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Diversität: Trans – Drei Generationen, eine Reise

11. März 2024

Drei Transmenschen aus drei Generationen: Die 69-jährige Nora, die 32-jährige Sophie und den 16-jährigen Luca über zwei Jahre begleitet und erzählen ihre Geschichten. Was bewegt sie, was wollen sie, wie leben sie? Der Film “Trans – Drei Generationen, eine Reise” in der Reihe 37° des zdf ist ein Dokumentation aus dem Leben von Menschen, die anders sind. Sie wollen integriert und nicht im Fokus sein.

Nora

Nora hat Anfang der 70er-Jahre ihre eigene Transidentität entdeckt. Ihr Weg führte sie aus der süddeutschen Heimat nach Westberlin. Hier konnte sie sein, wie sie sich fühlte. Und dennoch hat sie auch in Berlin gesellschaftliche Stigmatisierung erlebt: Ihre Tätigkeit in einem Buchladen musste sie aufgeben. “Früher habe ich einige Jahre nachts als Frau gearbeitet und mich tagsüber in ein immer weniger männlich aussehendes Wesen zurück verwandelt. Dann kam endlich der Punkt, auch tagsüber als Frau unterwegs zu sein.” Seitdem lebt Nora als Frau Eckert und war 36 Jahre lang in einer Firma tätig, ohne sich im Kollegium als Transmensch zu erkennen zu geben. “Ich wollte keine tolerierte Ausnahme sein, kein Paradiesvogel. Ich wollte einfach nur Frau Eckert sein.” Eine Geschlechtsangleichung kam für sie nie in Frage: “Ich habe verstanden, dass man eine weibliche Identität in einem männlichen Körper besitzen und leben kann.” Sie engagiert sich für die Rechte von Transmenschen. Sorgen macht ihr die zunehmende Hetze gegen Transmenschen im Internet. “Was dort verbal passiert, das setzt sich am Ende auf der Straße fort. Dort wird es dann zu tätlicher Gewalt. Und Transmenschen sind davon ganz besonders betroffen.”


Sophie

Sophie ist geboren im Körper eines Jungen. Schon von klein auf merkt sie, dass mit ihr etwas nicht stimmt. In der Pubertät nehmen ihre Probleme mit der eigenen Identität noch einmal zu. Doch erst nach dem Auszug von zu Hause entscheidet sie sich, zukünftig als Sophie leben zu wollen.  Mit Mitte 20 beginnt die junge Transfrau, die als Kassiererin bei einem Discounter arbeitet, mit einer Hormontherapie. Von nun an ändert sich auch ihr Äußeres stetig: Gesichtszüge und Körperbau werden zunehmend weiblicher. Trotzdem ist Sophie unglücklich. Denn zum Frau sein gehört für sie eine medizinische Geschlechtsangleichung. Im Alter von 30 Jahren ist es so weit, und sie kann sich am Universitätsklinikum in Essen der langersehnten Operation unterziehen.  Geschlechtsangleichende Operationen nehmen seit Jahren kontinuierlich zu. 2021 unterzogen sich 2598 Menschen in Deutschland einem solchen medizinischen Eingriff. Sophie hofft darauf, dass sie ihre eigene Transidentität nach der OP hinter sich lassen kann. “Für mich gibt es dann das Wort ‘Transgender’ oder ‘Transe’ nicht mehr.”


Luca

Luca wusste schon in der Grundschule, dass er ein Junge ist – der im Körper eines Mädchens geboren wurde. Seine Familie hat ihn, auf dem Weg zu seiner neuen Identität, von Anfang an unterstützt. Gemeinsam haben sie viele Gespräche mit Psychologen geführt. Luca bekommt Hormonblocker, die verhindern, dass die weibliche Pubertät einsetzt. Damit seine Stimme tiefer und sein Körper männlicher wird, muss er ein Leben lang täglich ein Testosteron-Gel auftragen. Immer wenn Luca sich als Trans outet, merkt er: “Das trans sein ist nicht wirklich akzeptiert in der Gesellschaft. Man wird noch ziemlich oft heruntergemacht dafür.” Luca kennt seinen Weg. Auch er beschäftigt sich mit dem Gedanken an eine Geschlechtsangleichung und spricht mit seinem Arzt darüber. 2023 ist Luca wieder auf dem Weg zu dem Endokrinologen Dr. Wüsthof in Hamburg, der sich auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen spezialisiert hat. Luca möchte sich bei dem Hormonspezialisten über die geschlechtsangleichenden Operationen informieren. Wie wird er sich entscheiden?


Trans-Menschen in Haft

Der deutsche Strafvollzug basiert auf dem sogenannten Trennungsprinzip und dabei auf einer binär-biologischen Aufteilung von Männern und Frauen, die in getrennten Abteilungen oder Anstalten untergebracht werden. Eine der Geschlechtsidentität entsprechende Unterbringungsform wird bisher – soweit ersichtlich – nur in Ausnahmefällen praktiziert. Entsprechend bewegt sich die Unterbringung von trans Personen im Strafvollzug in einem Spannungsfeld zwischen dem aus dem Allgemeinen Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) abgeleiteten Recht auf geschlechtliche Identität einerseits und den nicht bewiesenen, aber teils vermuteten Gefahren für Mitgefangene andererseits.

Zur Menschenwürde und zum Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit gehört das Recht auf geschlechtliche Selbstbestimmung. Das Bundeskabinett hat im August 2023 ein Selbstbestimmungsgesetz beschlossen. Es soll das nicht mehr zeitgemäße Transsexuellengesetz ablösen. „Mit dem Selbstbestimmungsgesetz verwirklichen wir das Recht jedes Menschen, in seiner Geschlechtsidentität geachtet und respektvoll behandelt zu werden”, sagt Bundesfamilienministerin Lisa Paus anlässlich des Kabinettbeschlusses. Bundesjustizminister Marco Buschmann erklärt dazu: „Das Selbstbestimmungsgesetz ist Ausdruck einer Politik, für die die Grundrechte an erster Stelle stehen. Alle Menschen haben ein Recht darauf, dass der Staat ihre geschlechtliche Identität achtet.“

Mit dem Gesetz über die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag soll es insbesondere trans- und intergeschlechtlichen und nichtbinären Personen erleichtert werden, ihren Geschlechtseintrag und ihren Vornamen beim Standesamt ändern zu lassen. Die Änderung soll in Zukunft durch eine Erklärung gegenüber dem Standesamt vorgenommen werden können. Eine gerichtliche Entscheidung über die Antragstellung – wie nach dem bisher geltenden Transsexuellengesetz – soll nicht mehr erforderlich sein. Das hat Auswirkungen auf den Justizvollzug.

 

1 Rückmeldung

  1. Christoph Kunz sagt:

    Trans-
    das bedeutet nach altem römischen Sprachgebrauch schlicht jenseits der Alpen, während Cis diesseits meint. Und nein, es sind keine Kampfbegriffe, auch wenn manche sie so nutzen… Eine Dokumentation aus der Reihe 37°, die gerade gut tut mit einer unaufgeregten und wertschätzenden Begleitung dreier Trans-Personen verschiedenen Alters. Christliche Kirchenführer aller Konfessionen missbrauchen die christliche Botschaft für ihre ideologisch aufgeheizte queerfeindliche Hetze besonders in Amerika, Osteuropa und Afrika. Bei uns geschieht dies durch linke und rechte extreme politische Parteien.

    Dabei ist gar nichts Neues geschehen: die geschlechtliche Vielfalt ist von Anfang an Wirklichkeit aller Lebewesen (und so ist es auch im biblischen Schöpfungsbericht für den Menschen grundgelegt). Vielleicht kommt mir in der Wahrnehmung anderer geschlechtlicher Identitäten einiges seltsam vor, weil es meinen gewohnten Denkmustern (noch) fremd ist, sobald ich mich aber aufmache in eine wertschätzende Begegnung erkenne ich: dieser Mensch ist ein Mensch wie du und ich, nur etwas anders. Und womöglich, wenn ich diese Erkenntnis dann in mir wirken lasse, entdecke ich sogar in mir selbst noch ganz andere Seiten. Um Gottes Willen – Leben ist wirklich ziemlich bunt!

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