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Gefangene der JVA Würzburg für den Frieden

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Gefangene der Justizvollzugsanstalt Würzburg formulieren aufgrund ihrer Lebenserfahrung einen Friedensappell. Der Ukrainekrieg beschäftigt die Gefangenen ganeuao wie „draußen“. Sie haben von der Gefängnisseelsorgerin Doris Schäfer, die Mitglied der Gemeinschaft Sant’Egidio ist, vom Einsatz der Gemeinschaft für die Ukraine gehört. Die Gefangenensprecher haben daraufhin einen Appell formuliert und Unterschriften gesammelt.

Mehrere der Gefangenen kommen aus Kriegsgebieten wie Syrien oder Somalia. Ab und zu ist auch ein ehemaliger Kindersoldat dabei. Ebenso fühlen sich Deutsche, die bei der Bundeswehr an einem Kriegseinsatz beteiligt waren, an schlimme Erlebnisse erinnert. Und dann gibt es noch die sowjetische Gefängniskultur, an die Russlanddeutsche und Gefangene aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion anknüpfen. Im Gefängnis sind sie normalerweise sehr geeint. Doch im Moment rüttelt Putin – absurderweise – an diesem Bündnis. Zusammen mit der Seelsorgerin haben die Gefangenensprecher einen Appell formuliert und Unterschriften gesammelt. Ihre eigenen Lebenserfahrungen lassen die Inhaftierten die Spirale der Gewalt und das Grauen des Krieges besser verstehen.

So heißt es im Appell der Gefangenen:

„Wir sind Gefangene. Aber auch hinter Gittern verfolgen wir mit großer Sorge die Vorgänge in der Ukraine. Wir ergreifen nicht Partei für die eine oder andere Seite, sondern wollen unseren Wunsch nach Frieden zum Ausdruck bringen. Denn ein Krieg in Europa betrifft uns alle. Wir haben gehört, dass Menschen auf die Straße gehen, um sich für den Frieden einzusetzen. Einige der jungen Menschen nennen sich „Jugend für den Frieden“. Das ist eine schöne Bezeichnung. Wir wollen Gefangene für den Frieden sein. Wir können uns ihnen nicht auf der Straße anschließen, aber wir können unsere Stimme erheben und deutlich machen, dass niemand zu unbedeutend oder zu schwach für den Frieden ist. Keinem sind die Hände so sehr gebunden, dass er sich nicht für den Frieden einsetzen kann!

Das Gefängnis ist oft eine Welt mit einer eigenen Logik. Trotzdem spiegelt sich drinnen auch die Welt außerhalb der Mauern wieder. Zur Zeit findet man hinter Gittern sowohl Ukrainer als auch Menschen mit Wurzeln in Russland. Viele von ihnen haben Verwandte und Freunde auf beiden Seiten der Kriegsparteien. Außerdem teilen wir unsere Zellen mit jungen Afrikanern, die Kindersoldaten waren und sich deswegen schwertun, Gefühle von Menschlichkeit oder Liebe zu empfinden; mit Syrern und Afghanen, die noch den Schrecken in den Augen haben, vor dem sie geflohen sind. Auch Deutsche sind von Kriegseinsätzen gezeichnet, sodass sie nachts nicht schlafen können. Viele von ihnen sind wahrscheinlich auch deswegen auf die falsche Bahn geraten, weil ihr Leben durch den Schrecken des Krieges aus dem Takt gekommen ist.“

Unsere Mitgefangenen, die Krieg erlebt haben, zeigen, dass man nicht als der Mensch zurückkehrt, der man vorher war. Unsere Großeltern, die nach dem 2. Weltkrieg in die Ruinen ihrer Städte zurückgingen, fühlten sich nicht mehr daheim. Manche Frauen taten sich schwer, in dem seelischen Wrack, das aus dem Krieg zurückgekehrt war, ihren Mann wieder zu erkennen.“

Während die Gefangenen sich in Haft um ihre eigene Besserung bemühen, wünschen sie sich eine ähnliche Anstrengung von allen, damit sie nach ihrer Entlassung eine Welt vorfinden können, „die sich zum Besseren wendet“. Ihr „Nein“ zum Krieg und ihr „Ja“ zum Frieden ist sehr bestimmt. Sie wissen aber auch, dass die Kraft der Menschen allein nicht reicht. In der Gefängniskirche hat sich eine Gebetswand schnell gefüllt, an der die Gefangenen in Gebeten, Gedichten und Zeichnungen ihren Wunsch nach Frieden zum Ausdruck bringen. Gefangene und Flüchtlinge haben etwas gemeinsam: Sie möchten schnell in ein friedliches Leben zurückkehren.

Doris Schäfer | JVA Würzburg

 

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