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“No hay Covid19” steht in spanischer Sprache im Grafitti geschreiben: “Es gibt kein Covid19.”

Die Corona-Pandemie bezeichnet eine Krise globalen Ausmaßes, die für alle neu, unkalkulierbar und beängstigend ist. Die Welt scheint aus den Fugen geraten zu sein, und niemand kann vorhersehen, wann und wie wir aus dieser Umbruchsituation als Weltgesellschaft hervorgehen werden. Da wir es mit so vielen neuen Problemen zu tun haben, lassen eindeutige, haltgebende Antworten auf sich warten. Gerade in solchen Phasen haben Verschwörungserzählungen Hochkonjunktur. Die  Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung klärt darüber auf, wie Verschwörungsideologien funktionieren, warum Menschen an sie glauben und was man dagegen tun kann.

Diejenigen, die ohnehin schon an andere Theorien geglaubt haben, fühlen sich in Krisen in ihrer Weltsicht bestätigt und nutzen den gesellschaftlichen Raum, der sich ihnen öffnet. Andere suchen eine schnelle Entlastung von der starken Verunsicherung, die mit der Angst vor Virus, Isolation und wirtschaftlichen Folgen einhergeht, und begeben sich deswegen in die scheinbar tröstenden Arme der Verschwörungsideologien. Viele Verschwörungserzählungen, die uns im Alltag, beim Weihnachtsessen mit der Familie oder im Internet, begegnen, scheinen zunächst harmlos. Diejenigen, die sie verbreiten, werden häufig als „verrückt“ oder „eigen“ wahrgenommen.

Verschwörungserzählungen oft harmlos

Seit Beginn der Corona-Krise sehen sich immer mehr Menschen mit Verschwörungserzählungen bis hinein in ihr privates Umfeld konfrontiert. Diese Konflikte sind in der Regel überfordernd und belastend, je nachdem, in welchem Kontext sie stattfinden. Insbesondere dann, wenn die Verschwörungserzählung harmlos klingt, neigen wir dazu, den Konflikt zu vermeiden. Dies ist zwar nachvollziehbar, aber nicht empfehlenswert. Verschwörungserzählungen haben immer das Potential, gefährlich zu werden. Das liegt teilweise an ihrem konkreten Inhalt – wenn es beispielsweise um das Impfen geht –, hauptsächlich jedoch an dem antidemokratischen und menschenfeindlichen Weltbild, das Verschwörungserzählungen innewohnt. Wenn aus einzelnen Erzählungen ein geschlossenes Weltbild geformt wird, wird einer Verschwörungsideologie gesprochen.

Autoren: Melanie Hermann + Jan Rathje

Isoliertes Weltbild

Vielfach wird darauf hingewiesen, dass Verschwörungsideologien falsch seien und dass aus diesem Grund über die inkorrekten Inhalte aufgeklärt werden müsse. Dies ist sicherlich ein wichtiger Aspekt, um der Problematik von Verschwörungsideologien zu begegnen. Vor allem, wenn es um tatsächliche Verunsicherungen geht, können Faktenchecks hilfreich sein. Eine größere Gefahr geht jedoch davon aus, dass ihre AnhängerInnen sich zunehmend in einem nach außen isolierten Weltbild einschließen. Ein zentraler Bestandteil dieses Weltbilds ist ein Identitätsangebot, das immer auf Abgrenzung basiert. „Die Guten“, die verstanden haben, „was wirklich gespielt wird“, erheben sich gegen „die Bösen“, die die Welt beherrschen und allen schaden wollen.

Werkzeug des Feindes?

Diese Ideologie verdichtet sich zu einer Notwehrsituation, in der die VerschwörungsideologInnen sich dazu verpflichtet sehen, mit allen nötigen Mitteln gegen ihren ausgedachten Feind zu kämpfen. Diese apokalyptische Weltsicht legitimiert als letzte Konsequenz Gewalt – bis hin zu Mord und Vernichtung. Die Attentate im australischen Christchurch bis zu der Attacke auf die Synagoge in Halle/Saale verdeutlichen dieses mörderische Potential allein im Jahr 2019. Die Attentäter in beiden Fällen waren Anhänger der Verschwörungsideologie des „Großen Austauschs“ und nahmen diese zum Anlass, unschuldige Menschen zu ermorden, die sie als Werkzeuge des Feindes oder als die FeindInnen selbst ausgemacht hatten.

Die Broschüre klärt auf, wie Verschwörungsideologien funktionieren, warum Menschen an sie glauben und was man dagegen tun kann. Sie soll der Verunsicherung, die Verschwörungsideologien hervorrufen, begegnen. Es ist nicht notwendig, über Fachwissen zu diversen Themen zu verfügen, um Verschwörungsideologen widersprechen zu können. Zentral ist es, menschenfeindliche Inhalte aufzudecken und zu erkennen, wenn Verschwörungsideologien diskriminierendes, gewalttätiges oder antidemokratisches Verhalten rechtfertigen.

Auszüge aus der Einleitung der Broschüre der Amadeu Antonio Stiftung

 

Kommentar

  1. Sachensucher sagt:

    Wo “Aufklärung” draufsteht, kann durchaus Diffamierung mit enthalten sein. Jedenfalls ist die Verteufelung sogenannter “linker Verschwörungserzählungen” pure Regierungspropaganda. Die “Nachdenkseiten” haben sich beispielsweise vor einigen Jahren dagegen verwahrt, an dieser Stelle gegen den gern verwendeten Antisemitismusvorwurf.

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