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Bei steigenden Inzidenzwerten die Türen abschließen?

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Nachdem definitiv einer Bediensteten eine Corona-Infektion in der Justizvollzugsanstalt Köln nachgewiesen werden konnte, wurden bei allen Kontaktpersonen Schnelltests durchgeführt, die sich ausnahmslos als positiv erwiesen. Nun die gute Nachricht. Die nachträgliche Überprüfung durch PCR-Tests fiel in allen Fällen negativ aus. Absehbare personelle Engpässe sind folglich nicht eingetreten. Ist dies nun der Beleg dafür, dass der Schnelltest ein unsicheres Präventionselement darstellt? Mitnichten, selbst wenn dies auf den ersten Blick so scheinen mag. Der Vorfall hat auf jeden Fall die Verletzlichkeit des Systems Strafvollzug nachgewiesen.

Gegenwärtig verfügt weder die Gesellschaft noch der Strafvollzug über ein überzeugendes Konzept, mit der Corona-Pandemie effektiv umzugehen. Steigen die Inzidenzzahlen, setzt der Vollzug auf reaktive Maßnahmen und zieht die Shutdown-Schrauben jeweils stärker an. Das kann auf Dauer aber nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Durch die Kontaktbeschränkungen sollen jene 1-2 Prozent der Bevölkerung, die vielfach ohne eigenes Wissen infektiös sind, selbst jedoch keine Krankheitssymptome aufweisen, davon abgehalten werden, weitere Menschen anzustecken. Diese von der Bundesregierung präferierte Strategie erweist sich als immer weniger wirksam, weil sie die Menschen immer weniger überzeugt.

Alternativlosigkeit der Maßnahmen?

Im Frühjahr 2020 wurden die Inzidenzwerte stark reduziert. Im November letzten Jahres funktionierte diese Strategie schon weniger gut. Jetzt wird erneut auf Kontaktverbote gesetzt. Das politische Gezerre bei der konkreten Festlegung der Einzelmaßnahmen mag dem einen als demokratischer Abwägungsprozess gelten, die meisten Menschen lässt es jedoch an der Alternativlosigkeit der gewählten Maßnahmen zweifeln. Solange wir auf die Pandemieentwicklung nur reagieren, solange wissen wir über das konkrete Infektionsgeschehen so gut wie nichts. Abhilfe kann hier nur flächendeckendes Testen bringen. Zwischenzeitlich gibt es geprüfte Schnelltests auf dem Markt, die eine 95 prozentige Genauigkeit aufweisen. Die Kosten hierfür belaufen sich auf ca. 30 Euro pro Person und Monat. Positive Tests müssten durch einen PCR-Test überprüft werden. Die Personen, die dann noch positiv sind, müssten in Quarantäne gehen.

Innovativ technische Lösungen suchen

Das wiederholte flächendeckende Testen würde geringere Kosten verursachen, weil das öffentliche Leben weitgehend aufrechterhalten bleiben könnte. Unternehmen, die viel in ihr jeweiliges Hygienekonzept investiert haben, würden nicht fortlaufend frustriert. Die depressionsanfällige Vereinzelung der Menschen könnte weitgehend unterbleiben. Außerdem gibt es neben der WarnApp noch weitere technische Möglichkeiten, um mögliche Infektionen aufzuspüren und zu unterbinden. So könnten Armbänder ausgegeben werden, die Lichtsignale abgeben, wenn man einer Person zu lange zu nahekommt. Diese in Deutschland entwickelten Armbänder lassen sich zudem an das individuelle Risiko des Trägers anpassen. Und auch eine Nachverfolgung von Kontakten wäre möglich, weil diese automatisiert ermittelt werden können.

Wenn uns das Virus noch längere Zeit beschäftigen wird, dann können wir uns nicht einfach von Shutdown zu Shutdown hangeln, dann ist vielmehr eine Strategie erforderlich, mit dem Virus zu leben, ohne die Freiheitsrechte der Mehrheit zu sehr einzuschränken. Folglich kommen wir über kurz oder lang nicht umhin, auf Innovationen und technische Lösungen zu setzen. Bei steigenden Inzidenzwerten immer nur die Türen abzuschließen, wird sich nicht lange durchhalten lassen, zumal die Menschen sich immer weniger an diese Maßnahmen halten werden. Solange wir nicht wissen, ob geimpfte Menschen nicht doch infektiös sind, so lange geht an technischen Lösungen kein Weg vorbei. Das Tragen von FFP2-Masken, das flächendeckende Testen, die technische Sichtbarmachung individueller Risiken und natürlich das Impfen sollten die Grundlage dafür sein, damit wir in unser normales Leben zurückkehren können. Je eher wir einen solchen Weg beschreiten, desto früher können wir uns von den regelmäßigen und immer wieder verlängerten Shutdowns verabschieden.

Friedhelm Sanker | BSBD nrw

 

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