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Ökumene: Das ist wie die unterschiedlichen Dialekte

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Vergangene Woche wurde in einem Gesprächskreise der rheinland-pfälzischen JVA Frankenthal die Frage gestellt, warum es „katholisch“ und „evangelisch“ gibt? In einigen Worten kann man erläutern, was die christlichen Konfessionen gemeinsam haben, worin Unterschiede liegen und warum verschiedene christliche Konfessionen bestehen. Im Mittelpunkt stehen die Gemeinsamkeiten. Einer der Inhaftierten fasste zusammen, was er verstanden hat: „Das ist also wie die unterschiedlichen Dialekte – pfälzisch, bayrisch oder norddeutsch.“

Ich bin von diesem Vergleich beeindruckt und begeistert. So schön hat mir noch niemand Ökumene erklärt. Ich finde dieses Bild sehr passend und tiefsinnig. Jeder Dialekt hat seine Besonderheiten und eigene Wörter, die sich nicht so einfach ins Hochdeutsche oder in einen anderen Dialekt übersetzen lassen. Beispielsweise kenne ich im Pfälzischen das Wort „schdrimbisch“ („strümpfig“ – steht nicht im Duden). Ich erinnere mich auch noch an manche irritierende Blicke, wenn ich während meines Studiums in Frankfurt am Main jemandem anbot, die Türe „aufzuheben“ statt „aufhalten“.

Manche Dialekte sind für mich ohne Übung nahezu unverständlich, andere liegen meiner eigenen Sprache sehr nahe. Kölsch verstehe ich nur, weil ich seit über 30 Jahren Fan der Kölner Rockband „BAP“ bin, sprechen kann ich es jedoch überhaupt nicht. In Bayern habe ich kaum Verständigungsprobleme, an der Nordsee unter Umständen schon.

Verständigung möglich

So geht es mir auch mit den verschiedenen Konfessionen. Manches bleibt mir fremd, sogar manches in meinem eigenen, katholischen „Dialekt“. Umgekehrt habe ich mich nach einem lutherischen Abendmahlgottesdienst im Magdeburger Dom gefragt, wo denn jetzt der Unterschied zur katolischen Messe ist. Wenn mir in anderen Konfessionen etwas komisch vorkommt, dann heißt das nicht, dass es falsch oder „unchristlich“ ist, sondern es liegt nur daran, dass ich mit diesem religiösen Sprachstil ungeübt bin. Glücklicherweise ist eine Verständigung möglich, weil alle ein mehr oder weniger gefärbtes „christliches hochdeutsch“ verstehen und sprechen.

Kein Identitätsverlust

Uns verbindet viel mehr als uns trennt: wir alle sind von Gott geschaffen und in seiner Hand geborgen; wir leben die Gemeinschaft mit Jesus Christus, der Mitte unseres Glaubens und unserer Kirche(n) ist; und wir spüren die Liebe Gottes zu uns Menschen, die uns in seinem Heiligen Geist geschenkt ist. Aus den deutschen Ländern wurde die Bundesrepublik Deutschland, in der die sprachlichen und kulturellen Eigenheiten weiter Bestand haben und bewahrt werden. Ich bin Pfälzer, Deutscher und Europäer. Das weckt Hoffnung auf eine christliche Gemeinschaft, in der niemand Angst vor Identitätsverlust haben muss. Und wie großartig ist es, dass mir all diese Gedanken geschenkt wurden von einem Inhaftierten, der selbst kaum die „christliche Sprache“ spricht.

Manfred Heitz | JVA Frankenthal

 

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