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Der große kleine Piks: Impfen um jeden Preis

Verschwörungsideologie und kritische Haltung unterscheiden
10. August 2021
Die Kinderimpfungen stehen auf der Agenda
18. August 2021

Es ist Mitte August 2021. Vor kurzem wurden in der Tagesschau und in der anschließenden Sondersendung die Beschlüsse jenes Gremiums verkündet, das sich „Bund-Länder-Konferenz“ nennt und das faktisch schon seit mehr als einem Jahr unser Land per Verordnungen regiert. Die Ergebnisse, grob skizziert: Lockdowns soll es nicht mehr geben, jedenfalls nicht für Geimpfte und Genesene, in Innenräumen gilt „3G“, „2G“ könnte kommen, wenn man den Äußerungen des bayrischen Ministerpräsidenten folgt. Tests werden nur noch zwei Monate lang gratis zu haben sein.

Zur Impfkampagne: allen Menschen in Deutschland sei ein Impfangebot gemacht worden, freiwillig hätten sich bis jetzt 55 Prozent der Bevölkerung vollständig impfen lassen. (Ob diese Zahl nicht tatsächlich schon höher ist, wäre in diesem Kontext übrigens keine Marginalie!) Auf die anderen BürgerInnen müsse ab jetzt verstärkt eingewirkt werden, um folgende Ziele zu erreichen: ein möglichst hoher Grad der Durchimpfung, damit möglichst wenige Menschen angesteckt werden und damit das Gesundheitssystem möglichst wenig belastet werde. Es sei ein Gebot der Solidarität, geimpft in den Herbst zu gehen, und jetzt sei noch Zeit, sich dazu zu entschließen.

Aufruf zur Impfung auf ungewöhnlichen Wegen durch die Fast-Food Kette im Kreis Güterloh über die sozialen Medien.

Interessanterweise ging es meiner Erinnerung nach nicht um die 12,6 Millionen Kinder und Jugendlichen in Deutschland, jedenfalls nicht explizit. Allerdings wurde mehrmals betont, drei von vier Erwachsenen hätten das Impfangebot angenommen, und es klang auch an, dass aus verschiedenen Gründen nicht alle Menschen geimpft werden können oder dürfen. Was bleibt dann noch, um die Herdenimmunität zu erreichen, die von regierungsamtlicher Seite mal auf 70, mal auf 80, manchmal sogar auf 85 Prozent der Bevölkerung festgelegt wurde? An diesem Punkt wird es nochmals interessant für den Justizvollzug: ohnehin befinden sich viele junge Menschen in Haft, und die ganz jungen konzentrieren sich in den Anstalten, die Jugendstrafen vollziehen. Wie ist hier die Situation, und wie ist es zu bewerten, dass auch diesen Inhaftierten der „kleine Piks“ angeboten wird?

Herdenimmunität?

Doch noch einmal zurück zu Merkel, Söder und Co. Einiges an den Grundaussagen vom 10. August 2021 lässt sich mit Fug und Recht bezweifeln. Dass Herdenimmunität einen derart hohen Prozentsatz immuner Personen erfordere, ist umstritten. Ebenfalls umstritten ist der Weg zu diesem Zustand: immun sind weitaus mehr Menschen als diejenigen, die geimpft oder genesen sind, einfach aufgrund der endemischen Verbreitung der anderen Corona-Viren und zunehmend auch von SARS-CoV-2. Nach Ansicht vieler Forscher spielen dadurch entstandene Kreuzimmunität und die im Nasen-Rachen-Raum existierende zelluläre Immunität eine mindestens so große Rolle für den Schutz vor (schwerer) Erkrankung wie die durch Antikörper nachweisbare Immunität. Studien aus den letzten Monaten weisen im Übrigen darauf hin, dass Herdenimmunität bereits vorhanden ist!

Solidarität

Gleichzeitig mehren sich – entgegen den Erkenntnissen des RKI – statistische Daten aus anderen Ländern, die belegen, dass die Injektionen nur unzureichend vor Infektion und noch nicht einmal vor schweren Verläufen schützen. Auch die Weitergabe des Virus wird nicht unterbrochen! Allerdings hat das auch nie einer der Impfstoffentwickler behauptet. Dementsprechend wird in den Zulassungsstudien nicht untersucht, ob Infektion und Infektiosität verhindert werden. Mit der bedingten Zulassung in der EU wird ganz offiziell nur angezielt, schwere Verläufe und Tod durch die Krankheit „Covid-19“ zu vermeiden. Das Solidaritäts-Argument ist also in puncto Ansteckung nicht stichhaltig. Aber auch was die erneut angekündigte Überlastung des Gesundheitssystems betrifft, sind spätestens seit „DIVI-Gate“ Zweifel angebracht. Und tatsächlich ergab eine Auswertung der zur Verfügung stehenden Daten aus bundesdeutschen Krankenhäusern, dass im Jahr 2020 durchschnittlich 4 (vier) Prozent aller Betten mit Covid-PatientInnen belegt waren (so der Wissenschaftliche Beirat des Bundesgesundheitsministeriums im April 2021)!

An den Eltern vorbei

Kann es wirklich sein, dass es den EntscheidungsträgerInnen in Politik und Behörden einzig und allein darum geht, eine abstrakte Quote zu erfüllen, ungeachtet der Stichhaltigkeit der Argumente, die dafür ins Feld geführt werden? Wie dem auch sei, in jedem Fall ist die junge Generation aufgerufen, ihren Teil zum Schutz der Bevölkerung beizutragen. Das belegt eindrücklich ein Brief, den Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) an 180 000 Kinder ab 12 Jahren in der Hauptstadt geschrieben hat. Sie lässt in diesem Motivationsschreiben natürlich nicht unerwähnt, dass die Impfung auch dem Eigenschutz der jungen BürgerInnen diene. Doch stimmt das wirklich? Wie ist die Datenlage? Welche schützenden und welche schädigenden Effekte der Injektionen sind bereits bekannt? Ist wirklich jede geimpfte Person ein Mensch weniger, der andere anstecken kann, wie die Politikerin schreibt? Kalayci räumt ein, es gebe in Deutschland von der „zuständigen Expertengruppe“ (gemeint ist die Ständige Impfkommission) zwar keine allgemeine Empfehlung für die Altersgruppe ab 12 Jahre – aber weltweit seien schon 10 Millionen Kinder und Jugendliche geimpft worden. Kann man jetzt ergänzen: und geschadet hat es ihnen auch nicht? Sehen wir näher zu.

Schaden und Nutzen

Zunächst zur allgemeinen Situation am Beispiel der EU (ca. 447 Millionen EinwohnerInnen), wie ist denn der Stand bei den Todesfällen in Europa? Da sind bei der Europäischen Agentur für Medizinprodukte EMA in deren Dokumentationssystem für Nebenwirkungen von Medikamenten EudraVigilance aktuell offiziell um die 19.000 Sterbefälle im Zusammenhang mit den Impfungen dokumentiert, also als Verdachtsfälle. Geht man davon aus, dass erfahrungsgemäß nur 1-10 % der Verdachtsfälle gemeldet werden, ist die Dunkelziffer also mindestens zehnmal höher. Das gilt natürlich auch für die schweren Nebenwirkungen mit einer Größenordnung von um die 900.000 Verdachtsfällen (Centre for Research on Globalization). Alarmierend in diesem Kontext: Der Direktor des pathologischen Instituts der Uni Heidelberg, Peter Schirmacher, hat erste Ergebnisse eines Autopsie-Projekts vorgestellt, denen zufolge 30 bis 40 Prozent der im zeitlichen Zusammenhang mit einer Corona-Impfung festgestellten Todesfälle auf die Injektion zurückzuführen sind.

Dem steht ein begrenzter Nutzen gegenüber, wie mittlerweile immer deutlicher wird: es hat sich inzwischen gezeigt, dass die Ansteckungszahl von Geimpften mindestens genauso hoch ist wie von Ungeimpften. Die Daten aus Israel und Großbritannien belegen das, wo ein hoher Anteil Geimpfter zu den Neuinfizierten gehört. In Israel, neuerdings wieder ein „Hochrisikogebiet“, ist die 4. Welle bereits da und das, obwohl das Land bereits sehr weit durchgeimpft ist. Die 60-jährigen erhalten jetzt ihren dritten Schuss. Island ist ein weiteres Beispiel für ein durchgeimpftes Land, in dem die sogenannten Inzidenzwerte einen Rekord nach dem anderen knacken. Die US-amerikanische Seuchenschutzbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) hat bekanntgegeben, dass die Virenlast bei Geimpften und Ungeimpften in etwa gleich hoch ist und Geimpfte daher ihre Mitmenschen ebenfalls anstecken können.

Impfung von Kindern

Doch zur zentralen These: das Impfen von Kindern ist meines Erachtens durch nichts gerechtfertigt. Folgende Gründe unterstreichen diesen absoluten Anspruch.

1. Kinder waren von der Krankheit nie schwer betroffen, es gab nahezu keine schweren Verläufe. Stand 3. August 2021, sind in Deutschland insgesamt 25 Kinder und Jugendliche an oder mit dem Virus verstorben – von einer Gesamtzahl von etwa 92000 an oder mit Corona verstorbenen Deutschen. So tragisch jeder Einzelfall ist, aber es handelte sich den Daten zufolge ausnahmslos um schwer vorerkrankte Kinder. Der individuelle Schaden der Injektion übersteigt, in Wahrscheinlichkeiten ausgedrückt, den individuellen Nutzen.

2. Kinder haben sich nicht als Superspreader herausgestellt – keine bisherige Studie weist darauf hin, dass ein besonderes Risiko von ihnen ausgeht. Eine Eindämmung der Epidemie wird also nicht erreicht.

3. Kinder können nicht selbst entscheiden. Sie sind noch viel mehr als ihre Eltern der äußeren Beeinflussung ausgesetzt. Sie wurden durch die Zwangsmaßnahmen der letzten 18 Monate mindestens genauso unter Druck gesetzt wie wir Erwachsenen. Wer sich nicht impfen lassen will, riskiert Sonderbehandlung durch Lehrpersonen und Ausgrenzung durch MitschülerInnen und Eltern von Spielkameraden.

4. Kinder sollen ab dem 14. Lebensjahr angeblich schon reif genug sein, die Entscheidung für oder gegen eine Corona-Impfung zu treffen, so beispielsweise die Bundesvorsitzende der Katholischen Elternschaft Deutschlands, Marie-Theres Kastner. Das Elternrecht wird in der Impfkampagne ganz klar ausgehebelt. Indiskutabel, wenn es um Entscheidungen von solcher Tragweite geht.

5. Es ist anzunehmen, dass, wie im Erwachsenenbereich, keine genaue Anamnese durchgeführt wird. Wenn größere Gruppen zur Impfung anstehen, findet nur eine minimale Impfaufklärung statt, so dass (unter Umständen vorerkrankte) Jugendliche und Heranwachsende gar nicht wissen können, was das für sie bedeutet. Sie müssen annehmen, dass es sich um eine normale und nicht um eine experimentelle Impfung handelt.


Gegen Diskriminierung

Doch wie gehen die für Kinder und Jugendliche zuständigen Behörden in Deutschland vor? In deutschen Schulen beginnt jetzt wieder das Test-Regime. Aber halt: ausgenommen von der Verpflichtung, zwei Mal pro Woche einen Test zu absolvieren, sind geimpfte und genesene SchülerInnen. Auch der Beschluss vom 10. August spricht eine klare Sprache: die Testpflicht gilt für alle, außer für Kinder bis zum sechsten Lebensjahr und darüber hinaus für SchülerInnen, die im Rahmen eines verbindlichen schulischen Schutzkonzeptes regelmäßig getestet werden. Lückenlose Testpflicht auch für Kinder und Jugendliche, die am gesellschaftlichen Leben teilnehmen wollen, bedeutet in der Konsequenz: Diskriminierung der Ungeimpften und erhöhter Druck, sich impfen zu lassen.

Dem hat im Hinblick auf alle BürgerInnen schon Anfang 2021 die Parlamentarische Versammlung des Europarates eine Entschließung entgegengesetzt. Mit dieser Resolution hat damit die wichtigste menschenrechtliche Organisation in Europa völkerrechtliche Leitlinien geschaffen, die von den 47 Mitgliedsstaaten, auch der EU, anzuwenden sind. Darin heißt es unter Punkt 7.3.1: „… sicherstellen, dass die Bürger darüber informiert werden, dass die Impfung NICHT verpflichtend ist und dass niemand politisch, gesellschaftlich oder anderweitig unter Druck gesetzt wird, sich impfen zu lassen, wenn er dies nicht selbst möchte“, und unter 7.3.2: „… sicherstellen, dass niemand diskriminiert wird, weil er nicht geimpft wurde, aufgrund möglicher Gesundheitsrisiken oder weil er sich nicht impfen lassen möchte“.

Stiko und Ethikrat

Ist also der Weg zu den Kinderimpfungen, den die Politik forciert, ein Irrweg? Nicht, wenn man dem Mainstream der deutschen Berufs-EthikerInnen folgt, allen voran Prof. Alena Buyx, der Vorsitzenden des Deutschen Ethikrates. Zwar verweist sie darauf, dass der Stiko-Empfehlung zu folgen sei, sie persönlich votiert allerdings klar für die Injektion. Desgleichen ihr Kollege Prof. Andreas Lob-Hüdepohl, der ebenfalls auf Einhaltung des rechtlichen Procedere dringt, aber aus seiner Haltung keinen Hehl macht: „Auch Kinder und Jugendliche haben eine Verantwortung für die Gesamtgesellschaft. Immer unter der Voraussetzung eines geringen Risikos und einer geringen Belastung. Es ist also ethisch legitim, sie bei den Impfungen in den Blick zu nehmen.“

Doch es regt sich Widerspruch. Elisa Hoven, Richterin am sächsischen Verfassungsgerichtshof, und Jura-Professorin Frauke Rostalski, Mitglied des Deutschen Ethikrates, betonen, dass sich – unabhängig vom medizinischen Nutzen – jeder direkte oder indirekte Impfzwang, der auf Kinder und Jugendliche ausgeübt wird, aus rechtlichen wie auch ethischen Gründen verbiete. Dem Solidaritäts-Argument halten sie entgegen: „Kinder und Jugendliche tragen keine Verantwortung für Menschen, die sich effektiv selbst durch eine Impfung gegen eine Ansteckung schützen können.“ Nachdem die Stiko ihre Zurückhaltung aufgegeben hat, wäre es natürlich ein Signal der Standhaftigkeit, wenn der Ethikrat sich weiterhin neutral verhielte. Ich befürchte, dass diese Hoffnung sich nicht erfüllen wird.

Und die jungen Gefangenen?

Was bleibt nach diesen Ausführungen, außer vielleicht Verwirrung und hoffentlich Nachdenklichkeit? Mir stellt sich vor allem die Frage, wie mit den jugendlichen und heranwachsenden Inhaftierten umzugehen ist. Was wir über die nicht vorhandene Vulnerabilität dieser Altersgruppe wissen, endet ja nicht mit dem 18. Geburtstag. Im Unterschied zu Influenza betrifft Covid-19 Menschen unter 30 Jahren nur minimal. Hingegen ist über Langzeitfolgen der genbasierten Impfstoffe, beispielsweise unerwünschte Wirkungen auf Fruchtbarkeit und Krebsentwicklung oder Wechselwirkungen mit Medikamenten und Grunderkrankungen, so gut wie nichts bekannt. Ganz zu schweigen von den erheblichen aktuellen Risiken, die zutage treten, wie Herzmuskelentzündungen und Thrombosen. Über dem Wettkampf mit „Evidenz“, dem „Wissenschafts-Ping-Pong“ vergisst man fast den aus meiner Sicht entscheidenden Faktor: wir reden über die Anwendung von bedingt zugelassenen Wirkstoffen an jungen, gesunden Menschen. Sollte nicht mindestens bis zur endgültigen Zulassung gewartet werden, so sie denn kommt? Wer kann wirklich die Verantwortung tragen, falls der nachwachsenden Generation irreversibler Schaden zugefügt wird? Wer kann guten Gewissens junge und in einem Abhängigkeitsverhältnis befindliche Menschen für einen höheren Zweck zu einem in aller Regel unnötigen Eingriff in ihre körperliche Unversehrtheit bewegen? Geht es also wirklich nur um einen kleinen Piks?

Wolfgang Wandzioch | JVK Fröndenberg und JVA Hamm

 

Kommentare (2)

  1. Wolfgang Wandzioch sagt:

    Irgendwie tut es gut, mal einen Kommentar zu lesen. Dieses Thema ist meiner Ansicht nach so umfassend, dass es sich lohnt, darüber zu streiten. Was ist denn jetzt die Position von Simeon Reininger? Das ist wichtig genug, es hier zu äußern!

  2. Simeon Reininger sagt:

    “Es hat sich inzwischen gezeigt, dass die Ansteckungszahl von Geimpften mindestens genauso hoch ist wie von Ungeimpften. Die Daten aus Israel und Großbritannien belegen das, wo ein hoher Anteil Geimpfter zu den Neuinfizierten gehört.” Stimmt das?

    Es gibt andere Stimmen, die darauf hinweisen, dass in Deutschland ca. 90 % der Intensivpatienten Ungeimpfte seien. Na ja, jeder konstruiert sich seine Wirklichkeit eben selbst – ich vermutlich auch, und damit müssen wir leben.

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