendige Elemente einer Theologie der Stärkung (Theology of Empowerment) mit einem zeitgemäßeren und pastoralen Ansatz der Gefängnisseelsorge, der den Bedürfnissen des Einzelnen im heutigen Gefängnissystem besser gerecht wird. Auch die Tatsache, dass bisher kein umfassendes Studium zu Rahners Theologie der Gefängnisseelsorge durchgeführt wurde, stellt sicher, dass diese Dissertation von Dr. Coetsier über sein Verständnis von Gefängnisseelsorge eine innovative theologische Grundlage für weitere wissenschaftliche Forschung zu einem hochaktuellen und wichtigen gesellschaftlichen Thema im 21. Jahrhundert bietet.

 

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