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Im Gegensatz zu der Ausbeutungsmentalität

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Zu Recht wurde das nachsynodale Dokument hierzulande vor allem für seine Aussagen über die Frauen scharf kritisiert. In Lateinamerika überwiegt eine positive Rezeption, besonders hinsichtlich seiner Aussagen in Richtung sozialer, interkultureller und ökologischer Themen. Die politisch-sozialethische Ausrichtung des Dokuments stärkt und würdigt das Engagement vieler.

Außerdem wird erfreut festgestellt, dass Franziskus an den gesamten synodalen Prozess anknüpft, von seiner Vorbereitung in den Diözesen, Gemeinden und indigenen Völkern Amazoniens angefangen, und ihn auch nicht für beendet erklärt. Die beratende Arbeit der vielen tausend Menschen in der Vorbereitungsphase und die Diskussion auf der Synode selbst werden – so freuen sich TeilnehmerInnen der Synode in Lateinamerika – nicht nur an Amazonien zurückgegeben, sondern der gesamten Weltkirche zur weiteren Beratung mitgeteilt und vorgestellt.

Die globalen Zusammenhänge der sozialen und ökologischen Notlagen in Amazonien können auf diese Weise auch dort diskutiert und bearbeitet werden, wo sie entstehen: Nämlich unter anderem in Europa. Deswegen äußert sich auch schon in Lateinamerika eine gewisse Verärgerung darüber, dass in Europa viele nur das Fehlen einer Äußerung des Papstes zur Zölibatsfrage im Blick haben. Gleichzeitig fühlen sich die Menschen in Amazonien ermutigt, mit der Rezeption der Synodenergebnisse in der Region fortzufahren – auch der Ergebnisse, zu denen der Papst sich nicht geäußert hat.

40-Februar2020
Plattform Theologie der Befreiung

Positiv wird auch der liebevolle und poetische Blick des Papstes auf Amazonien und die Schöpfung insgesamt gewürdigt, weil er eben genau im Gegensatz zu der Ausbeutungsmentalität steht, die diese Lebenswelt bedroht. Daneben findet sich auch in Lateinamerika deutliche Kritik an der mangelnden Bereitschaft zu konkreten kirchlichen Reformen. Andere betrachten das Schreiben aber auch als Bestätigung des bisher schon eingeschlagenen Wegs, bei dem Rom in der Regel weit weg war.

Der Direktor des katholischen Indigenen-Missionsrates Cimi, Antonio Eduardo Oliveira hat neue Pläne der brasilianischen Regierung scharf kritisiert und angekündigt, Widerstand zu leisten: Der rechtsextreme Präsident Bolsonaro hat eine Gesetzesinitiative zur wirtschaftlichen Ausbeutung indigener Gebiete eingebracht. Damit soll der Abbau von Rohstoffen sowie die Erzeugung von Energie in den Reservaten zugelassen werden. Auch eine Personalie in der staatlichen Indigenenbehörde FUNAI, wird heftig kritisiert: Ricardo Lopes Dias, ein ehemaliger ehemaliger Pastor und Missionar einer evangelikalen Kirche, die sich auf die Mission unter Völkern in freiwilliger Isolation spezialisiert hat, soll zum Leiter der Abteilung ernannt werden, die eben für unkontaktierte Völker zuständig ist. Zahreiche Kirchen in Brasilien haben dagegen bereits heftig protestiert.

Stefan Silber

 

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