Masterarbeit: Wie arbeitet Gefängnisseelsorge heute?

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Die Masterarbeit von Mirijam Oettel von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg im Fach „Katholische Theologie“ betrachtet das Thema Helfen im Hinblick auf Hilfe, die ihr Ziel erreichen kann. Das Phänomen „Hilfe“, die Motivation zum Helfen und bisherige Forschungsansätze zum Thema „Helfen“ werden erläutert. Zudem wird das Thema Helfen zum einen im Bezug zur Kirche, zum anderen im Bezug zu professionellen Berufen betrachtet. Schwerpunkt ist dabei die Gefängnisseelsorge mit der Frage, wovon der Erfolg der Hilfsangebote abhängt.

Es gibt verschiedene Forschungsansätze, die versuchen das Thema Helfen zu untersuchen. Mit Hilfe von verschiedenen Theorien werden unterschiedliche Facetten der Hilfe genauer betrachtet. Durch die Individualität jeder Hilfssituation wird die Forschung allerdings oftmals erschwert. Nicht nur in der Forschung auch in der Kirche ist das Thema Helfen ein wichtiger Aspekt. Die Institution Kirche und der Begriff Hilfe werden oft in einen gemeinsamen Zusammenhang gebracht. Vor allem in ehrenamtlichen Bereichen sind häufig Menschen in einer Kirche oder Religionsgemeinschaft aktiv. Im christlichen Sinn kann auch eine Verbindung zu biblischen Vorbildern und Traditionen gezogen werden. Durch die Hilfe kann die eigene Glaubensüberzeugung und die christliche Wertevorstellung zum Ausdruck gebracht werden.

Helfen im Gefängnis?

Sowohl in der Kirche als auch insgesamt finden sich einige Berufe, die direkt mit der Hilfe an anderen Menschen zu tun haben. Dabei ist das spontane Helfen vom professionellen Helfen abzugrenzen. Des Öfteren kommen diese Berufe in sozialen Bereichen vor. Das professionelle Helfen muss unbedingt erlernt werden, um im Berufsalltag und besonders bei Notfällen richtig handeln zu können. Dabei kommt es auch auf eine effektive Hilfe an, welche aber wieder zu der Debatte führen kann, was überhaupt richtige oder falsche Hilfe ist und ob pauschal aussagbar ist, wie man sich in einer Situation zu verhalten hat. In Deutschland gibt es 179 Gefängnisse, in denen insgesamt rund 46.000 Menschen inhaftiert sind. Die deutliche Minderheit der Menschen im Gefängnis sind Frauen mit knapp 5%. Die Strafvollzüge werden in Deutschland in verschiedene Bereiche aufgeteilt. Es gibt den Jugendstrafvollzug, den Frauenvollzug, die Untersuchungshaft, den Maßregelvollzug, die Abschiebehaft und die Sicherheitsverwahrung. Die Gefangenen machen rund 0,055% der Bevölkerung aus. Um einen kurzen Überblick zu schaffen und einen Einblick in das Leben in Gefangenschaft in Deutschland zu vermitteln wurde ein exemplarischer Tagesablauf im Gefängnis beschrieben. Im Gegensatz zu dem teilweise oft falschen öffentlichen Bild vom Tagesablauf im Gefängnis, ist dieser sehr streng und genau vorgegeben. Die Justizvollzugsbeamten achten darauf, dass sich an die Abläufe und Regeln gehalten wird. Zeit für Gespräche innerhalb der Gefängnisseelsorge können, je nach Angebot, in der Freizeit unter der Woche oder am Wochenende angenommen werden. Sonntags gibt es einen Gottesdienst, an dem die Gefangenen teilnehmen können.

Wertschätzung des Menschen

Innerhalb der Seelsorge im Gefängnis soll der Alltag der Gefangenen einbezogen werden, um sowohl gute als auch schwierige Momente aufzuarbeiten. Die Seelsorge wird innerhalb des Gefängnisses als Dienst am Menschen gesehen. Besonders die menschliche Würde ist wichtig und steht immer über dem Strafvollzug. Bei allen Einschränkungen dürfen Gefangene daran denken, dass vor Gott oftmals andere Maßstäbe gelten. Jede*r Gläubige ist dazu aufgerufen ist, seine Zeit nicht als verlorene Zeit zu erleben. Innerhalb der Gefängnisseelsorge geht es nicht primär um die Bestrafung. Es geht darum, einen Ausgleich zu ermöglichen. Das Wohlergehen der Menschen soll gefördert werden. Zudem soll darauf geschaut werden, was geschieht, wenn dieses gefährdet oder gar beschädigt wird. Gefängnisseelsorge sieht als Aufgabe den Gefangenen zu vermitteln, dass das menschliche Leben ein Geschenk ist, welches sich entfalten möchte. Sie hilft Menschen zu vermitteln, dass menschliches Leben gewissen Normen und Strukturen folgen. Die Gefängnisseelsorge begegnet vielen Prägungen und schädlichen Einflüssen und begleiten die Menschen in dieser Zeit, um sie zu unterstützen und selbstverantwortendes Leben führen zu können. Dabei wird an individuelle konstruktive Fähigkeiten und Ressourcen der Gefangenen angeknüpft.

MA-Gefaengnisseelsorge
Gesamte Masterarbeit von Mirjam Oettel, Pädagogische Hochschule Heidelberg 2021

Das Gelingen der Gefängnisseelsorge hängt von der grundlegenden Ein- und Wertschätzung des Menschen der SeelsorgerInnen hab, aber auch mit der Klärung, Erweiterung und Vertiefung der Identität und den Kompetenzen des Seelsorgers und der Seelsorgerin. Doch auch der Wille und die Mitarbeit der Gefangenen hat große Bedeutung für eine gelingende Seelsorge. Einige Justizvollzugsanstalten haben eigene Kirchengebäude oder Räume. Andere teilen sich die Räume mit anderen Freizeitangeboten. Die Seelsorgeräume innerhalb eines Gefängnisses können als Räume der Befreiung dienen.

Ergebnisse der Befragung interpretiert

Im weiteren Verlauf der Masterarbeit wird ein weiterer großer Teil, die Befragung, behandelt. Zunächst einmal wurden die Methodik und die Durchführung der Erhebung zu den Themen „Helfen“ und „Beichte und Geständnis“ vorgestellt. Die Erhebung ist in Form eines Leitfadeninterviews durchgeführt worden. Mit Hilfe der Befragung sollte zunächst die Frage zur Hilfsbereitschaft und der Erfolg von Hilfsmaßnahmen genauer untersucht werden. Ziel der Befragung war, einen Einblick in die Gefängnisseelsorge zu bekommen und die Motivationen der Befragten zum Thema Hilfe und Gefängnisseelsorge zu erhalten. Die Ergebnisse sollen einen Eindruck und groben Überblick über die befragten Themen darstellen. Zielgruppe der Befragung waren Menschen, die in der Gefängnisseesorge arbeiten, egal welcher Kirche, Konfession oder Religion angehörig.

Miriam Oettel | Zusammenfassung S. 80-84

 

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