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Bildungsferne und benachteiligte Jugendliche integrieren

Gott hinter der Gefängnistür. Jail House College
18. Juli 2020

Fast ein Drittel aller Jugendlichen in Deutschland wächst in einer schwierigen sozialen Situation in “Risikolagen” auf. Geringe Bildung, niedriges Einkommen oder Erwerbslosigkeit der Eltern schränken ihre Chancen auf einen erfolgreichen Bildungsweg ein. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt seit 2013 lokale Bündnisse für Bildung bei der Umsetzung von außerschulischen Projekten der kulturellen Bildung. Darunter fällt auch das Projekt “Kreative Zelle – Musikband im Jugendvollzug” in der JVA Herford. Am 1. Oktober 2020 wurde das herausragende Projekt in Koblenz in der Kulturfabrik mit dem “Best Practice Award” ausgezeichnet.

Mit dabei und für das Projekt hinter den Mauern stehend waren Gefängnisseelsorger Michael King und der freiberufliche Musiklehrer, Roland Reuter, von der Musikschule Herford. Seit 2014 läuft das Projekt mit einem Kooperationsvertrag zwischen der Justizvollzugsanstalt Herford, der Musikschule Herford, der Gefängnisseelsorge und dem Bonifatiuswerk Paderborn. Ziel ist es, jugendliche Inhaftierte in Instrumenten und Gesang zu schulen und im Verbund der “Musikband” die verschiedenen Begabungen und Musikrichtungen zu verbinden. Die aktive Beschäftigung mit  wirkt sich positiv auf die Kreativität aus und unterstützt die persönliche Entwicklung.

In den Projekten von „Kultur macht stark“ erfahren bildungsbenachteiligte junge Menschen persönliche Wertschätzung, sie erleben das Gefühl von Selbstwirksamkeit und entdecken für sich neue Perspektiven. Dies wurde in der Podiumsdiskussion in der Kulturfabrik Koblenz kontrovers diskutiert. Sollen Jugendliche als “bildungsbenachteiligt” betitelt werden, nur weil sie eben in dieser oder jener familiärer Situation? Oder geht es eher um “Inklusion” von Menschen, die angeblich am “Rande der Gesellschaft sind? In keinem der geförderten Projekte bundesweit wird dieser Fokus betont. Schon gar nicht im Jugendvollzug. Hier geht es um den Zugang zu jungen Menschen mit Musik und nicht um die Messung von musikalischen Leistungen.


Bei der Überreichung der Urkunde sagt Gefängnisseelsorger Michel King, “dass die Jugendliche hinter Gittern ebenso im Blick sein müssen. Sie sind – aus welchem Grund auch immer – im Jugendvollzug gelandet. Sie haben haben aber ebenso Ressourcen und Fähigkeiten, die entfaltet werden wollen.” Die Ministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek (CDU) sprach online ein Grußwort für das Programm “Kultur macht stark”. Der Verband der Musikschulen (VdM) führt aus, welche Projekte mit “Musik Leben 2” gefördert wurden. Neben dem Knast-Musikprojekt wurden beispielsweise in Förderschulen Initiativen ausgezeichnet oder verschiedene Projekte mit Geflüchteten.

Wichtig ist es der Jury des Verbandes der Musikschulen, dass es Bündnispartner gibt. So ist beispielsweise eine Tafel, die neben Lebensmitteln den Zugang zu Musik ermöglicht oder eine Gruppe, die in der Geflüchtetenarbeit tätig ist, wichtige Kooperationspartner. Der Wunsch wurde geäußert, dass in Zukunft Aktionen nicht nur als Projekte gefördert werden, sondern es sollen Möglichkeiten gefunden werden, wie Menschen mit Musik nachhaltig und langfristig integriert werden können. Das Projekt im Jugendvollzug wird weitergehen und es wird mit der aktuellen Auszeichnung weiter gefördert. Der Musiklehrer Roland Reuter meint: “In der JVA sind die Jugendlichen motiviert und machen dies freiwillig. Es macht mir große Freude mit diesen Jugendlichen zu arbeiten.”

 

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert mit „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung (2018 – 2022)“ Bildungsmaßnahmen auf dem Gebiet der kulturellen Bildung. Das Programm unterstützt bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung. Neben dieser konkreten Unterstützung ist ein weiteres Förderziel die Entwicklung tragfähiger bürgerschaftlicher Netzwerke, in denen unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen ergänzend zur Arbeit der Schulen Verantwortung für die Bildung der jungen Generation übernehmen. Damit will das BMBF einen wirksamen Beitrag dazu leisten, dass der in Deutschland ausgeprägte Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildungserfolg abgeschwächt wird. Mit seinem Konzept MusikLeben 2 hat der Verband der Musikschulen (VdM) neben weiteren 29 bundesweit tätigen Förderern und Initiativen, Fördermittel zur Umsetzung von “Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung (2018 – 2022)” zugesprochen bekommen.

 

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