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Schwarzlichtprojekt der Tokioer Künstlerin Yayoi Kusama in der Zelle

19. Oktober 2026

Vom 14. März bis zum 2. August zog die Werkschau der namhaften Künstlerin Yayoi Kusama die bislang unerreichte Zahl von mehr als 480.000 BesucherInnen in das Kölner Museum Ludwig. Die Schau zeichnete das in mehr als 70 Jahren künstlerischen Schaffens entstandene Werk der hochbetagten Künstlerin nach, die nur wenige Tage nach Schließung der Ausstellung am 14. August 2026 im Alter von 97 Jahren in Tokio starb. Im Rahmen der nordrhein-westfälischen Knastkulturwoche im Jugendvollzug der JVA Wuppertal-Ronsdorf das Schaffen Kusamas neu umgesetzt.

 

In der Lebensgeschichte der Künstlerin finden sich Parallelen zu dem, worunter straffällige inhaftierte Jugendliche oft leiden: Kusama fehlte es an einem liebevollen familiären Umfeld, das sie als Person mit ihren eigenen Wünschen nach Entwicklung ernst nahm und wertschätzte. Hinzu kam ihr Leiden unter massiven Ängsten und Halluzinationen, die ihren Lebensspielraum seit ihrer Kindheit psychisch einengten. In ihrer Kunst fand Kusama ihr Heilmittel.

Künstlerische Befreiung

Das Kölner Museum Ludwig zitiert die Japanerin auf ihrer Website mit ihrem künstlerischen Antrieb: „In meinen mehr als siebzig Jahren als Künstlerin habe ich immer Ehrfurcht vor dem Wunder des Lebens gehabt. Mehr als alles andere hat mich dieser starke Sinn für die Lebenskraft im künstlerischen Ausdruck unterstützt und mir Kraft gegeben, Gefühle von Depression, Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit zu überwinden. Ich habe mich von meinem Glauben an diese Kraft leiten lassen.“ Den in der JVA Wuppertal-Ronsdorf inhaftierten Jugendlichen die aus Tokio stammende Künstlerin vorzustellen, drängte sich auf. Ihr Weg der Befreiung aus ihrer persönlichen Gefangenschaft überschneidet sich mit dem Erleben der Inhaftierten.

Haftraum gestalten

Die Knastkulturwoche in Nordrhein-Westfalen führt in Kooperation mit dem Erziehungswissenschaftlichen Dienst und der Gefängnisseelsorge letztlich zu einer eigenen Ausstellung hinter den Mauern. Inspiriert von der Ausstellung in Köln wählt man eine abgedunkelter Zelle, der nur mit mattem Schwarzlicht beleuchtet wird. Ausstattungsdetails werden im Raum durch das leuchten identifizieren. Auf dem Tisch findet man Girlanden, an der Haftraum-Wandleiste hängen Sprüche wie “Zuhören ist der erste Schritt zur Veränderung”. Schwarzlicht bezeichnet eine UV‑A‑Strahlung, ein ultraviolettes Licht, das für das menschliche Auge unsichtbar ist. Menschen gestalten ihren Wohnraum, wie sie es möchten und mit Dingen, die ihnen wichtig sind. “In einem Haftraum als enger Wohnraum auf Zeit kann man es sich als Inhaftierter ebenso einrichten”, sagt einer der jungen Erwachsenen.

Ein Stück Teilhabe

Über sechs Wochen hinweg gestalten zehn Jugendliche in zwei Gruppen Bilder und Papierarbeiten aus schwarzlichtsensiblem Material, das in der Knastkulturwoche in einem nicht belegten Haftraum präsentiert wird. Teilnehmende der zwei Gruppen nehmen die Rolle der “Museumsguides” wahr. Bedienstete besuchen die Zelle zusammen mit Inhaftierten und reflektieren das Erleben der Veränderung des Haftraums, der ihrem momentanen Lebensraum entspricht. Das Projekt ermöglicht trotz gesellschaftlicher Ausgrenzung durch die Inhaftierung ein Stück kultureller Teilhabe. Inhaftierte junge Menschen knüpfen gestaltend an ein kulturelles Großereignis an, von dem sie in ihrer eigenen Zelle aus den Medien erfahren haben.

Beate Josten | JVA Wuppertal-Ronsdorf

 

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