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Nicht weil sie fromm sind, sondern auf existenzieller Suche

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Gefängnisseelsorge sucht und rettet was verloren ist?
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Manches Mal werde ich mit staunendem Gesicht gefragt “Du bist Pfarrer im Knast? Warum gibt es denn da GefängnisseelsorgerInnen? Sind die etwa so gläubig?” In dieser Frage wird alles Unverständnis hineingelegt, als habe der oder die Fragende die Gewissheit auf den größten Widerspruch in der Geschichte der Menschheit gestoßen zu sein.

Meine Antwort ist dann meistens,  “nein, sie sind nicht gläubiger als der andere Teil der Menschheit,  aber sie haben mehr Sehnsucht nach Heilung” Und Tatsache ist, wir SeelsorgerInnen versuchen den Raum offen zu halten nach dem ganz Anderen. Dem, der noch neue Wege kennt, dem der in seiner Widersprüchlichkeit Ja sagt zu den Menschen,  die sonst nur Nein hören.  Der, dem unser Gut-sein oder oder unser Schlecht-sein kein Kriterium dafür ist uns zu lieben.

Krippenfigur im Hohen Dom von Paderborn. Im Hintergrund ein Baum mit Sternen-Wünschen von Gefangenen.

Wir versuchen erfahrbar zu machen,  dass wir Menschen etwas brauchen,  dass uns unverfügbar bleibt und uns doch in Fülle geschenkt wird. Leben, zum Beispiel. Wiir versuchen Horizonte aufzuzeigen, die von den Männern gefüllt werden dürfen. Darum gibt es Seelsorge im Gefängnis, nicht, weil die Männer so fromm sind, wohl aber, weil viele ihre Antennen im Gefängnis ganz weit ausgefahren haben auf der existentiellen Suche nach einem neuen Weg. Diese Suche habe ich in dieser Absolutheit in der Gemeinde nur sehr selten vorgefunden. Hier ist sie zum Greifen nahe.

Antrag schreiben

Wer mich im Gefängnis sprechen möchte, muss einen so genannten Antrag schreiben: „An den Fahrer, an den Vara, an den Pfarra, en Prista, an die Kirsche, an den Seelensorger, an den Pastor…“ All dieses bekomme ich immer wieder zu lesen. Im Smalltalk bin ich der Wolkenschieber, der Himmelskomiker, der Tabakkurier (dabei verteile ich keinen Tabak – wenngleich viele das gerne hätten).

Himmelskomiker* (frei nach Petrus Ceelen) passt, denn viele finden es komisch, dass ich vom Himmel rede in ihrer Hölle. Manche lachen, wenn ich von Vergebung spreche in einer Einrichtung für Vergeltung. Sie lächeln milde wenn ich predige, dass Jesus forderte in einer Schlägerei auch die andere Wange hinzuhalten. Die biblische Botschaft ist schwer ins Wort zu bringen bei all der Erfahrung,  die ihr entgegensteht. Und doch ist sie wahr!

Hans-Gerd Paus | JVA Geldern

 

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