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Wie sieht der muslimische Fastenmonat Ramadan aus?

Muslimisch religiöse Betreuer sind Seelsorger
25. Oktober 2020

Der Ramadan ist einer der bekanntesten islamischen Feiertage. Es ist der Fastenmonat der Muslime, der neunte Monat des islamischen Mondkalenders. Den ganzen Monat lang sollen sie tagsüber fasten. Das Fasten wird beendet bei Sonnenuntergang. Der Iftar (Abendessen) ist der tägliche Höhepunkt mit essen und trinken. Der Ramadan endet mit dem Zuckerfest (Fest des Fastenbrechens). Der Fastenmonat fällt jedes Jahr im westlichen Kalenderauf einen anderen Zeitpunkt. In der Zeitrechnung des Islam zählt man die Zeit nach den Monden. Der Ramadan im Jahr 2021 ist vom 12. April bis bis 12. Mai 2021. Einige Fragen an den Fastenmonat werden hier beantwortet.

Fasten wird als heilige Pflicht von Muslimen verstanden. In der Zeit des Fastens wollen viele Muslime einmal besonders über ihren Glauben nachdenken und Allah näher kommen. Alle Muslime denken über ihr Leben und ihr Verhalten nach und die Fastenvorschrift gilt für jeden geistig zurechnungsfähigen Muslim. Kranke, ältere Menschen, schwangere Frauen, stillende Mütter, Frauen in der Menstruation und Kinder, die die Pubertät nicht erreicht haben, sind von dieser Pflicht ausgenommen. Menschen in besonderern Lebenslagen – wie der einer Inhaftierung – werden ermutigt, so viele Tage zu fasten, wie sie können. Ramadan ist der arabische Name des 9. Monats im islamischen Mondkalender. Er besteht aus 29 oder 30 Tagen und ist für die meisten Muslime ein besonderer (gesegneter) Monat des Jahres. Nach islamischer Überlieferung ist es der Monat, in dem die Offenbarung Gottes an den Propheten Muhammad begann.

Wie fasten Muslime im Ramadan?

In diesem Monat fasten die Muslime von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Tagsüber wird auf Essen, Trinken und auf Vergnügungen wie Rauchen oder Geschlechtsverkehr verzichtet.

Warum findet der Ramadan nicht immer zur selben Jahreszeit statt?

Weil das traditionelle islamische Mondjahr etwa 11 Tage kürzer ist als das heute in Deutschland verwendete Sonnenjahr. Daher schiebt sich der Ramadan von Jahr zu Jahr in Richtung Jahresbeginn. Der Ramadan 2017 begann am 27. Mai und im Jahr 2021 gebinnt er am 12. April (astronomische Berechnung). Die Gebetszeiten (inkl. Sonnenaufgang u. Sonnenuntergang) für den jeweiligen Aufenthaltsort können hier eingesehen und ausgedruckt werden.

Warum ist es oft bis zum Ende unklar, wann der Ramadan beginnt oder endet?

Im Mondkalender beginnt der neue Monat immer bei Neumond. Jene Muslime, die den Ramadan-Neumond im Voraus astronomisch berechnen, haben früh Klarheit über den ersten Fastentag. Da aber einige (traditionelle) Muslime die Sichtung des Neumonds mit bloßem Auge bevorzugen, kann sich der Beginn für sie verzögern. Dasselbe gilt für das Ramadan-Ende: am Abend des 29. Ramadan-Tages wird die Sichtung des Neumonds abgewartet.

Medikamenteneinnahme während des Ramadan

Grundsätzlich gilt: Wer ärztlich verordnete Medikamente einnehmen muss, ist vom Fasten befreit. Gleiches gilt, wenn eine medizinisch notwendige Behandlung (z.B. eine Zahnbehandlung mit Betäubung) durchgeführt werden muss. Die Gläubigen sollen jedoch die Tage, an denen sie versäumt haben zu fasten, nachholen oder eine Ersatzleistung (z.B. Spende) erbringen. Die eigene Gesundheit darf unter keinen Umständen gefährdet werden; im Zweifelsfall sollte ein ärztlicher Rat eingeholt werden. Bei Fragen seitens der (uneinsichtigen) Inhaftierten empfiehlt es sich, den Anstalts-Imam hinzuzuziehen.

Warum fasten Muslime im Ramadan?

Das Fasten gehört zu den sogenannten „5 Säulen“ des Islams. Damit zählt es zu den Grundpflichten im Islam und stellt eine Form des Gottesdienstes dar. Es ist eine religiös-spirituelle Handlung; im Gegensatz zu einer Diät oder Heilfasten steht hier nicht das Körperliche, sondern das Seelische im Vordergrund. Außer dem Hauptziel, Gottesnähe zu erlangen, lassen sich noch weitere wichtige Ziele ergänzen: Mitgefühl mit Bedürftigen bekommen, Selbstdisziplin üben, genügsamer werden und sich über den Sinn des Lebens Gedanken machen .

Wer muss fasten und wer nicht?

Jeder mündige Muslim ist zum Fasten verpflichtet. Es gibt jedoch Ausnahmen: neben Kranken und Reisenden sind auch Schwangere, kleine Kinder und altersschwache Menschen von der Fastenpflicht ausgenommen. Wer kann, sollte die verpassten Ramadan-Fastentage nachholen. Wer längerfristig aus gesundheitlichen Gründen nicht fasten kann, soll Bedürftigen etwas spenden. Ein Gefängnisaufenthalt befreit den Inhaftierten nicht von der Fastenpflicht.

Warum rufen einige Inhaftierte bei Sonnenuntergang laut zum Gebet?

Traditionell wird der Sonnenuntergang mit Hilfe eines Gebetsrufes bekanntgegeben. Jenen Gefangenen, die (zu) laut zum Gebet rufen, sollte erklärt werden, dass sie dies in der Justizvollzugsanstalt wegen Ruhestörung unterlassen sollten. In der Regel sollte den muslimischen Gefangenen eine Gebetszeitenliste zur Verfügung gestellt werden, auf der sie sehen können, wann die Sonne am jeweiligen Ramadan-Tag an ihrem Aufenthaltsort untergeht.

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Ist man von der Arbeit befreit, wenn man fastet?

Eine generelle Befreiung vom Fasten wegen der Arbeit existiert im Islam nicht. So gibt es auch keine Befreiung von der Arbeit in der Fastenzeit. Da Fasten ein fester Lebensbestandteil vieler Muslime ist, versuchen sie das Fasten mit der Berufstätigkeit zu vereinbaren, etwa durch Reduzierung oder Änderung der Arbeitszeiten durch Urlaub oder weniger belastende Arbeit etc. In den Fällen, wo die Tätigkeit ein hohes Maß an körperlicher oder geistiger Konzentration erfordert und nicht mehr durchgeführt werden kann, kann das Fasten ausgesetzt werden. Dies gilt ebenso , wenn dadurch die eigene Gesundheit in Gefahr gerät,. Eine Art Ausgleichsleistung sollte in diesem Fall geleistet oder das Fasten zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

Warum fasten manche Muslime nicht an allen Ramadan-Tagen?

Die Enthaltung von Essen und Trinken stellt viele Muslime (insbesondere an langen Sommertagen) vor eine große Herausforderung. So liegt es in der Natur der Sache, dass es Personen gibt, die es mental oder körperlich nicht schaffen, jeden Tag zu fasten. Für einige Inhaftierte kann die Haftsituation das Fasten zusätzlich erschweren. Im Haftkontext wird häufig berichtet, dass viele Inhaftierte zur Beginn der Fastenzeit mitmachen, jedoch wenige bis zum Ende durchhalten. Dieses Verhalten ist jedoch nicht verwerflich und nicht als Täuschungsversuch zu bewerten. Aus religiöser Sicht wird zwar das unentschuldigte Nichtfasten als “Sünde” gewertet, jedoch ist es jeder Person selbst überlassen, ob und wie oft sie dieser Verpflichtung nachkommt. Eine repräsentative Studie des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat ergeben, dass sich etwas mehr als die Hälfte aller Muslime in Deutschland an die Fasten-Regeln halten.

Was passiert am Ende des Ramadans?

Am Ende des Fastenmonats wird das dreitägige „Zuckerfest“ gefeiert. Für Muslime hat dies eine ähnlich hohe Bedeutung wie Weihnachten für Christen. Im diesem Fest kommt die Freude der Gläubigen darüber zum Aus-druck, diesen Monat der Geduld, des Gebets und der Vergebung mit Andacht begangen zu haben und nun auf die Gnade Gottes hoffen zu dürfen.

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