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Als Mann von Machtmissbrauch in der Kirche betroffen

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Grenzverletzung, Übergriffigkeit, spiritueller Missbrauch und sexualisierte Gewalt an erwachsenen Männern sichtbar zu machen ist ein Schritt aus der Geheimhaltung. Eine Tagung hat sich damit beschäftigt. Veranstalter waren die Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz, die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK) und die Kirchliche Arbeitsstelle für Männerseelsorge und Männerarbeit in den deutschen Diözesen. Ein Schritt, der längst überfällig ist.

Der Abt Hermann Josef Kugler OPraem betonte für die Ordensgemeinschaften: „Wir wollen in verschiedenen Impulsen das Feld von Grenzverletzungen, Übergriffigkeiten, spirituellem Missbrauch und sexualisierter Gewalt an erwachsenen Männern vertieft sichtbar machen und uns darüber austauschen.“ Dabei sei es wichtig zu beachten, wie groß das Dunkelfeld bei diesem sensiblen Thema ist. Besonders in den Ordensgemeinschaften sei es oft schwierig, das Thema „Machtmissbrauch“ ins Wort zu fassen. Als Vertreter der Ordensoberen wolle er „vor allem hören und zuhören und dann Wünsche, Gedanken und Anregungen mitnehmen, wie wir betroffenen Männern helfen und wie wir präventiv gegen Machtmissbrauch in den Orden wie in der Kirche vorgehen können“.

Machtmissbrauch freilegen

Weihbischof Ludger Schepers aus Essen, Mitglied der Pastoralkommission und bei der Auseinandersetzung mit dem Thema „Machtmissbrauch an Männern“ aktiv, sagte: „Endlich können wir dem lange verdrängten und beschwiegenen Thema eine Plattform bieten und es aus der Tabuzone herausholen.“ Er fügte hinzu: „Geistliche Manipulation steht meistens am Anfang des gewaltsamen Handelns bei Männern. Diesen Kern von Machtmissbrauch müssen wir freilegen, damit er nicht mehr so leicht anwendbar ist.“ Dies sei eine theologische Arbeit, die weitreichende Konsequenzen auch für die Verkündigung habe. Er sieht in der Pastoralkommission, wo er zusammen mit dem Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz für Männerarbeit, Erzbischof Dr. Ludwig Schick aus Bamberg, das Thema vertritt, große Einmütigkeit, das Schicksal Betroffener ernst zu nehmen und entsprechend Maßnahmen zu ergreifen.

Dr. Peter Hundertmark, Moderator der Tagung und im Bistum Speyer in der geistlichen Begleitung tätig, beklagte: „Die religiöse Verbrämung des Machtanspruchs über die Seelen der Menschen wirkt auf die Betreffenden toxisch.“ Besonders Menschen in fundamentalistisch ausgerichteten geistlichen Gemeinschaften, die oftmals dem Schwarz-Weiß-Denken verhaftet seien und ihre Mitglieder regelrecht von der in ihren Augen schlechten „Welt“ separieren wollen, könnten sich allein aus dem Teufelskreislauf oftmals nicht befreien. „Genau hinzusehen, wie Gemeinschaften mit den Mitgliedern umgehen, welche Strukturen von Privatraum es gibt und ob Leitung und geistliche Begleitung strikt getrennt werden, sind wichtige Kriterien zur Beurteilung dieser Gemeinschaftsformen.“

Beratungsangebote für Betroffene

Dr. Andreas Heek, der von der Arbeitsstelle Männerseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz die Tagung mit einem Team vorbereitet hat, ist der Überzeugung, dass „es besonders für Männer schwer ist, sich selbst und vor anderen einzugestehen, Opfer von Missbrauch geworden zu sein“. Deshalb brauche es von den Strukturen der Kirche unabhängige Beratungsangebote für Betroffene: „Es reicht nicht, dass wir hier einmal darüber gesprochen haben. Wir müssen jetzt ins Handeln kommen“. Ein Zwischenschritt könnte die Kooperation mit der von der Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz ins Leben gerufenen Beratungshotline für Frauen sein und diese auch für Männer anzubieten. „Aber es müssen vor allem Wege gefunden werden, eine unabhängige Beschwerdestelle zu installieren, bei der Betroffene Gehör finden und Täter am weiteren Missbrauch gehindert werden“, so Heek weiter.

 

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