Mit unterschiedlichsten Lebensthematiken ist der Justizvollzug ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Darin spiegeln sich Menschen unterschiedlicher Kulturen, Religionen, Überzeugungen sowie abgründigen und freudigen Geschichten. „Seelsorge“ ist die Sorge um den ganzen Menschen, der mehr ist, als gängige Trends aussagen, gesellschaftliche Verhältnisse widerspiegeln oder das zugängliche Bewusstsein eines Menschen zeigt.

 

Gefängnisseelsorge ist den Lebensthemen und persönlichen Biografien ausgesetzt. Kann Gefängnisseelsorge, die manches Mal in die Reihe eines „salbungsvollen Gutmenschen“ eingeordnet wird, ein loyales Gegenüber anbieten? Solche Vermutungen beschäftigen manchen Gefangenen oder umgekehrt entsprechend die Vollzugsbediensteten. Ist Gefängnisseelsorge „Vollzugsstörer“ oder Öl im Getriebe? Beides sind Merkmale des „Fachdienstes Seelsorge“ in den staatlichen Einrichtungen des Justizvollzuges.

Für die inhaftierte Menschen sind mit der Seelsorge viele Hoffnungen verbunden, was ein seelsorgerlicher Dienst für sie alles erreichen kann. Allgemein wird erwartet, dass sie einen Menschen mit Verständnis und Mitgefühl antreffen. Der Vertrauensvorschuss mit unserer seelsorgerlichen Schweigepflicht ist kostbar und schutzbedürftig. Das Gefängnis ist mit all den harten Geschichten ein Ort der permanenten Krise, wo alle, Inhaftierte, Fachdienste und VollzugsmitarbeiterInnen, oft unter Anspannung arbeiten und leben.

5. Oktober 2020
Zwischen Verheißung und Erfüllung. Marienborn
Das Licht taucht den provisorischen Altar in ein fahles Gelb. Sonnenstrahlen fallen durch die im Laufe der Jahrzehnte verschmutzten, gelben Acrylglas-Wellplatten mit dichten Stahlrohrgestellen darunter. Unter einem der Großdächer unmittelbar neben den Baracken im Bereich Zollkontrolle zur Einreise in die frühere DDR in Marienborn sitzen, als […]
25. Juli 2021
Seelsorge ist Korrekturinstanz für verhärtete Fronten
Die Gefängnisseelsorge ist eines der ältesten pastoralen Felder der Kirche(n). Sie ist sich der Verantwortung für den Rechtsstaat und der Loyalität ihm gegenüber bewusst. Die Länder als Justizorgane in den staatlichen Einrichtungen erachten die Gefängnisseelsorge als ein unersetzlichen Teil der gemeinsamen Aufgabe zur Resozialisierung. Der Fachdienst […]
18. Februar 2019
Eigentlich ist es wie in anderen Großküchen auch
Tief ist der überdimensionale Rührbesen in dem riesigen Topf versunken, in dem orangene Soße blubbert. Aus zwei großen Eimern fischt eine Frau tassenweise Gemüsebrühepulver und Soßenpulver. Doch die Frau mit dem dunklen Basecap ist keine Köchin. Sie ist Justizvollzugsbeamtin. Und die Großküche, in der sie arbeitet, […]
7. Dezember 2025
Das Remscheider Polizeigefängnis und seine Häftlinge 1944/45
Anfragen beim Polizeipräsidium Wuppertal und beim NRW Landesarchiv (Abteilung Rheinland) im Jahr 2009, waren die Gefangenen- Aufnahmebücher der Polizeigefängnisse in Remscheid, Wuppertal und Solingen aus den Jahren 1933 bis 1945 „nicht mehr auffindbar”. Dieser Umstand wirkt sich bei der Erforschung der Schicksale der Verfolgten des Nazi-Regimes […]
19. März 2021
Auch schwere Jungs im Knast wollen beten
Pfarrer Reiner Spiegel ist seit 1984 Gefängnisseelsorger in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Düsseldorf, in der etwa 850 Männer inhaftiert sind. In fast 40 Berufsjahren hat er die unterschiedlichsten Menschen und deren Schicksale kennengelernt. Im Interview gibt der Gefängnisseelsorger einen Einblick, wie Menschen hinter Gefängnismauern leben. Die Gesprächsanfrage […]
23. Oktober 2024
Jugendliche Straftatkarriere, die im KZ Mauthausen endet
Karl Braun ∗ 18. November 1906 in Solingen. † 23. März 1944 im KZ Mauthausen/Hartheim. Karl Braun ist ein Mensch mit unbändigem Freiheitsdrang und großer Abenteuerlust. Abenteuer, die er erlebt, malt er auf blumigste Weise aus. Zeitlebens bestimmt ihn jedoch auch ein tiefempfundenes Heimweh, das ihn […]