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Karfreitag: Leid und Hoffnung in Corona-Zeit

Es ist ähnlich wie damals nach dem Krieg
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Kann man in der Krise dem Leben trauen?
14. April 2020

Macht die Corona-Pandemie das Osterfest weltweit zum Karfreitag? Leid, Not und Tod hat es immer schon gegeben. Im bisherigen Fokus sind Menschen auf der Flucht, Erdbeben und Kriegen. Ganz abgesehen von den zig Unfalltoten jährlich auf unseren Straßen. Was ist anders bei der Corona-Pandemie? Ist es, dass sich die Bilder des Abtransportes der Särge mit Toten von Bergamo einprägen? Ist es, dass die Zahl der Toten in den Nachrichten ständig ansteigt? Jede und jeden kann das Virus bekommen. Es ist eine unmittelbare und unsichtbare Gefahr – überall.

Auch wer sich nicht als religiös bezeichnet, kann in diesen Tagen dem Tod nicht aus dem Weg gehen. Der Shutdown ist der Versuch, Menschenleben zur retten, die Gesundheit zu erhalten. Der Tod ist gefühlt näher gerückt. Wen wird es treffen, wer bleibt gesund? Bei allen anderen Katastrophen kann ich sagen, es ist weit weg, mir geht es hier gut. Jetzt sieht die Welt mit einem Schlag anders aus. Es gibt weiterhin Menschen, die sagen, das betrifft mich nicht, ich gehöre keiner Risikogruppe an. Sind wir denn nicht immer dem Risiko des Todes ausgesetzt? Bereits wenn ich in das Auto steige, kann der Tod mich begleiten.

Die Wahrscheinlichkeit, an den Folgen einer Sars-CoV-2 Infizierung zu sterben liege, bezogen auf die Gesamtzahl der Infizierten nach der Heinsberger Studie, bei 0,37 Prozent. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung würden 0,06 Prozent der Menschen an Covid-19 sterben. Die in Deutschland derzeit von der amerikanischen Johns Hopkins University berechnete entsprechende Rate verstorbener Infizierter betrage 1,98 Prozent und liege damit um das Fünffache höher. Statistik hilft mir aber auch nicht immer.

Zeichnungen: Anne Stickel, Kolumbien

Über den Tod reden Menschen nicht gerne. Wenn er dann eintritt, ist es schmerzhaft für diejenigen, die einen geliebten Menschen betrauern. Oder auch nicht… Jeden Tag sterben wir tausend Tode. Tode des Abschieds, des Alleinseins oder der Trennung. Der Tod wird durch die Corona-Pandemie öffentlicher. Eine Krankheit, die unverschuldet über mich kommen kann. Der Tod ist ein Tabuthema. Manche der Leichenwagen werden unsichtbar gemacht. Das geht in Corona-Zeiten nicht mehr. Die Bilder der schwerkranken Menschen in Krankenhäusern, der Tod vieler alter Menschen in Seniorenwohnanlagen, können nicht mehr diskret abgehandelt werden.

Karfreitag ist ein Trauer und Gedenktag. Dieser Tag zieht sich in dieser Corona-Krise seit Wochen hin und wird noch weitergehen. Ist die Frage, ob durch die Zeit hindurch ein anderer Blickwinkel frei werden kann. Krise heißt Chance. Angst ist ein schlechter Berater. Wenn ich mit dem Tod lebe, lebe ich vielleicht anders: Intensiver, gehe gelassener mit mir und anderen um. Muss ich daher vieles nicht mehr so eng sehen? Welche Ressourcen habe ich und was trägt mich? Ostern kann nur gefeiert werden, wenn man den Karfreitag kennt. Es soll nicht Voraussetzung sein, aber Ansporn, den Blick zu weiten und die Hoffnung trotz aller Krise(n) nicht zu verlieren.

Michael King | JVA Herford

Hoffnungsvolle Ideen zum Mut machen

Die Corona-Pandemie fordert uns alle heraus. Ein paar Ideen zum praktischen Tun, zur Hilfe, Entspannung und seelischen Stärkung. Vielleicht lässt sich davon etwas für die Gefängnisseelsorge in der Art oder abgeändert umsetzen.

Der traditionelle Kreuzweg im Vatikan am Karfreitag wird mit Blick auf den Strafvollzug gebetet. Hier die Texte…
Ostergruß weitergeben: Das Catholic Womens Council ruft am Ostersonntag dazu auf, weiße Tücher oder Schals aus dem Fenster hängen, als Zeichen für die Auferstehung Jesu. Wer will, macht ein Foto davon und schickt es mit einem Ostergruß an . Nähere Informationen hier
Aufruf zu einer ökumenischen Schreibwerkstatt: Wahrnehmungen, Gedanken und Empfindungen während der aktuellen Corona-Herausforderungen ins Wort heben. Näheres zur Aktion hier
Die Post ist da: Menschen unterstützen, die zur Zeit keinen Besuch empfangen können! Kinder und Familien darum bitten, Briefe zu schreiben, Bilder zu malen oder kreative Grüße zu verschicken. Diese Kunstwerke sammeln verteilen. Näheres zu einem Beispiel aus Magdeburg hier
Lebenszeichen pflanzen: Eine PalmsonntagsPflanzAktion (Ablauf hier) Schon eingereichte Bilder und Videos finden Sie hier. Dazu noch eine Sprechmotette download
Lebensbotschaften: Abreißzettelchen mit biblischen Stärkungsworten (Beschreibung und Vorlagen)

Himmelsmusik: Orgelmusik bei weit geöffneten Kirchenfenstern (Beschreibung und Videolink)
Kirchenaufsteller: In Zeiten von „Corona“ und „social distancing“ können wir deutlich machen, dass wir eine Kirche für alle sein wollen. (Vorschlag eines Aufstellertextes hier)
Kirche to go: Jeden Samstag/Sonntag und an den österlichen Tagen werden kleine Papiertüten mit Texten, Gebeten und Anregungen für das persönliche Gebet am Sonntag/Feiertag weitergegeben.
Regenbogen im Fenster: Eine Idee von Kindern in Italien: Sie malen einen Regenbogen aus und hängen diesen ins Fenster, damit andere Kinder ihn sehen können. Die merken dann: „Hey, dem geht’s ja genau wie mir.“ Zu Hause angekommen, malen sie selbst einen Regenbogen und hängen diesen in ihr Fenster.
Mutbotschaften mit Straßenkreide: Vielleicht haben Sie irgendwo noch Straßenkreide?! Nutzen Sie sie, um Hoffnungsbotschaften zu schreiben. Vielleicht vor Ihrem Haus oder auf dem Fußgängerweg davor? Kurze Bibelverse, die aufmuntern und Zuspruch schenken sind bestimmt ein schönes Zeichen, oder auch einfach nur ein lächelndes Gesicht, eine Blume oder Sonne. Mehr Ideen und Anregungen

Quelle: Bistum Magdeburg

 

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